Skifahrer prallt gegen Pistenraupe: Selbst schuld?

Skifahrer prallt gegen Pistenraupe: Selbst schuld?

Im letzten Fall der Serie der D.A.S. Rechtsschutz AG über aktuelle OGH-Urteile im Schisport behandelte der Oberste Gerichtshof den Fall eines Schifahrers, der mit einer Pistenraupe kollidierte und dabei schwer verletzt wurde. Wie das Gericht entschieden hat.

Der Fall: G., ein guter Schifahrer, fährt im Schigebiet Ischgl auf der so genannten „Rennstrecke“ mit zwei Bekannten ins Tal. Zur selben Zeit lenkt Pistenfahrer S. die Pistenraupe den Berg hinauf.

Als der Schifahrer G. und der Pistenfahrer S. erstmals Sichtkontakt haben, sind sie rund 21 Meter voneinander entfernt. Der Fahrer des Pistengeräts reagiert sofort und kann sein knapp zehn Tonnen schweres Fahrzeug nach zirka fünf Meter zum Stillstand bringen. Eine Kollision kann trotzdem nicht verhindert werden. Der Schifahrer, der mit hoher Geschwindigkeit unterwegs ist, wird rund 14 Meter durch die Luft geschleudert und prallt anschließend mit den Schiern voran gegen das Pistenfahrzeug. Der Schifahrer bleibt schwer verletzt liegen.

Pistenbetreiber haftet, obwohl der Skifahrer zu schnell unterwegs war

Das Urteil: Der Schifahrer, der mit keiner Pistenraupe gerechnet hat, geht mit seinem Fall bis zum Obersten Gerichtshof - und gewinnt, zumindest zum Teil. Der OGH kommt in seinem Urteil (2 Ob 30/10s) zum Schluss, dass den Lenker des Pistenfahrzeuges zwar kein Verschulden trifft und der Schifahrer viel zu schnell unterwegs war, die Pistenbetreiberin aber trotzdem haftet. Die Begründung des OGH: Mit dem Kauf der Liftkarte wurde ein Vertragsverhältnis zwischen Schifahrer und beklagter Pistenbetreiberin eingegangen. Damit übernimmt die Pistenbetreiberin die Pflicht, im unmittelbaren Bereich der Piste die körperliche Integrität der Vertragspartner durch die erforderlichen und zumutbaren Maßnahmen zu schützen.

Denn obwohl Pistengeräte auf einer Schipiste nichts Ungewöhnliches sind, enthebt das die Pistenbetreiberin nicht von der Pflicht, die Möglichkeit in Bedacht zu ziehen, dass Schifahrer „zu Tale rasen“. Pistenbetreiber sind deshalb verpflichtet, darauf zu achten, dass Schifahrer durch den Einsatz von Pistengeräten weder behindert noch gefährdet werden. Daher sollten für Schifahrer gefährliche Geräte während der Liftbetriebszeit nicht eingesetzt werden.

Der beklagten Pistenbetreiberin ist es im Prozess deshalb auch nicht gelungen, zu beweisen, dass der Einsatz des Pistengerätes während des Liftbetriebes dringend notwendig war. Tatsächlich sollten lediglich Torstangen und Tische nach einem Rennen abtransportiert werden. Auch das Argument der Betreiberin, die Pistenbenützer wurden vor der dadurch ausgelösten Gefahr gewarnt, ändert nichts. Darin liegt eine schuldhafte Verletzung ihrer vertraglichen Verkehrssicherungspflicht. Der Oberste Gerichtshof stellte auf beiden Seiten ein Fehlverhalten fest und entschied die Haftung zu teilen.

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Über die D.A.S. Rechtsschutz AG:

Seit 1956 ist die D.A.S. Rechtsschutz AG mit Spezialisierung auf Rechtsschutzlösungen für Privatpersonen und Unternehmen in Österreich tätig. Als unabhängiger Rechtsdienstleister bietet sie umfassenden Versicherungsschutz, fachliche Betreuung durch hochqualifizierte juristische Mitarbeiter und ein breites Dienstleistungsangebot inklusive 24h-Notruf-Hotline an. Der Firmensitz des Unternehmens befindet sich in Wien. Die rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen Kunden in regionalen D.A.S. Niederlassungen verteilt in ganz Österreich mit juristischer Kompetenz zur Verfügung. In den vergangenen Jahren hat die D.A.S. Österreich ihre solide Marktposition gefestigt. 2014 erwirtschaftete sie im inländischen Direktgeschäft ein Prämienbestandsvolumen in der Höhe von 65,4 Mio. Euro.

Die D.A.S. Österreich gehört zur D.A.S., Europas Nr. 1 im Rechtsschutz. Gegründet 1928, agiert die D.A.S. heute in 16 europäischen Ländern sowie in Südkorea und Kanada. Die Marke D.A.S. steht für die erfolgreiche Einführung der Rechtsschutzversicherung in verschiedenen Märkten. Die D.A.S. ist der Spezialist für Rechtsschutz der ERGO Versicherungsgruppe.

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