VKI gewinnt Prozess gegen Ö-Ticket-Nepp

VKI gewinnt Prozess gegen Ö-Ticket-Nepp

Wenn der Ticketkauf zur unzulässigen Gebührenfalle wird.

Es wirkt schon etwas dreist: Bisher verlangt Ö-Ticket von Karten-Käufern, die ihr Ticket selbst zu hause ausdrucken 2,50 Euro. Diese und andere Zusatzgebühren hat das Gericht nun für unzulässig erklärt. Wie Sie Ihr Geld zurückfordern können.

Für den einzelnen ist es keine große Summe, ärgerlich ist es aber alle mal, wenn man dafür, dass man für eine vom Eintrittskarten-Anbieter Ö-Ticket gekaufte Karte, die man selbst zu Hause ausdruckt (print@home), auch noch 2,50 Euro Gebühren zahlen muss. "Eine Gebühr dafür zu verlangen, dass Konsumenten ihre Tickets selbst ausdrucken, ist sehr überraschend", wundert sich Joachim Kogelmann, zuständiger Jurist im Verein für Konsumentenschutz (VKI). Nun hat der VKI im Auftrag des Sozialministeriums erfolgreich gegen diese Praxis der Ö-Ticket-Betreiberfirma CTS Eventim Austria GmbH geklagt.

Auch andere Aufschläge für unterschiedliche Zustellungsarten des Unternehmens wurden vom Handelsgericht Wien als unzulässig erklärt. Wenn etwa das Ticket per Code auf das Mobiltelefon zugestellt wird (mobile tickets), fallen ebenso Gebühren von 2,50 Euro an. Soll das Ticket hingegen in einer Libro-Filiale oder bei Ö-Ticket selbst abgeholt werden, werden zusätzlich 1,90 Euro verrechnet, bei Hinterlegung an der Abendkasse gar 2,90 Euro. Nichts davon ist laut Gericht zulässig.

Kunden werden durch Spesen-Klauseln benachteiligt

Laut dem Urteil des Handelsgerichts sind alle eingeklagten Klauseln gesetzwidrig, da sie den Kunden benachteiligen und als Bestimmungen ungewöhnlichen Inhaltes in Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder Vertragsformblättern zu werten seien. Die Zurverfügungstellung der Karte stellt eine Nebenpflicht des Vermittlungsvertrages dar, so das Gericht.

Geschädigte Kunden können bis zu 30 Jahre rückwirkend ihr zu viel bezahltes Geld zurückfordern

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Aber sobald es soweit ist, können geschädigte Konsumenten die Extragebühren, die erfolgreich eingeklagt wurden, zurückfordern. Es sind zwar nur minimale Beträge, aber wer dem Ticketservice-Dienst diese nicht einfach überlassen will, kann das Geld zurückfordern, wie VKI-Jurist Kogelmman gegenüber trend.at erklärt. "Es gilt im Prinzip die lange Verjährungsfrist, also 30 Jahre." Zwar gibt es Urteile, die diese lange Verjährungsfrist einschränken, aber nach derzeitiger Rechtsauslegung gilt für das Urteil gegen die Ö-Ticket-Betreiberfirma die lange Frist.

Um zu viel bezahlte Spesen rückfordern zu können, müssen diese auf der Rechnung ausgewiesen sein

Anspruch auf die Rückerstattung der zu viel verlangten Spesen haben allerdings nur all jene, die die Einhebung der Extrakosten nachweisen können. Nur die Verrechnung der Gesamtkosten, beispielsweise anhand des Kreditkartenbelegs, reicht nicht.

Rechnen aufbewahren - auch von anderen Anbietern, die ähnliche Gebühren einheben

Ist das Urteil rechtskräftig, müssen auch alle anderen Ticketbetreiber mit ähnlichen Spesen-Praktiken auf der Hut sein. "Auch sie müssen mit einer Verurteilung und Nachforderungen durch die Konsumenten rechnen", so Konsumentschützer Kogelmann. Also alle Rechungen von Ticket-Diensten, die Spesen verrechnen, die dem beispielsweise dem natürlichen Rechtsempfinden widersprechen, aufbewahren und sobald weitere dieser Unternehmen verurteilt werden, zurückfordern.

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