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Vor allem wegen unter den Erwartungen liegenden Kosten übertraf der Vermögensverwalter für Millionäre und Milliardäre die von Analysten geschätzten 640 Millionen Franken. Im Vorjahr hatten Belastungen aus dem Verkauf des lokalen Geschäfts in Brasilien sowie Wertberichtigungen auf Hypotheken und andere Kredite Bär das Ergebnis verhagelt.
Die Halbjahreszahlen bildeten einen soliden Auftakt für den dreijährigen Strategiezyklus 2026 bis 2028, erklärte Konzernchef Stefan Bollinger. "Wir machen bei all unseren Prioritäten Fortschritte und bekräftigen unsere mittelfristigen Ziele." Bär konzentriere sich darauf, organisches Wachstum freizusetzen.
Im ersten Quartal hatten Marktschwankungen unter anderem als Folge des Konflikts in Nahost die Kunden veranlasst, Wertpapiere und Edelmetalle umzuschichten, und Bär damit Gebühreneinnahmen in die Kasse gespült. Seitdem hätten sich die Volatilität und die Handelsvolumina an den Aktienmärkten wieder normalisiert. Diese Entwicklung habe sich im Juli fortgesetzt.
Die verwalteten Vermögen kletterten im Vergleich zu Ende 2025 um fünf Prozent auf 547 Milliarden Franken, ebenfalls ein Höchststand. Dazu trugen steigende Finanzmärkte, eine günstige Währungsentwicklung sowie die bei Reichen und Superreichen neu eingesammelten 5,7 Milliarden Franken bei. Damit wuchs der größte reine Vermögensverwalter für Reiche und Superreiche der Schweiz auf das Jahr hochgerechnet um 2,2 Prozent.
Im Mai hatte Bär die Wachstumsprognose angesichts eines verhaltenen Jahresstarts gekappt und im Vergleich zum Neugeld-Plus von 2,9 Prozent im Jahr 2025 für 2026 eine Verlangsamung in Aussicht gestellt. Bär sei weiter dabei, sich von Kunden mit zu hohen Risiken zu trennen, erklärte Bollinger. Dieser Prozess dürfte sich bis in das Jahr 2027 erstrecken. "Wir sind in der Vermögensverwaltung tätig, und ein Risikoabbau kann dauern. Denken Sie nur an Kunden mit komplexen Strukturen oder an illiquide Anlagen." Gleichzeitig bekräftigte Bollinger die Vorgabe, 2028 ein Neugeldwachstum von vier bis fünf Prozent zu erreichen.
Die Bank ließ erneut offen, wann sie ihre Aktienrückkäufe wieder aufnehmen könnte. Diese hängen vom Abschluss eines Enforcement-Verfahrens ab. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma hatte ihre schärfste Waffe im Zusammenhang mit der Signa-Affäre angewendet. Bär gehörte zu den größten Kreditgebern der zusammengebrochenen Immobiliengruppe des Tiroler Investors René Benko und musste dafür 2023 586 Millionen Franken abschreiben. Der Skandal kostete mehrere Top-Managern des Instituts den Job. Anfang 2025 übernahm dann der frühere Goldman-Sachs-Manager Bollinger den Chefposten. Er besetzte eine Reihe von Schlüsselpositionen neu, schrieb weitere Kredite ab und trennte sich von Kundenberatern, die bei ihren Kunden zu wenig genau hinschauten oder die notwendige Leistung nicht erbrachten.
Nach dem Abschluss des Managementumbaus deutete Bollinger erste Fortschritte an. "Das geht in die richtige Richtung", sagte der Bär-Chef zu Journalisten. "Wir haben nun die zweite Führungsebene besetzt und sind mit unserer Aufstellung sehr zufrieden."