
Künstliche Intelligenz wird uns noch lange nicht arbeitslos und damit arm machen. Die Wirklichkeit sieht anders aus.
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Zur Erinnerung: Böse KI-Agenten, die Datenbanken löschen und Hackern autonom vertrauliche Informationen senden. Experten, die KI als einzigen Faktor bezeichnen, der dem negativen Trend im Iran-Konflikt entgegenwirkt. Visionen von KI-getriebener Produktivität, die Gewinne steigert und gleichzeitig Millionen Menschen arbeitslos macht.
Überzogene Narrative darüber, was KI schon können soll, gibt es zuhauf. Wie kann man nun Fakten von Science-Fiction trennen?
Zuerst: Schluss mit dem „Gehype“. 2023 sagte ich, die Realität der KI ist stark nuanciert. Seither wurden Hoffnungen und Ängste oft übertrieben. Doch die Realität bleibt komplex. Selbst „KI-Experten“ kennen die Zukunft nicht. Da ist es fast arrogant, auf KI-Spekulationen zu setzen. Fast jede Neuigkeit rund um künstliche Intelligenz wird gehypt. Daher ist es schier unmöglich, mehr zu wissen als andere. Aktien preisen all den Lärm ein. Genau deshalb ist KI für mich keine Blase.
KI zählt zu den häufigsten Gründen, die Unternehmen zuletzt für Entlassungen nannten. Manche behaupten, das Fintech-Unternehmen Block habe die Hälfte seiner Stellen der KI geopfert. Andere erwarten, dass europäische Banken bis 2030 wegen KI 200.000 Stellen abbauen. Schrecklich!
Untergangspropheten argumentieren, KI werde zerstören, aber nichts erschaffen – ein alter Irrtum. Schon 1981 warnten Ökonomen, Computer und Roboter würden Arbeitnehmer verdrängen. Weit gefehlt, denn Jobs veränderten sich. Menschen lernten neue Fähigkeiten. Das Leben wurde besser. Dieses Muster zieht sich durch die Geschichte.
Tatsächlich ist KI bislang nur für einen kleinen Teil von Entlassungen verantwortlich. Der Reality-Check schafft Klarheit: Die Block-Aktie hatte schon über die letzten Jahre nachgegeben. KI wurde jetzt zum Sündenbock für schlechte Performance.
Tech-Begeisterte überschätzen das Tempo großer Veränderungen. Denken Sie an das Internet. Es folgten Breitband, WLAN und erschwingliche Laptops. Danach kamen Smartphones, soziale Medien, Videokonferenzen, mobile Zahlungen und mehr. Das waren Jahrzehnte!
Strombedarf, fehlende Rechenzentren und Chipmangel bremsen die Einführung von KI. Bestrebungen, die KI-Regulatorik in der EU einfacher zu gestalten und Fristen des EU-AI-Acts nach hinten zu verschieben, sieht man dabei in Österreich und weiteren EU-Staaten weiter kritisch, auch wenn sich die Verordnung auf der Zielgeraden befindet.
KI kann manche Branchen stark verändern, andere weniger. Kann sie die Sachertorte besser machen? Oder den Rohbau eines Hauses? Sie kann vielleicht die Logistik für den Transport und die Lagerung optimieren. Und sonst?
Bei wissensbasierten Tätigkeiten wollen Kunden nicht nur Fachwissen – sie wollen auch Verantwortung. Versuchen Sie mal, eine KI-App haftbar zu machen, wenn sie Ihre Steuererklärung verbockt hat. Dasselbe gilt für Finanzdienstleistungen.
Große Innovationen führen selten zu Entwederoder-Szenarien. Lebensmittellieferdienste boomten, gleichzeitig stiegen auch die Umsätze in Restaurants und im Lebensmitteleinzelhandel. Große Einkaufszentren veränderten den Einzelhandel. Dann taten es die Onlinehändler. Und trotzdem florieren spannende Shopkonzepte neben den großen Einkaufszentren.
KI wird vieles verändern – irgendwann. Irgendwann wird sie es jungen Anwälten ermöglichen, monotone Aufgaben zugunsten produktiverer Tätigkeiten aufzugeben. Irgendwann sollten autonom fahrende Lkw den weltweiten Fahrermangel abmildern. Irgendwann sollten selbstfahrende Autos Menschen mit Einschränkungen mehr Unabhängigkeit verschaffen.
Das Gesundheitswesen benötigt schon heute Effizienzgewinne aus KI wie den Bissen Brot. Ein gutes Beispiel dafür sind Apps, die Stürze und Vitalparameter älterer Menschen erkennen. Sie helfen Familien, Beruf und Pflege unter einen Hut zu bringen.
Effizienz ist gut. Aber niemand hat die Welt verändert, indem er mit weniger Personal mehr Bohnen gezählt hat. Großartige Unternehmen finden neue Lösungen für Probleme. Kann KI das? Noch nicht – oder zumindest nicht in absehbarer Zeit. Hype und Übertreibungen mögen die Märkte bewegen – aber nur kurzzeitig. Ein kühler Kopf ist gefragt.
Der Kommentar ist im trend.PREMIUM vom 12. Juni 2026 erschienen.
Über die Autoren

Ken Fisher
Kenneth Lawrence Fisher, geb. 1950, ist Investment-Analyst und einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA. Er ist zudem Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen. Fisher ist Gründer und Vorsitzender von Fisher Investments, einer Firma für Finanzberatung und Vermögensverwaltung mit Sitz in Camas, Washington.