Ken Fisher: Märkte kennen keine Moral

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Stellenabbau bei Swarovski, voestalpine oder OMV. Hart für jeden Betroffenen. Doch Börsen lassen sich dadurch nicht bremsen.

Beschäftigung: Swarovski, voestalpine, OMV – diese und weitere Unternehmen haben einen Stellenabbau in Österreich angekündigt. Viele fürchten, das seien Anzeichen für einen bevorstehenden Bärenmarkt und eine Rezession, die von österreichischen und globalen Aktien angeblich übersehen werde. Das ist schlicht falsch und vergangenheitsorientiert gedacht. Beschäftigungsdaten sind immer nachlaufende Indikatoren – und haben keine Prognosefähigkeit.

Ja, es gibt mehr Kündigungen. Die voestalpine will 340 Stellen in Kindberg und Mürzzuschlag streichen. Swarovski plant den Abbau von knapp 80 Mitarbeitenden, weitere verlassen das Unternehmen freiwillig. Die OMV will bis 2027 den Abbau mehrerer Hundert Arbeitsplätze umsetzen. Alles schmerzhafte Neuigkeiten. Trotz dieser Ankündigungen stieg die Beschäftigung in Österreich im dritten Quartal 2025, wenn auch sehr zaghaft, aber ein Zeichen für mehr Stabilität im Arbeitsmarkt als erwartet. In den USA bleiben die wöchentlichen Arbeitslosenanträge niedrig. In Frankreich stagnierte die Beschäftigung trotz großer Entlassungsmeldungen.

Fakt ist: Es ist falsch, Arbeitsplätze mit künftigem Wachstum zu verknüpfen. Zwar machen Konsumausgaben 52 Prozent des österreichischen BIP (in den USA übrigens 68 Prozent) aus. Doch selbst bei steigender Arbeitslosigkeit brechen sie nicht ein. Der Konsum ist selbst in Rezessionen erstaunlich stabil.

Man bedenke: Während des globalen Megaabschwungs von 2007 bis 2009 schrumpfte das österreichische BIP um fünf Prozent, die Ausgaben der Privathaushalte jedoch nur um 1,9 Prozent, also deutlich milder. Kurz: Sie sind bemerkenswert stabil. Das US-BIP sank während der „Großen Rezession“ um 3,8 Prozent. Gleichzeitig gingen die Konsumausgaben in den USA um 2,3 Prozent zurück – stärker als in Österreich, aber immer noch geringer als der Rückgang des gesamten US-BIP. Der entscheidende Punkt: In beiden Fällen fielen zuerst die Aktienkurse, nicht danach. Die Aktien waren das Warnsignal – nicht die Arbeitsplätze.

Warum? Der Großteil des Konsums entfällt auflebensnotwendige Ausgaben wie Lebensmittel, Wohnen und Energie – mit geringen Schwankungen.

Zudem hinkt die Beschäftigung der Konjunktur hinterher. Denken Sie wie ein CEO! Sinkt der Umsatz, kürzen Unternehmen zunächst Kosten, Lagerbestände und Investitionen. Entlassungen sind ein letztes Mittel. Warum? Sie schaden dem Ruf, stören die Unternehmenskultur und sind teuer rückgängig zu machen. Erfahrene Mitarbeiter lassen sich nur schwer ersetzen, wenn sich die Lage wieder verbessert. Außerdem riskieren Unternehmen rechtliche Konsequenzen.

Auch bei einem Aufschwung stellen Unternehmen nicht sofort wieder ein. Sie warten auf nachhaltige Umsatzgewinne. Neue Arbeitsplätze folgen dem absehbar stabilen Wachstum. Und Aktien sind beiden voraus. Immer.

Während der globalen Rezession von 2007 bis 2009 erreichte der ATX im Juli 2007 sein Allzeithoch. Das BIP blieb noch bis zum ersten Quartal 2008 stabil hoch.

Die Beschäftigungszahlen drehten erst im vierten Quartal 2008 ins Minus. Im dritten Quartal 2009 wuchs das BIP wieder, die Beschäftigung zog jedoch erst im zweiten Quartal 2010 an. Der ATX? Bis dahin war er gegenüber dem Tiefstand vom März 2009 schon um 87 Prozent gestiegen. So läuft es typischerweise ab.

Ebenso erreichte das US-BIP im Dezember 2007 seinen Höchststand. Die Beschäftigungszahlen sanken erst im Februar 2008. Sie fielen dann bis Februar 2010 weiter, obwohl das BIP schon 2009 seinen Tiefpunkt überwunden hatte. Die US-Aktien waren allen anderen voraus! Ende Februar 2010 lagen sie 53 Prozent über ihren Tiefstständen.

Entlassungswellen liefern keine validen Prognosen – weder jetzt noch irgendwann. Aktien haben Kündigungen meist längst eingepreist und sind weitergezogen. Die ATX-Gesamtrendite von 50 Prozent 2025 unterstreicht das.

Aktien ignorieren nichts, was allgemein bekannt ist und öffentlich diskutiert wird. Beides trifft auf einen Stellenabbau zu. Steigende Aktien durchschauen unbegründete Befürchtungen vor Entlassungswellen. Vertrauen Sie darauf.

Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 16. Jänner 2026 erschienen.

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