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Das genaue wirtschaftliche Ausmaß könne noch nicht beziffert werden, da die Dauer des Ausfalls noch nicht feststeht, erklärte Nyeste gegenüber der APA. Neben der Länge der Störung hänge der Einfluss auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auch von der Energiespardisziplin der Konsumentinnen und Konsumenten ab. "Eine zentrale Frage ist, ob die erwarteten Energieeinsparungen der Haushalte zusammen mit höheren Importen ausreichen werden, um Beschränkungen für industrielle Verbraucher zu vermeiden. Falls ja, dürften die negativen Auswirkungen auf das BIP kaum ins Gewicht fallen", erwartet die Ökonomin. Jedoch könnten sich die höheren Preise importierten Stroms über eine Verschlechterung der Nettoexporte moderat negativ aufs Wachstum niederschlagen.
Anders als zunächst angenommen, musste das AKW bisher noch nicht gänzlich vom Netz genommen werden, auch wenn dies im weiteren Wochenverlauf noch der Fall sein dürfte. Der Beobachtungsseite holadelej.hu zufolge lief der noch verbleibende Reaktor am Montagnachmittag mit einer Leistung von 230 Megawatt und damit knapp zwölf Prozent der Vollbetriebserzeugung des AKW von 2.000 MW. Insgesamt standen in Ungarn zuletzt einem nationalen Verbrauch von rund 7.750 MW eine Erzeugung von 7.400 MW gegenüber - letztere zu einem großen Teil aus Solarenergie, welche sich abends verringern dürfte.
Zwar will die ungarische Regierung weitere Reservekraftwerke hochfahren, dies dürfte jedoch nicht ausreichen, um den Verbrauch zu decken. Der Nachfrageüberhang muss - zu einem großen Teil auch aus Österreich - importiert werden. Dies sei wegen der geringen Erzeugungskosten Paks vergleichsweise teuer, merkt Nyeste an.
Die Lage macht Einschränkungen des wirtschaftlichen und privaten Lebens erforderlich. Wie berichtet, wurden in Ungarn Trinkwasser-, Strom- und Energiesparmaßnahmen verhängt: Es gelten Wasserbeschränkungen für nicht notwendige Nutzungen, die Großindustrie kann bei ausbleibender Verbrauchssenkung laut einer neuen Verordnung vorübergehend vom Netz getrennt werden, und der Schienengüterverkehr wird zu Spitzenverbrauchszeiten eingeschränkt. Ungarns Regierungschef Péter Magyar dankte am Montag der Bevölkerung und den Unternehmen für ihre freiwillige Senkung des Energieverbrauchs, mittels derer mehrere hundert Megawatt gespart werden konnten.
Die Maßnahmen betreffen inzwischen auch viele österreichische Unternehmen. Der Wirtschaftskammer (WKÖ) zufolge sind rund 1.400 heimische Tochterunternehmen im östlichen Nachbarland aktiv. Zudem ist Österreich, nach Deutschland, der zweitgrößte Investor in Ungarn.
"Nach dem Wochenende wird sich dieser Montag als erste echte Bewährungsprobe erweisen", erklärt Erste-Ökonomin Nyeste. Falls Haushalte weiterhin diszipliniert agieren, die inländischen Reserven ausreichen und die Importe weiterhin verfügbar bleiben, könnte der Netzbetreiber MAVIR möglicherweise nicht auf die in der Verordnung vorgesehenen Einschränkungsmaßnahmen zurückgreifen müssen, so die Analystin. Denn für MAVIR bleibe das Ziel, einen flächendeckenden Stromausfall ähnlich jenem auf der Iberischen Halbinsel im Frühjahr 2025 zu verhindern - selbst wenn dies die Einschränkung bestimmter Verbraucherkategorien erfordern sollte.
Sollten stattdessen lang anhaltende Beschränkungen für industrielle Verbraucher und/oder den Verkehr verhängt werden, könnten die Auswirkungen auf das BIP messbar werden - möglicherweise in der Größenordnung von mehreren Zehntel Prozentpunkten. "Kurzfristig erscheint es derzeit nicht unrealistisch, für das Quartal Juli bis September ein negatives BIP-Ergebnis im Quartalsvergleich zu erwarten", so Nyeste. An der Jahresprognose von 1,7 Prozent halten die Erste-Ökonomen jedoch vorerst fest. Während diese Erwartung ursprünglich aber eher konservativ gewesen sei, würden die neu aufgetretenen energiebezogenen Risiken zum jetzigen Zeitpunkt keine Aufwärtskorrektur zulassen.
Die ungarische Wirtschaft kommt auch wegen hoher Energiekosten in der Industrie aus einer jahrelangen Schwächephase. Im ersten Halbjahr hatte sich zunächst eine Trendwende abgezeichnet, zuletzt mit einem BIP-Wachstum von 1,7 Prozent im zweiten Quartal 2026. Nun dürfte sich Experten zufolge die aktuelle Dürre auch abgesehen von der jüngsten Energiekrise negativ auf die ungarische Volkswirtschaft auswirken.