Chemiekonzern Evonik leidet unter schwächelnder Branche

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Evonik kündigt neue Ausschüttungspolitik an
 © APA/APA/AFP/PAU BARRENA
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Der deutsche Spezialchemiekonzern Evonik zollt der schwächelnden Branchenkonjunktur Tribut und kürzt die Dividende. Der Konzern hat im vergangenen Jahr weniger operativen Gewinn geschrieben und stellt seine Dividendenpolitik um, wie er am Donnerstag mitteilte. Die zukünftige Ausschüttung solle nun "zur Erhöhung der finanziellen Flexibilität zwischen 40 und 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses liegen". Dies solle erstmals für das Geschäftsjahr 2026 greifen.

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Evonik verschaffe sich damit auch Raum für Investitionen. Für 2025 sollen die Aktionäre rund um die Essener RAG-Stiftung eine Dividende von einem Euro je Aktie erhalten - nach 1,17 Euro je Aktie im Jahr zuvor. "Die Dividende von Evonik ist seit vielen Jahren hochattraktiv und verlässlich", sagte Aufsichtsratschef Bernd Tönjes. "Mit dem neuen Modell bliebe sie für die Aktionäre attraktiv und bemisst sich dynamisch am Gewinn", betonte Tönjes, der Chef des Großaktionärs RAG-Stiftung. Evonik-Aktien legten zu Mittag zu.

Evonik hat über viele Jahre stabile Dividenden an die Aktionäre rund um die Essener RAG-Stiftung ausgeschüttet, die noch rund 45 Prozent der Aktien hält. Von 2015 bis 2020 waren es 1,15 Euro je Anteilsschein. Von 2021 bis 2024 folgten dann 1,17 Euro je Aktie. Evonik hatte damit auch um Investoren geworben. Der Konzern verpflichte sich zu "konsistenten und attraktiven Renditen" - auch durch eine "attraktive Dividende", verkündet er auf seinen Internetseiten. Nun richtet er seine Dividendenpolitik neu aus. "Wir brauchen eine gute Balance zwischen einer angemessenen Erfolgsbeteiligung für die Aktionäre und der Fähigkeit, zur richtigen Zeit in die besten Zukunftsprojekte zu investieren und die Verschuldung weiter abzubauen", sagte Evonik-Chef Christian Kullmann.

Im vergangenen Jahr habe Evonik einen bereinigten operativen Gewinn (EBITDA) in Höhe von etwa 1,874 Milliarden Euro bei einem Umsatz von etwa 14,1 Milliarden Euro eingefahren. 2024 waren es noch gut zwei Milliarden Euro operativer Gewinn, der Umsatz lag um rund sieben Prozent höher. Durchgreifende Besserung ist nicht in Sicht: Das wirtschaftliche Umfeld werde 2026 herausfordernd bleiben, hieß es weiter. Vor diesem Hintergrund rechnet Evonik für das laufende Geschäftsjahr mit einem bereinigten EBITDA zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro.

Die chemische Industrie befindet sich in der Krise. Der Branchenverband VCI rechnet für 2026 mit einer stagnierenden Produktion in der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Der Umsatz werde voraussichtlich um rund zwei Prozent sinken, hatte der VCI im Dezember erklärt. "Die Industrie funkt SOS. 2025 war für unsere Branche erneut sehr schwierig und der Blick nach vorn wird nicht rosiger", warnte VCI-Präsident Markus Steilemann. Als Gründe für die schlechte Stimmung hatte der Verband unter anderem nicht wettbewerbsfähige Produktionskosten, eine hohe regulatorische Unsicherheit und langwierige Genehmigungsverfahren genannt. Zudem belasteten chinesische Überkapazitäten und die US-Zölle die Geschäfte. Evonik-Chef Kullmann warnte vor steigenden Kosten durch den Emissionshandel. "Das CO2-Gebührensystem muss weg, mindestens aber drastisch reformiert werden", forderte er.

Evonik hat mit einem Umbau auf die Krise reagiert und drückt auf die Kostenbremse. Rund 2.000 Stellen sollen wegfallen, Geschäfte mit rund 3.600 Beschäftigten an den Standorten Marl und Wesseling wurden abgetrennt. Diese könnten verkauft werden.

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