Teures Parship: 1 Kontakt zum Preis von 52 Euro

Teures Parship: 1 Kontakt zum Preis von 52 Euro

Die Suche nach der Liebe hat ihre Tücken, die auch in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Online-Datingplattformen versteckt sein können.

Seit Jahren stehen Online-Partnerbörsen wie Parship mit Liebessuchenden immer wieder auf Kriegsfuß. Grund sind Streitigkeiten um die Höhe der Kosten bei Kündigungen. Nun gibt es ein erstes richtigungsweisendes Urteil in Deutschland.

Auf Online-Partnerbörsen riskiert man nicht nur sein Herz zu verlieren, sondern auch jede Menge Geld. Bares, das man in der Höhe eigentlich nicht bereit war zu zahlen. Denn die Liebesvermittler können es nicht lassen, ihre Kunden mit windigen Vertragsklauseln und Argumenten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

„Derzeit treffen die Beschwerden vor allem Parship“, erklärt Reinhold Schranz, Rechtsexperte beim Europäischen Verbraucherzentrum Österreich. Doch auch andere Anbieter sind keine Vorzeigeunternehmen in Sachen seriöser Partnervermittlung, wie die Konsumentenschützer zu berichten wissen.

Um den Methoden der professionellen Glücksritter einen Riegel vorzuschieben, ist nun die Verbraucherzentrale Hamburg, ein deutscher Konsumentschutzverein, für einen geschädigten Parship-Kunde vor Gericht gezogen – und hat Recht bekommen. „Das hat auch Signalwirkung für Österreich. Zudem ist Parship ein deutsches Unternehmen“, betont Schranz. Nun ist das Verfahren beim deutschen Bundesgerichtshof anhängig.

Ein Kontakt kann auch eine Absage sein

Das jüngste Urteil des Landesgericht Hamburg betrifft die Höhe der finanziellen Forderungen bei Kündigung des Vertrags innerhalb der gesetzlichen Widerrufsfrist von 14 Tagen bei Parship. Das Vorgehen der Partnervermittler: Für die in der Zeit bis zur Kündigung zustande gekommenen Kontakte verlangen die Onlinekuppler einen sogenannten Wertersatz. Dieser wird für die Zahl der Kontakte verlangt, die während der Zeit zustande gekommen sind. Von einem Kontakt spricht Parship, wenn der Kunde von jemandem angeschrieben wird oder selbst jemand anschreibt und dieser zumindest einmal antwortet. Der Kontakt kann auch in einer Absage bestehen.

Generell garantiert das Datingportal, je nach Vertragsdauer, eine bestimmte Anzahl von Kontakten. Bei einem Jahr sind je nach Vertrag beispielsweise sieben oder zehn Kontakte garantiert. Laut dem Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Parship ist bei Widerruf ein "angemessener Betrag" zu zahlen, der den bereits erbrachten Dienstleistungen entspricht. Doch was angemessen ist, darüber kommt es zwischen den Vertragspartnern immer wieder zu massiven Unstimmigkeiten.

Der Wertersatz ist jedenfalls meistens geschmalzen. Wie das Europäische Verbraucherzentrum in Österreich zu berichten weiß, hat etwa ein Nutzer einen Premium-Jahresabo für ein halbes Jahr zum Preis von 299 Euro abgeschlossen und diesen zwei Tagen später widerrufen. Dafür verlangte Parship einen Wertersatz von 161 Euro.

Eine andere Parship-Kundin beispielsweise, die ebenfalls während der ersten 14 Tage kündigte, und bei der sich während dieser Zeit nur ein Kontakt ergab, musste dafür einen Wertersatz von 52,47 Euro zahlen. Die Kundin hatte ursprünglich ein Premium-Jahresabo um 699,66 Euro abgeschlossen.

Bis zu 75 Prozent Wertersatz innerhalb der Kündigungsfrist

Derzeit hat Parship hat eine breite Möglichkeit zur Preisgestaltung, wenn eine Kündigung nach dem Widerrufsrecht, also in den ersten 14 Tagen, erfolgt. So kann das Unternehmen laut Allgemeinen Geschäftsbedingungen einen Wertersatz von bis zu 75 Prozent des für die gesamte Laufzeit vereinbarten Entgeltes in Rechnung stellen. Das hält der die Verbraucherzentrale Hamburg, die Parship nun geklagt hat, für rechtswidrig und irreführend und forderte Unterlassung und Erstattung von Mahnkosten.

Die Höhe des Wertersatzes ist nach Einschätzung von Konsumentenschützer Schranz jedoch völlig unangemessen. „Den Wertersatz soll nicht nach der Zahl der Kontakte berechnet werden.“ Er plädiert dafür den Zeitraum für den das Service der Partnerbörse beansprucht wird, als Bemessungsgrundlage heranzuziehen und nicht nach die Anzahl der Kontakte. Zu diesem Urteil kommt auch das Hamburger Landesgericht. „Die Berechnung des Wertersatzes durch die Beklagte ist nicht gerechtfertigt“, so das Urteilsbegründung. Das zeitbezogene ergebe sich eindeutig aus der zeitbezogenen Nutzungsmöglichkeit des Angebots über den jeweils vereinbarten Zeitraum. Auch die vereinbarten Entgelte würden das laut Urteil widerspiegeln.

Seit langem vermuten Experten und Nutzer zudem, dass auch Fake-Profile im Umlauf sind. Eine Parship-Nutzerin: „Während des gesamten Jahres gab es nur wenige Nutzer, die sich mein Profil überhaupt angesehen haben und letztlich auch nur wenige Kontakte. Erst kurz vor Beginn der Kündigungsfrist wollte dann ein Ire unbedingt mit mir Kontakt aufnehmen. Das hat mich stutzig gemacht.“ Als sie dann wenige Stunden nach der Kontaktaufnahme später plötzlich mit Spam-Mails überhäuft wurde, hat sie den Kontakt sofort gelöscht, aus Angst, dass es da einen Zusammenhang gibt.

Rechtstipps

Tod und Erbe: So läuft ein Verlassenschaftsverfahren ab

Steuern

Privatstiftungen: Die neuen Pläne der Regierung

Rechtsanwälte & Steuerberater

Investieren und Vorschriften zur Kapitalerhaltung