Reisewarnung Kroatien: Was das für Storno und Lohn bedeuten kann

Seit Montag, 17. August, gilt eine Reisewarnung für Kroatien. Für welche Urlaubsreisen kein Gratisstorno gesetzlich verankert ist, welche Auflagen Rückkehrer erwarten und wann der Arbeitgeber wegen eines Aufenthaltes in Kroatien den Lohn streichen kann.

Reisewarnung Kroatien: Was das für Storno und Lohn bedeuten kann

Fahren oder zuhause bleiben? Diese Frage stellt sich derzeit für viele, die ihren Kroatien-Urlaub noch vor sich haben .

Den bereits gebuchten Kroatien-Urlaub in den Wind schreiben oder trotzdem fahren. Das ist für viele derzeit die große Frage. Denn seit Mitternacht gilt für das Land, ab dem 17. August, die höchste Reisewarnstufe. Grund sind deutlich steigende Fallzahlen bei Covid-19-Infektionen. "Die Reisewarnung kam überraschend, vor allem weil es durch das ganz Land geht", sagte der Präsident des Österreichischen ReiseVerbands und TUI-Austria-Prokurist Josef Peterleithner.

Mehr als 1.800 Urlauber haben alleine beim Verkehrsbüro für den Zeitraum bis Ende August bereits eine Reise nach Kroatien gebucht, bis Ende des Jahres sind es aktuell knapp 5.900 Gäste. "Eher die Minderheit fährt trotzdem", berichtete Verkehrsbüro-Group-Vorständin Helga Freund.

"Manche, die schon dort waren, blieben trotz Reisewarnung - auf der Stelle zurückfahren wollte eigentlich niemand", so die Verkehrsbüro-Vorständin weiter. Im Fall eines über das Reisebüro gebuchten Aufenthalts gilt: Die Kunden müssen vom Urlaub nur das zahlen, was sie bereits konsumiert haben. Freund: "Den Rest bekommen sie von uns rückerstattet."

Reisewarnung für das ganze Land

Der Worst-Case ist eingetreten. Tourismusexperte Peterleithner hatte auf eine partielle Reisewarnung gehofft und hätte diese auch für angemessen gehalten, statt pauschal dazu aufzurufen, das Land zu verlassen. Er ist verwundert, dass es keine regionale Differenzierung innerhalb Kroatiens gab wie etwa zuletzt etwa in Österreich mit St. Wolfgang oder in Spanien, wo auch zunächst Inseln wie die Balearen ausgenommen wurden.

In Kroatien konzentrierten sich die Corona-Erkrankungen beispielsweise auf die Markarska Riviera und die Insel Pag. Istrien oder viele Inseln hätte man weiterhin normal bereisen können, so der ÖRV-Präsident, der auch die kurzfristige Ankündigung der Regierung bemängelt. Die Bestimmung wurde am Freitag, den 14. August zu Mittag bekanntgegeben und bereits am Montag, 17. August um 0:00 Uhr in Kraft getreten.

Was von Rückkehrern verlangt wird - Test oder Quarantäne

Für Kroatien gilt nun das Gleiche, das für Reisende, die aus einer Destination mit Reisewarnung nach Österreich zurückkommen: Sie müssen entweder bei der Einreise ein ärztliches Gesundheitszeugnis vorlegen, das einen negativen PCR-Test bestätigt, der nicht länger als 72 Stunden zurückliegen darf; oder sie fahren über die Grenze nach Hause und machen dort umgehend (innerhalb von 48 Stunden) in einem Krankenhaus oder Testzentrum die vorgeschriebene standardisierte Untersuchung und müssen daheimbleiben, bis das Ergebnis vorliegt. Oder sie machen keinen Test bleiben zehn Tage in Heimquarantäne.

Die Gratis-Drive-in-Coronatests für Kroatien-Heimkehrer, die nach Bekanntgabe der Reisewarnung kurzfristig Wien angeboten wurden, seien "begrüßenswert", meinte Peterleithner, galten aber nur für jene, die es bis 16. August über die Grenze geschafft haben. Mittlerweile sind die Tests wieder kostenpflichtig. Der ReiseVerband plädiert aber auch für eine Ausweitung dieser Möglichkeit: "Auch in hinkünftig wäre es wünschenswert, allen Urlaubern kostenlose Coronatests zu ermöglichen, die man entweder bei den Grenzen machen kann, oder in den einzelnen Städten", sagte der Branchensprecher.

Seither müssen jedoch wieder alle Rückkehrer ihre Tests selbst zahlen. Das Gesundheitsministerium hat eine Liste von 40 Labors erstellt, die Sie hier abrufen können. Die Kosten der meisten Angebote liegen zwischen 100 und 150 Euro. Wenn ein Ergebnis binnen 24 Stunden benötigt wird, können es auch bis zu 220 Euro werden.

Rücktritt und Gratis-Storno

Urlauber, die eine Pauschalreise über ein Reisebüro oder Reiseveranstalter gebucht haben, seien nun gegenüber Individualreisenden im Vorteil, da sie mit Bestehen der Reisewarnung kostenlos umbuchen oder stornieren können. Das ist gesetzlich in der Pauschalreiserichtlinie verankert.

Von einer Reise zurücktreten, kann der Kunde bei einer Reisewarnung allerdings nur, wenn die Reise "zeitnah" ist. Besteht etwa eine Reisewarnung für das spanische Festland, kann er nicht auch aus Sorge einen Balearen-Aufenthalt gratis stornieren. "Angst ist kein Stornierungsgrund", erklärte der Peterleithner die Rechtslage.

Wer selber mit dem Auto anreist und ein Hotelzimmer gebucht hat, hat hingegen kein Anrecht auf ein Gratis-Storno und ist nun auf die Kulanz des Beherbergungsbetreibers angewiesen. Denn dieser stellt seine Leistung nach wie vor zur Verfügung, der Kunde muss nach seinem Aufenthalt nur Corona-Bürokratie einhalten. Verkehrsbüro-Chefin Freund: "Wenn man Selbstfahrer ist und bereits im Vorhinein bereits bezahlt hat, da muss ich schauen, wie ich mein Geld zurückerhalte."

Wer krank wird oder in Quarantäne muss, riskiert sein Gehalt

Wer nun trotzdem nach Kroatien oder in ein anderes Land mit einer Reisewarnung fährt und erkrankt oder unter Quarantäne gestellt wird, hat gegenüber seinem Arbeitgeber keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Grundsätzlich gilt nach dem Epidemiegesetz, dass bei einer Quarantäne-Anordnung durch die österreichischen Behörden das Entgelt weiterbezahlt wird, unabhängig davon, wo man zuvor seinen Urlaub verbracht hat. Der Arbeitgeber hat dann einen Ersatzanspruch gegenüber dem Staat.

Im Ausland gilt das österreichische Epidemiegesetz nicht, wie bei jeder anderen Erkrankung hat man aber gegenüber dem Arbeitgeber einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung, außer wenn die Erkrankung grob fahrlässig oder gar vorsätzlich herbeigeführt wurde - und das ist nach Ansicht des Arbeitsministeriums der Fall, wenn man jetzt z.B. trotz Reisewarnung nach Kroatien fährt.

Grob fahrlässig handelt aber auch, wer sich nicht an Abstands- oder Hygieneregeln hält oder einen vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz nicht trägt. Das dürfte aber schwer nachzuweisen sein.

Ein Entlassungsgrund ist das aber noch nicht, hat das Arbeitsministerium bereits im Juli klargestellt. Jedenfalls muss aber, wie bei jeder Erkrankung, der Arbeitgeber sofort verständigt und ihm auf Verlangen auch eine ärztliche Bestätigung vorgelegt werden. Wer unbegründet nicht zur Arbeit erscheint, kann sehr wohl entlassen werden.

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