Ken Fisher: Börsenwunder Midterms

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Die Menschen gehen an Wahlplakaten vorbei, während sie sich auf den Weg machen, um an der vorzeitigen Stimmabgabe für die Zwischenwahlen teilzunehmen
 © APA / AFP / Allison Joyce

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Alle vier Jahre geben die Wahlen zur Halbzeit einer US-Präsidentschaft den Märkten einen starken Schub.

Eines meiner liebsten Börsengeheimnisse naht: die US-Zwischenwahlen und ihre magische Wirkung auf Märkte. Die sogenannten „Midterms“ und die damit verbundene politische Blockade im US-Parlament leiten immer wieder die beständigste Neunmonatsphase für US-Aktien ein. Diese positive Entwicklung spürt man weltweit – auch in Österreich.

Meine optimistische Prognose für 2026 griff diesen Zauber der Zwischenwahlen auf: Die Midterms verschärfen fast immer die politische Blockade und bringen große, potenziell beunruhigende Gesetzesvorhaben zu Fall. Amerikas Wahlzyklus hat konkrete Auswirkungen: Die Macht eines Präsidenten ist zu Beginn seiner Amtszeit am größten. Die starke Welle der Unterstützung trägt ihn. Daher bringen Präsidenten in den ersten beiden Amtsjahren ihre größten und umstrittensten Gesetzesvorhaben auf den Weg. Aktien geraten häufig ins Schwanken, weil Gewinner und Verlierer entstehen und Unsicherheit zunimmt.

Im zweiten Amtsjahr – wie jetzt 2026 – beginnt der Wahlkampf für die Midterms. Extreme Rhetorik verunsichert die Börsen. In den vergangenen 100 Jahren legten US-Aktien in nur 48 Prozent der ersten, in 56 Prozent der zweiten und in 60 Prozent der dritten Quartale von Midterms-Jahren zu. Dann kommen sie, die Zwischenwahlen: In 89 Prozent der Fälle verlor die Partei des Präsidenten Sitze im Repräsentantenhaus, in 71 Prozent der Fälle auch im Senat.

Eine Pattsituation! Die Märkte reagieren erfreut, wenn große, polarisierende Gesetzesvorhaben ins Stocken geraten. In 84 Prozent aller Midterms-Jahre stiegen US-Aktien im jeweils vierten. Quartal und in 88 Prozent der ersten und zweiten Quartale der Folgejahre. Über diese Neunmonats-Phase war die Gesamtrendite bis auf eine Ausnahme immer positiv. Dabei spielt die Aktienentwicklung vor der Wahl keine Rolle.

Dank der hohen Marktkorrelation bleibt dieses Wunder nicht auf die USA beschränkt. Die Korrelation zwischen US-Aktien und Aktien außerhalb der USA liegt bei 0,82 – also hoch, denn 1,00 bedeutet Gleichläufigkeit, minus 1,00 wäre eine völlig gegenläufige Entwicklung. Auch die Korrelation des ATX mit dem S&P 500 ist mit 0,69 durchaus hoch.

Was hier gut für die USA ist, ist auch gut für Österreich. Nehmen Sie 2022. Vom vierten Quartal 2022 bis zum Ende des zweiten Quartals 2023 legte der S&P 500 in US-Dollar um 26 Prozent zu. Das verhalf dem ATX zu einem Plus von 22 Prozent in Euro, wie ich damals hier auch prognostiziert hatte.

Nun gibt es Anzeichen, dass sich diese Mechanik wiederholt. Die typische Unruhe zu Beginn eines Midterms-Jahrs zeigte sich bereits in der Minikorrektur im Februar und im März. Die extreme Wahlkampfrhetorik dominiert. Die Republikaner fürchten den Aufstieg demokratisch-sozialistischer Kandidaten. Demokraten und Nichtamerikaner sorgen sich, dass US-Präsident Donald Trump extreme Maßnahmen ergreifen könnte. Vergessen Sie all das! Betrachten Sie es wie die Börse. Was auch immer geschieht: Die politische Blockade dürfte zunehmen. Bullish!

Trumps Republikaner verfügen derzeit in beiden Kammern über knappe Mehrheiten. Alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus stehen zur Wahl, ebenso 35 der 100 Sitze im Senat. Durch taktische Wahlkreisverschiebungen beider Parteien sind tatsächlich nur 25 Sitze im Repräsentantenhaus hart umkämpft. Diese Ergebnisse entscheiden über die ansonsten nahezu ausgeglichenen Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus. Im Senat stehen dagegen nur sieben Sitze auf der Kippe. Die Republikaner liegen derzeit mit 53 zu 47 vorne.

Die Veränderung muss also nicht groß ausfallen. Erobern die Demokraten – auch aufgrund von Trumps rückläufigen Umfragewerten – eine der beiden Kammern, ist die politische Blockade perfekt. Und wenn die Republikaner beide Kammern halten? Dann bleiben ihre Mehrheiten knapp. Nach dem 3. November werden die Republikaner eine Post-Trump-Ära planen und sich dabei intern zerstreiten. All das lässt das politische Risiko sinken.

Der ATX ist dieses Jahr kräftig gestiegen. Bekommen Sie keine Höhenangst! Vor der Novemberwahl wird die beunruhigende Rhetorik wieder aufflammen. Ignorieren Sie sie! Ein Börsenwunder wird die Aktien in den USA, Österreich und darüber hinaus bald weiter nach oben treiben.

Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 9. Oktober 2026 erschienen.

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