
Warum zu hohe Bargeldreserven die Renditechancen in Ihrem Portfolio beträchtlich schmälern.
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Zollterror, Panik wegen Putin und die Angst vor einer KI-Blase – all das sind beunruhigende Themen. Sind Barmittel in solchen Zeiten also Trumpf? Viele glauben daran – in Österreich und weltweit. Doch wie viel „bar“ ist gut?
Diese Frage stellen sich nur wenige, da Bargeld als sicher gilt. Doch genau das sollten Sie hinterfragen. Bargeld mindert langfristige Vermögensrenditen und birgt die Gefahr einer brutalen, unterfinanzierten Rente: Altersarmut. Wenn Sie diesen Weg zu lange gehen, gibt es kein Zurück. Das richtige Maß ist eine wichtige vorbeugende Maßnahme.
Sinnvoll ist es, sechs bis zwölf Monatsausgaben bar vorzuhalten – als Notfallreserve. So vermeiden Sie zeitlich unpassende Zwangsverkäufe und verbessern Ihre Anlageergebnisse. Wer in den nächsten Jahren größere Ausgaben erwartet (z. B. Hauskauf), der sollte Bargeld halten. Ansonsten sollten Sie -Ihren Bargeldbesitz begrenzen. Warum?
Zahlreiche Studien zeigen, dass die Vermögensstruktur – Ihr Mix aus Aktien, Anleihen, Bargeld usw. – den Großteil der langfristigen Rendite bestimmt, und nicht Markttiming, Titelwahl oder vermeintliche „Sicherheit“.
Ihre Allokation sollte maßgeblich von Ihren Zielen, Bedürfnissen und Ihrem Zeithorizont, also der Zeit, die Ihr Vermögen zur Finanzierung Ihrer Ziele reicht, bestimmt werden. Generell gilt: Je länger Ihr Zeithorizont ist und je mehr Wachstum Sie brauchen, desto mehr sollten Sie in Aktien investieren. Wer auf Cashflow angewiesen ist oder Volatilität nicht verkraftet, sollte vielleicht einige Anleihen halten. Aber zusätzliches Bargeld? Das sollte minimal ausfallen.
Warum? Minimale Renditen! Seit Anfang der globalen Datenerfassung im Jahr 1969 erzielten österreichische Aktien bis Oktober 2025 eine annualisierte Rendite von 7,8 Prozent und lagen damit auf dem Niveau der weltweiten Aktiengewinne. Gold? 6,1 Prozent seit der Lockerung der letzten Beschränkung des Goldstandards Ende 1973. Und Barmittel? Kurzfristige Staatsanleihen, ein Bargeldersatz, erzielten in diesem Zeitraum eine annualisierte Rendite von nur 4,5 Prozent – die niedrigste von allen. Klingt immer noch gut, da es keine Volatilität gibt? Nicht ganz: Die Inflation von 3,5 Prozent im langfristigen Durchschnitt zehrt den größten Teil der Rendite von Bargeld auf. Wenn Ihre Ziele ein reales Wachstum erfordern, eignet sich Bargeld also am wenigsten.
Welchen Portfolio-Anteil haben Barmittel bei Ihnen? Wie sieht Ihre Vermögensstruktur aus? Seltsamerweise wissen das nur wenige Anleger. Um dies herauszufinden, zählen Sie alle Ihre Konten zusammen – Bankguthaben, Aktien, ETFs, alles. Bei 100.000 Euro in einem Fonds mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen entfallen 60.000 Euro auf Aktien, 40.000 Euro auf Anleihen.
Ziehen Sie nun kurzfristige Ausgaben oder für Notfälle benötigte Mittel ab. Dann teilen Sie jedes Vermögen durch die Gesamtsumme. Die resultierenden Prozentsätze sind Ihre Allokation. Wie hoch ist der Bargeldanteil?
Ob bewusst oder nicht, Ihre Allokation ist Ihr Blick in die Zukunft. Wenn Sie viele Barmittel halten, bedeutet dies, dass die Anlageklasse mit der historisch niedrigsten Rendite für Sie zukunftstauglicher ist als jene mit historisch langfristig höheren Renditen. Das ist extrem pessimistisch!
Das macht nur Sinn, wenn Sie große Negativfaktoren erahnen, die andere nicht sehen. Die allseits bekannten Themen Ukraine, Zölle, Inflationsängste, Sorgen um eine KI-Blase und Co. zählen nicht. Die Märkte haben diese Faktoren bereits eingepreist.
Viele halten ihre Barmittel, falls Aktienkurse fallen. Aber sie übergehen dabei – wenn auch nervenaufreibende – „Buy the Dip“-Momente. Sie ignorieren die Wertentwicklung von Bargeld. Ein riskanter Denkfehler!
Bargeld fühlt sich gut an, ist aber zugleich ein Hemmschuh. Seit 2000 wuchs ein Betrag von 100.000 Euro, der zu 70 Prozent in weltweite Aktien und zu 30 Prozent in langfristige österreichische Anleihen investiert wurde, bis Oktober um 266.500 Euro. Bei einem Barmittelanteil von 20 Prozent wären das am Ende fast 44.000 Euro weniger. Teures Bargeld! Betrachten Sie Ihre Vermögensallokation also ganzheitlich. Reduzieren Sie Ihr Bargeld auf ein Minimum.
Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 19. Dezember 2025 erschienen.
Über die Autoren

Ken Fisher
Kenneth Lawrence Fisher, geb. 1950, ist Investment-Analyst und einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA. Er ist zudem Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen. Fisher ist Gründer und Vorsitzender von Fisher Investments, einer Firma für Finanzberatung und Vermögensverwaltung mit Sitz in Camas, Washington.