"Verärgerte Kunden wollen heute entschädigt werden"

D.A.S. Vorstandsvorsitzender Johannes Loinger im Gespräch mit trend.at

D.A.S. Vorstandsvorsitzender Johannes Loinger im Gespräch mit trend.at

D.A.S. Vorstandsvorsitzender Johannes Loinger sprach mit trend.at darüber, wie sich Rechtsschutz in den vergangenen 60 Jahren verändert hat, in welchen Bereichen Rechtsschutz am häufigsten zum Einsatz kommt, wo der Bedarf nach Rechtsbeistand am stärksten steigt, was sich im Anlegerschutz bei Rechtsschutzversicherungen geändert hat und warum KMUs der Rechtsschutz wichtiger geworden ist.

Sie feiern heuer Ihr 60-jähriges Firmenjubiläum. Was war der Auslöser, um eine Rechtsschutzgesellschaft zu gründen?

Loinger: Begonnen hat alles mit einem verheerenden Unfall bei einem Autorennen in Le Mans 1917. Damals gelang es Beteiligten nicht ihr Recht gegen die verschiedenen KFZ-Haftpflichtversicherungen durchzusetzen. In der Folge entstand die Idee der Rechtsschutzversicherung. 1917 wurde daher in Frankreich die erste D.A.S. – die "D.A.S. La Défense Automobile et Sportive" – gegründet. 1956 hat dann auch in Österreich die D.A.S. als erste Rechtsschutzgesellschaft ihren Betrieb aufgenommen. Der ursprüngliche Firmenname D.A.S., „Deutscher Automobil Schutz“, verdeutlicht, dass wir mit Kfz-Rechtsschutz begonnen haben. In den letzten 60 Jahren sind viele Rechtsschutzbereiche dazugekommen. Und dieser Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Wir orten einen steigenden Bedarf nach Rechtsschutz in vielen Lebenslagen.

trend.at: Wenn man einen Anwalt einschaltet oder gar vor Gericht geht, kann es teuer werden. Ist das Bewusstsein, dieses Risiko abzusichern, gestiegen und damit die Nachfrage nach Rechtsschutzversicherungen? Welche rechtlichen Bereiche werden am häufigsten angewendet?

Loinger: Wir haben in den vergangenen Jahren tatsächlich eine steigende Nachfrage nach Rechtsschutz verzeichnet. Das liegt auch am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umfeld. Wenn es der Wirtschaft nicht so gut geht, steigt auch das Bedürfnis nach Rechtsschutz. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass mehr gestritten wird. Vielmehr geht es um die Absicherung existenzieller Bereiche. Ein Beispiel ist die Sorge um den Arbeitsplatz, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten größer ist. Damit steigt das Interesse an Arbeitsrechtsschutz. Aber auch Nachbarschaftsstreitigkeiten kommen öfter vor, in Städten wird den Menschen das Mietrecht immer wichtiger, am Land die Absicherung von Grund und Boden. Und wenn die Menschen ihre Haushaltsbudgets genau einteilen müssen, können sie es sich oft auch gar nicht leisten, auf Geld zu verzichten, das ihnen von Rechts wegen zusteht. Dann braucht es die Hilfe eines Rechtsschutzversicherers, um dieses Recht durchzusetzen.


Gerade wenn Reise-Anbieter mit besonders günstigen Angeboten werben, kommt es immer wieder zu Enttäuschungen.

trend.at:Immer mehr Menschen buchen Reisen auf eigene Faust im Internet. Kommt es verstärkt zu rechtlichen Auseinandersetzungen?

Loinger: Beim Thema Reisen hat die Nachfrage nach Rechtsschutz definitiv zugelegt. Gerade wenn Reise-Anbieter mit besonders günstigen Angeboten werben, kommt es immer wieder zu Enttäuschungen. Verärgerte Kunden wollen das heute aber nicht mehr einfach auf sich beruhen lassen und wollen entschädigt werden.
Eine nicht minder starke Nachfrage gibt es beim Vertragsrechtsschutz, etwa was die Gewährleistung betrifft, aber auch Streitigkeiten mit Mobilfunkunternehmen oder Energieanbietern kommen häufig vor. Hier haben sich eine Reihe neuer Konfliktfelder entwickelt und Betroffene können und wollen es nicht mehr hinnehmen, auf Geld, das ihnen zusteht, zu verzichten.


Die meisten privaten Auseinandersetzungen drehen sich ums Fahrzeug.

trend.at: Welche Bereiche werden am häufigsten schlagend?

Loinger: Die meisten Schadenfälle verzeichnen wir beim betrieblichen Vertragsrechtsschutz, gefolgt von privaten Vertragsstreitigkeiten und Auseinandersetzungen rund ums Fahrzeug. Stark in Anspruch genommen werden auch Beratungen, sowohl bei unseren Partneranwälten als auch bei unseren hausinternen Juristen. Daneben wickelt unser spezialisiertes RechtsService Inkasso jährlich eine hohe Zahl an Inkassoforderungen unserer Kunden ab.

trend.at: Was sind die ersten Schritte bei einer drohenden Rechtsstreitigkeit?

Loinger: Im Schadenfall sollte der erste Schritt immer eine Meldung an den Versicherungsberater oder die Versicherung selbst sein. In unserem Fall stehen in ganz Österreich knapp 40 hausinterne Juristen den Kunden zur Verfügung. Ob telefonisch, persönlich, online oder via E-Mail, unsere juristischen Mitarbeiter in ganz Österreich nehmen den Schadenfall auf und beraten den Kunden über mögliche nächste Schritte.

trend.at:Welche Möglichkeiten zur Konfliktlösung bieten Sie an?

Loinger: Nicht immer ist der Weg vor Gericht der beste oder sinnvollste. Oft bieten wir daher unterschiedliche außergerichtliche Lösungsalternativen wie etwa Mediation oder die D.A.S. Direkthilfe an. Im Zuge dieser schicken unsere Juristen ein Mahnschreiben an den Gegner. Diese Lösungsmethode hat den Vorteil, dass sich der Kunde nicht nur Geld sondern auch Zeit und Nerven spart. Das bestätigen auch unsere Juristen, die gerade in Fällen mit geringerem Streitwert eine hausinterne außergerichtliche Schadenabwicklung für unsere Kunden übernehmen. Ein Gerichtsprozess ist ja auch etwas sehr emotionales und nicht immer angebracht und nötig. Oft reicht zur Prävention eines Rechtsstreits schon eine fundierte, juristische Beratung. Dazu bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, sich per Telefon, Email oder online Rat zu holen.

trend.at:Gilt die Rechtsschutzversicherung auch, wenn man einen außergerichtlichen Vergleich anstrebt?

Loinger: Natürlich bietet eine Rechtsschutzversicherung auch bei außergerichtlichen Konfliktlösungen Unterstützung.

trend.at:Ist die Höhe der Prämie auch von Alter, Geschlecht, Wohnort und Beruf abhängig?

Loinger: Diese Faktoren haben bei unserem Privat-Rechtsschutz keinen Einfluss auf die Prämienhöhe.

trend.at: Zu welcher Versicherungssumme raten Sie?

Loinger: Mit unserer Standardversicherungssumme von 200.000 Euro sind im Normalfall alle Kosten eines Schadenfalls abgedeckt. Wer darüber hinaus auch für seltene Ausnahmen auf Nummer Sicher gehen will, kann mit unserem Premium-Paket mit einer Versicherungssumme von über 300.000 Euro vorsorgen.

trend.at: Ist die freie Anwaltswahl empfehlenswert?

Loinger: Für viele Kunden ist die freie Anwaltswahl ein wichtiges Argument. Bei uns ist diese daher in all unseren Produkten standardmäßig enthalten. Aber nicht immer kennt der Kunde einen spezialisierten Anwalt für genau das Thema, das ihn gerade beschäftigt. Wir verfügen daher österreichweit über ein Netz von rund 500 Partneranwälten und können so den Kunden den am besten geeigneten Rechtsanwalt für jede Region in Österreich empfehlen.

trend.at: Ist es ratsam, gleich eine Versicherung für die ganze Familie abzuschließen und wie hoch sind die Zusatzkosten?

Loinger: Recht haben bedeutet nicht immer auch Recht bekommen. Jeder kann jederzeit und überraschend in einen Konflikt verwickelt werden. Eine Rechtsschutzversicherung ist daher für alle Familienmitglieder sinnvoll. In unseren Produkten besteht der Versicherungsschutz für den Versicherungsnehmer selbst wie auch für die im selben Haushalt lebende Familie, ohne Extra-Prämie.


Größtes Problem bei Mehrfachversicherungen ist der Interessenkonflikt.

trend.at: Was können Sie als Rechtsschutzspezialist besser als andere, die mehrere Versicherungen anbieten?

Loinger: Größtes Problem bei Mehrfachversicherungen ist der Interessenkonflikt. Wir als Spezialversicherer bieten den Vorteil, dass es eben zu keiner Interessenkollision mit anderen Versicherungssparten kommen kann. Wir kämpfen vorbehaltlos für das Recht unserer Kunden. Ein Beispiel: Sie haben einen Wasserschaden in Ihrer Wohnung und Ihre Haushaltsversicherung übernimmt nur einen Teil des Schadens. An sich ein klassischer Fall für die Rechtsschutzversicherung. Stellen Sie sich aber vor, Sie haben sowohl die Rechtsschutz- als auch die Haushaltsversicherung beim selben Unternehmen. Darüber hinaus verfügt ein Rechtsschutzspezialist über die notwendige Expertise, um selbst bei immer komplexer werdenden rechtlichen Rahmenbedingungen eine professionelle Lösung von Konflikten zu gewährleisten. Unsere Kunden profitieren vom Fachwissen unserer Juristen und unserer 60-jährigen Erfahrung als Rechtsschutz-Spezialist.

trend.at: Warum sollte man eine Kfz-Rechtsschutzversicherung abschließen, wenn man ohnehin eine Haftpflicht oder zusätzlich sogar eine Kaskoversicherung hat?

Loinger: Eine Haftpflichtversicherung unterstützt den Versicherungsnehmer bei Schadenersatzansprüchen, die gegen ihn erhoben werden. Sie wehrt aber auch unberechtigte Ansprüche ab. Eine Kaskoversicherung übernimmt darüber hinaus Schäden am eigenen Fahrzeug. Möchte man selbst jedoch Schadenersatzansprüche gegen einen anderen durchsetzen, dann fällt das nicht in den Bereich der eigenen Haftpflicht- oder Kaskoversicherung. In diesem Fall hilft nur die Rechtsschutzversicherung.


Die Deckungen in der Vermögensveranlagung wurden stark eingeschränkt, sonst hätte dieses Randthema den Rechtsschutz stark verteuert.

trend.at: Seit Beginn der Finanzkrise 2008 haben gerichtliche Auseinandersetzungen im Bereich Anlegerschutz zugenommen. Doch Streitigkeiten aus Finanzveranlagungen sind häufig nicht gedeckt. Wie sieht das bei der D.A.S aus?

Loinger: In den vergangenen Jahren wurden die Deckungen der Rechtsschutzversicherer in der Vermögensveranlagung stark eingeschränkt. Daran führte kein Weg vorbei, ansonsten hätte dieses Randthema den Rechtsschutz so stark verteuert, dass er für den Einzelnen nicht mehr leistbar geworden wäre. Darüber hinaus konnten Rechtsschutzversicherer bis vor wenigen Jahren Verfahren, in denen viele Kunden in derselben Art und Weise betroffen waren, bei spezialisierten Verfahrensanwälten konzentrieren und auf beispielhafte Musterprozesse beschränken. Dadurch blieb das Kostenrisiko kalkulierbar, ohne dass auch nur ein einziger Kunde rechtlich benachteiligt gewesen wäre. Leider sehen Anwälte die Entscheidungsfreiheit des Versicherungsnehmers bei der Wahl des Rechtsanwaltes als unzulässiger Weise eingeschränkt. Der Europäische Gerichtshof folgte diesem Standpunkt, was zum Ende der sogenannten Massenschadenklausel in Verträgen geführt hat. Das war der Hauptgrund dafür, dass der Rechtsschutz in Österreich bei allen Anbietern im Bereich Vermögensveranlagung zum Teil stark eingeschränkt werden musste. Klassische Varianten der Eigenvorsorge wie Lebens- oder Pensionsversicherungen sind meist auch weiterhin vom Rechtsschutz erfasst. Teure und hoch spekulative Formen der Geldanlage allerdings nicht mehr.

trend.at: Übernimmt die D.A.S. Anwaltskosten für Sammelklagen? Wie werden die Kosten aufgeteilt? Muss die Sammelklage von einem Partneranwalt geführt werden?

Loinger: Da die österreichische Rechtsordnung Sammelklagen nicht kennt, sind die Möglichkeiten eingeschränkt, dass viele Geschädigte ihre Ansprüche in einem Verfahren effizient und kostenschonend durchsetzen. Dennoch unterstützen wir unsere Versicherungsnehmer, wenn diese bei einer sogenannten Klagshäufung zu ihrem Recht kommen wollen. Dabei müssen nicht ausschließlich unsere Partneranwälte aktiv werden. Die Kosten des Verfahrens werden dabei im Verhältnis der Streitwerte der einzelnen Kunden aufgeteilt.


Unternehmer sind heute einer zunehmenden staatlichen Regulierungswut ausgesetzt.

trend.at:Wie wichtig sind Rechtsschutzversicherungen für Unternehmen?

Loinger: Gerade Unternehmer sind heute einer zunehmenden staatlichen Regulierungswut ausgesetzt. Diese bringt Gesetze und Vorschriften hervor, die den Betrieb eines Unternehmens erschweren und ein hohes Risiko an Strafen erzeugen. Eine gute rechtliche Absicherung ist da das A und O.

trend.at: In welchen Fällen steht die D.A.S. Unternehmen wie Klein- und Mittelbetrieben zur Seite?

Loinger: Wir bieten unseren Kunden Versicherungsschutz in allen wesentlichen Bereichen des Schadenersatz-Rechtsschutzes, über Straf-Rechtsschutz bis hin zum Vertrags- und Inkasso-Rechtsschutz. Gerade Einzel- oder Kleinunternehmer profitieren von zahlreichen Vorteilen wie selbstbestimmter Arbeitsformen. Zugleich gibt es aber auch eine Reihe an Herausforderungen, die den Geschäftsbetrieb stark beeinträchtigen können. Zum Beispiel erfolgloses Forderungsmanagement, mühselige Vertragsstreitigkeiten oder andere Auseinandersetzungen im Arbeitsleben. Diese rauben nicht nur Zeit und Nerven, sie können auch enorm teuer werden – und in manchen Fällen sogar die Existenz bedrohen. Ein Rechtsschutz nimmt Unternehmen dieses Risiko ab und unterstützt diese, damit sie sich auf das eigentliche Geschäft konzentrieren können. Da aber nicht jedes Unternehmen denselben Bedarf hat, ist der D.A.S. Firmen-Rechtsschutz modulartig aufgebaut und kann so auf die individuellen Bedürfnisse des Unternehmens abgestimmt werden.

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