
Ihr neuer Film "Club Zero" erzählt von einer Radikal-Diät, Leistungsdruck und selbstzerstörerischen Weltenrettungsideen. Im Interview für die trend.-Serie "Sprechen Sie Wirtschaft?" präzisiert die Autorin und Regisseurin JESSICA HAUSBER, was sie an unserem Wirtschaftssystem ärgert.
Am 17.11. startet Ihr Film "Club Zero" verstörend wie beklemmend schön und auch präzise designt, was Kostüm-und Farbeinsatz betrifft. Sind Sie in finanziellen Dingen auch ein so klar strukturierter Mensch? Haben Sie immer Ihren Kontostand parat? Wissen Sie am Monatsende, wohin Ihr Geld geflossen ist?
Leider nicht. Ich muss mich sehr konzentrieren, wenn es um Finanzielles geht. Da ich aber auch Produzentin meiner Filme bin, geht es nicht anders: Ich muss mich auch mit der finanziellen Seite beschäftigen. Der Vorteil dessen ist, dass ich somit Bescheid weiß, wofür das Geld in der Produktion meiner Filme ausgegeben wird, und ich kann mitbestimmen, welche Summe wofür verwendet wird. Das ist wichtig, um den Film nach meinen Vorstellungen gestalten zu können.
Der Film thematisiert die Folgen unserer Leistungsgesellschaft. Was ärgert Sie am aktuellen Wirtschaftssystem?
Ich sehe ein Problem darin, dass wir den Leistungsdruck unseres Systems verinnerlicht haben. Wir machen uns inzwischen selbst den Druck, immer noch besser zu sein. Wir leben quasi im "Wachstumsmodus". Gleich gut reicht nicht, man muss besser sein. Besser werden. Das ist sehr anstrengend und führt zu psychischen Krankheiten. Weil der Druck fast unmerklich und unsichtbar ausgeübt wird, weil es keine "Schuldigen" gibt, die man hassen kann, hasst man sich am Ende selbst. Da fühlt es sich richtig gut an, mal einen Konzern wie Google oder Amazon als Ursache des Übels zu identifizieren. Ursache ist aber das System der freien Marktwirtschaft, in das der Staat zu wenig eingreift und das daher Ungerechtigkeiten potenziert.
Wissen Sie noch womit Sie Ihr erstes Geld verdient haben und was Sie damit gemacht haben?
Ich habe in den Sommerferien 1988 im Virgin Megastore als CD-Auflegerin gearbeitet, um mir eine Reise in die USA zu leisten.
Wer mitreden will, muss wissen, was wichtig ist.
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