Ticket-Rückerstattung: So kommen Sie zu Ihrem Geld

In der Coronapandemie wurden weltweit Flüge, Reisen und andere Veranstaltungen seitens der Unternehmen storniert. Viele Konsumenten warten noch immer auf die Rückerstattung der bezahlten Kosten. Die Juristen der D.A.S. Rechtsschutz AG geben Auskunft zu diesem Problem.

Thema: Rechtstipps
Ticket-Rückerstattung: So kommen Sie zu Ihrem Geld

Tausende Flüge und Veranstaltungen wurden abgesagt, viele Kunden warten noch immer auf die Rückerstattung der Kosten.

In der Coronapandemie erlebte die Welt im Jahr 2020 einen absoluten Ausnahmezustand. Gleichzeitig gibt es einen nahezu kompletten Stillstand im internationalen Reise- und Veranstaltungsgeschäft. Zu Tausenden haben Airlines Flüge gestrichen, Kreuzfahrten wurden gecancelt, Veranstaltungen – kulturelle ebenso wie sportliche – abgesagt.

Viele betroffene Unternehmen mussten in der Folge monatelang, nahezu Totalausfälle ihrer Geschäftstätigkeiten verkraften und – sofern die Corona-Wirtschaftshilfen nicht ausreichten – sogar um Staatshilfe ansuchen. So großzügig oft Rettungspakete geschnürt wurden – den Austrian Airlines wurde etwa Anfang Juni mit 600 Millionen Euro durch die Krise geholfen, je 150 Millionen Euro schossen die Republik Österreich und die Eigentümerin Lufthansa zu, darüber hinaus gab es einen 300-Millionen-Euro-Bankkredit mit Garantie der Republik Österreich –, warten viele Reisende, die ein Ticket für einen von einer Airline stornierten Flug oder eine andere Veranstaltung gekauft hatten, dennoch immer noch auf die Rückerstattung der gezahlten Kosten. Mitunter werden Konsumenten zum Spielball zwischen Buchungsplattformen und Veranstaltern beziehungsweise ausführenden Unternehmen.

Ein Beispiel:
„Meine Tochter und eine Freundin hatten im Januar 2020 über die Buchungsplattform Opodo einen Flug mit den Austrian Airlines nach New York gebucht. Es war ihr großer Traum, nach der Matura im August in die USA zu reisen. Die Reise konnte wegen der Coronapandemie nicht angetreten werden, die Flüge wurden storniert. Das Geld für die Flugtickets und das Reisegepäck – rund 1.500 Euro – wurde bis Weihnachten trotz mehrmaliger Interventionen sowohl bei Opodo als auch bei der Fluglinie noch immer nicht zurückgezahlt.“

Während die meisten Kultur-und Sportveranstalter den Konsumenten die Ticketkosten rückerstattet haben, liefert der ÖFB
ein weiteres schlechtes Beispiel:
Am 2. Juni hätte das letzte Vorbereitungsspiel der österreichischen Fußballnationalmannschaft auf die Europameisterschaft 2020 stattfinden sollen. Das Spiel gegen England war bereits Monate vorher ausverkauft. Und obwohl es ungewiss ist, ob und wann es einen Ersatztermin geben kann, hat der ÖFB den Fußballfans die Ticketkosten ebenfalls nicht rückerstattet.

Was können Betroffene, die oft schon ein halbes Jahr auf ihr Geld warten, tun, um zu ihrem Recht zu kommen? Welches Recht gilt? trend.at hat bei den Juristen der D.A.S. Rechtsschutz AG nachgefragt, die im vergangenen Jahr bereits viele ähnliche Anfragen beantworten mussten. Ein Teil der Fälle konnte im Rahmen der D.A.S. Direkthilfe® außergerichtlich geklärt werden. Mitunter wurden auch Partneranwälte der Rechtsschutzversicherung mit derartigen Sachverhalten beauftragt.

Wie groß sind die Chancen, Geld für Flüge zurückzubekommen, die aufgrund von Corona nicht durchgeführt werden konnten? Wer zur Zahlung verpflichtet ist, hängt zunächst davon ab, wer Vertragspartner des Kunden ist. Vertragspartner kann der Reiseveranstalter oder die Fluggesellschaft selbst sein. Wurde eine Pauschalreise gebucht hat oder der Flug über ein Reisebüro gekauft, so ist der Reiseveranstalter Vertragspartner und damit Ansprechpartner für etwaige Rückforderungen. Das Reisebüro ist meist nur Vermittler der Reise.

Wer ist für die Auszahlung letztlich zuständig? Das Reisebüro oder der Reiseveranstalter?
Das ist ein schwieriges Kapitel. Der Reiseveranstalter kann das Geld an das Reisebüro zwar rückerstatten, unter Umständen hat das Reisebüro aber keine Ermächtigung des Reisenden solche Zahlungen entgegenzunehmen. Dadurch kann es zu Verzögerungen bei der Auszahlung und zu Missverständnissen kommen.

Buchungsplattformen verweigern mitunter die Rückerstattung von Kosten für Flugtickets, da sie behaupten, sie hätten ohnehin nie Geld für den Flug, der auch nicht durchgeführt wurde, erhalten. Müssen diese nun den Ticketpreis rückerstatten oder die Airline direkt?
Bei individuell gebuchten Flügen wird die Fluggesellschaft Vertragspartner, egal, ob der Vertrag über einen Reisevermittler oder online geschlossen wurde. Hat die Airline den Flug aufgrund der Coronakrise annulliert, greift die Fluggastrechte-Verordnung. Der Fluggast hat demnach das Recht, dass ihm der Flugpreis rückerstattet wird. Zusätzlich besteht auch ein Anspruch auf Betreuungsleistungen oder eine pauschale Ausgleichszahlung. Der Fluggast kann entweder die vollständige Erstattung des Flugpreises für nicht zurückgelegte Reiseabschnitte verlangen oder eine anderweitige Beförderung zu einem späteren Zeitpunkt wählen.

Kann die Fluggesellschaft auch eine andere Lösung anbieten, als das Geld zu refundieren?
Die Fluggesellschaft ist verpflichtet, dem Fluggast auf dessen Verlangen den Flugpreis zurückzuerstatten. Sie kann diesen also nicht ohne dessen Einverständnis auf einen Flug zu einem späteren Zeitpunkt umbuchen. Einen Gutschein anstelle der Kosten für das Flugticket zurückzubezahlen ist nur nach einem schriftlichen Einverständnis des Fluggasts zulässig. Wenn dieser jedoch die Reise selbst storniert hat, gilt die Fluggastrechte-Verordnung nicht, und er erhält auch das Geld für das Ticket nicht zurück.

Wenn das Flugticket mit Kreditkarte oder Paypal beziehungsweise einem Onlinebezahldienst gezahlt wurde, kann eine Rückbuchung des Geldes verlangt werden? Ja, das ist möglich. Kreditkartenfirmen gewähren zudem oft eine „Einspruchsfrist“ („Chargeback“). Diese Rückzahlung des Geldes kann trotz bereits erfolgter Abbuchungen erfolgen, wenn Leistungen nicht erbracht werden. Eine einheitliche EU-weite Regelung dazu gibt es aber nicht. Speziell in Österreich sind Kunden von der Kulanz der Kreditkartenunternehmen abhängig, so die Erfahrung der D.A.S. Juristen.

Wie ist die rechtliche Lage bei der Rückerstattung von Ticketpreisen für Sport- und Kulturveranstaltungen? Sind diese Veranstalter zur Refundierung des Geldes verpflichtet?
Wurden Veranstaltungen abgesagt, die aufgrund der COVID-19-Pandemie zwischen dem 13. März und dem 31. Dezember 2020 hätten stattfinden sollen, so können Veranstalter stattdessen auch einen Gutschein ausstellen. Die rechtliche Grundlage dafür bildet das Kunst-, Kultur- und Sportsicherungsgesetz – „KuKuSpoSiG“.
Die Gutscheinlösung gilt auch, wenn der Vertrag über einen Vermittler abgeschlossen wurde. In diesem Fall kann der Veranstalter den Gutschein auch an den Vermittler übergeben, damit dieser den Gutschein an den Konsumenten weiterleitet. Der Grund für den Entfall oder die Schließung muss jedenfalls die COVID-19-Pandemie sein.

Wird der gesamte Kaufpreis in Form von Gutscheinen ausbezahlt?
Das Gesetz sieht eine Staffelung der Gutscheinregelung vor. Bei einem Ticketwert bis 70 Euro kann ein Gutschein in voller Höhe ausgestellt werden. Bei einem Ticketwert bis 250 Euro kann ein Gutschein über 70 Euro ausgestellt werden. Der Restbetrag (maximal 180 Euro) wird ausbezahlt. Bei einem Ticketwert über 250 Euro müssen 180 Euro ausbezahlt werden, der Restbetrag darf in Form eines Gutscheins refundiert werden.

Gilt die Regelung pro Ticket oder pro Kauf?
Die Regelung versteht sich pro Ticket. Bucht man also mit einem Kauf mehrere Veranstaltungen, bezieht sich diese 70-Euro-Gutschein-Regel auf jedes einzelne Kunst-, Kultur- oder Sportereignis. War das Kunst-, Kultur- oder Sportereignis Teil eines Abonnements, wie etwa eines Konzerts- oder Fußball-Abos, kann der Besucher anstelle der Veranstaltung einen Gutschein verlangen, der etwa auf ein folgendes Abonnement angerechnet werden kann.

Können Gutscheine weitergegeben werden?
Der Gutschein kann an dritte Personen übertragen werden. Für die Ausstellung, Übersendung oder Einlösung des Gutscheins an Besucher und nachfolgende Inhaber dürfen keine Kosten entstehen. Der Gutschein kann für ein anderes Kunst-, Kultur- oder Sportereignis des Veranstalters oder für einen Besuch der Kunst- oder Kultureinrichtung nach deren Wiedereröffnung verwendet werden.

Was gilt, wenn der Gutschein nicht eingelöst werden kann?
Hat der Inhaber des Gutscheins diesen nicht bis 31. Dezember 2022 eingelöst, so hat ihm der Veranstalter oder Betreiber den Wert des Gutscheins auf Aufforderung unverzüglich auszuzahlen.

Können Gutscheine von mehr als 70 Euro auch abgelehnt werden?
Dem Konsumenten steht es frei, ob er einen Gutschein im Wert von mehr als 70 Euro beziehungsweise in einem höheren als im Gesetz für den Gutschein vorgesehenen Wert annehmen will oder nicht. Bietet ihm der Veranstalter also einen Gutschein über den gesamten Betrag an, so kann der Konsument das ablehnen und eine Rückzahlung über den Restbetrag fordern.
Das Gesetz sieht jedoch keine eigene Informationspflicht dazu vor. Der Konsument muss also die Ausstellung des Gutscheins über den gesamten Betrag explizit ablehnen. Beispiel: Eine Konzertkarte kostet 100 Euro, der Veranstalter bietet einen Gutschein über 100 Euro an. Der Konsument kann verlangen, dass ihm 70 Euro als Gutschein ausgestellt werden und die restlichen 30 Euro in bar ausbezahlt werden. Das sollte dem Veranstalter umgehend und schriftlich mitgeteilt werden.

Was gilt, wenn ein Veranstalter insolvent wird? Haben Kunden das Nachsehen?
Ja, das stimmt, denn es gibt keine Absicherung gegen eine Insolvenz. Kunden bleibt im Falle einer Insolvenz des Veranstalters nur die Möglichkeit, die Forderung aus dem Gutschein im Insolvenzverfahren anzumelden. Ob sich das rentiert, ist vor allem bei Kleinbetragsgutscheinen fraglich, denn schon allein für die Forderungsanmeldung fällt eine Gebühr von 23 Euro an.

Gilt das Kunst-, Kultur- und Sportsicherungsgesetz auch für die Oper oder andere staatliche Veranstalter?
Die Regelung des KuKuSpoSiG gilt nur für Veranstalter, die nicht im Eigentum oder unter mehrheitlicher Beteiligung von Bund, Ländern oder Gemeinden stehen.

Ist die gesetzliche Lage für stornierte Veranstaltungen für 2021 bereits festgelegt? Was ist geplant?
Da zu erwarten ist, dass es auch 2021 noch zu Verschiebungen und Absagen von Veranstaltungen wegen Corona kommen wird, hat Ende November ein Gesetzesantrag auf Verlängerung der Gutscheinregelung den Kulturausschuss passiert. Diese Verlängerung könnte damit noch heuer vom Nationalrat beschlossen werden.
Dadurch soll es auch im ersten Halbjahr 2021 möglich sein, für abgesagte Kultur- oder Sportevents Gutscheine auszustellen, anstatt den Eintrittspreis zurückzuzahlen. Die Gutscheinlösung soll also für das erste Halbjahr 2021 verlängert werden, danach soll sie für das zweite Halbjahr noch in reduzierter Form weitergelten, nämlich nur mehr für solche Veranstaltungen, die als Ersatz für 2020 oder im ersten Halbjahr 2021 verschobene Veranstaltungen stattfinden sollten. Für nicht eingelöste Gutscheine gilt ab dem Jahr 2023 eine Rückzahlungspflicht.


Weitere Informationen unter:
D.A.S. Rechtsschutz AG
www.das.at
Info-Hotline: 0800 386 300
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Über die D.A.S. Rechtsschutz AG:
Seit 1956 ist die D.A.S. Rechtsschutz AG mit Spezialisierung auf Rechtsschutzlösungen für Privatpersonen und Unternehmen in Österreich tätig. Als unabhängiger Rechtsdienstleister bietet sie umfassenden Versicherungsschutz, fachliche Betreuung durch hochqualifizierte juristische Mitarbeiter und beispielgebende RechtsService-Leistungen wie die D.A.S. Direkthilfe® und D.A.S. Rechtsberatung an. Der Firmensitz des Unternehmens befindet sich in Wien. Die rund 400 Mitarbeiter stehen Kunden in ganz Österreich zur Verfügung. Die D.A.S. Rechtsschutz AG agiert als Muttergesellschaft der D.A.S. Tschechien (seit 2014). In den vergangenen Jahren hat die D.A.S. Österreich ihre starke Marktposition als Rechtsschutzspezialist gefestigt und wird bereits seit 2009 jährlich mit einem stabilen A-Rating durch Standard & Poor’s bewertet.

Seit 1928 steht die D.A.S., das Original für Rechtsschutz, für Kompetenz und Leistungsstärke im Rechtsschutz. Heute agieren D.A.S. Gesellschaften in mehr als 10 Ländern weltweit. Sie sind die Spezialisten für Rechtsschutz der ERGO Group AG, einer der großen Versicherungsgruppen in Deutschland und Europa.

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Antworten auf Fragen und bereitgestellte Texte haben lediglich Informationscharakter. Sie wurden von den Rechtsexperten der D.A.S. bzw. durch deren Partneranwälte gründlich recherchiert. Trotzdem übernehmen trend online und die D.A.S. Rechtsschutz AG keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen.

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