Kündigung vor Weihnachten: So tappen Sie in keine Falle

Kündigung vor Weihnachten: So tappen Sie in keine Falle

Auch wenn Sie nur noch verzweifelt sind und nur noch raus wollen: Unterschreiben Sie nichts.

Vor Weihnachten gekündigt zu werden, ist besonders bitter. Trend.at gibt Ihnen die wichtigsten Tipps damit Sie wenigstens nicht auch noch von Ihrem Arbeitgeber um Ansprüche gebracht werden, die Ihnen zustehen.

Es ist zum Heulen. Die anderen sind so gut drauf, wie das ganze Jahr nicht und selbst ist man ein Häufchen Elend. Das trifft praktisch auf alle zu, die kurz vor Weihnachten gekündigt werden, und das sind nicht wenige, denn kurz vor Weihnachten werden besonders häufig Mitarbeiter freigesetzt.

Selbst wenn man es schon vorher geahnt hatte ist man im Falle einer Kündigung vor den Kopf gestoßen und befindet sich – verständlicherweise – in einem Ausnahmezustand. Doch gerade in dieser schwierigen Situation gilt es auch kühlen Kopf zu bewahren, denn es geht immer auch um Geld - Geld das sich der Arbeitgeber gerne erspart.

Betroffene sollten sich daher schon während eines Kündigungsgesprächs vergegenwärtigen: Der Arbeitgeber ist in dieser Situation im Vorteil, denn dieser hat die Kündigung strategisch gut vorbereitet und sich mit der Rechts- und der Personalabteilung vorher genau abgesprochen. Man selbst hinkt einen Schritt hinterher. Also bloß auf keine juristischen Finte des Chefs, der einen loswerden will, hereinfallen.

Kündigung auch grundlos möglich

Sich große Hoffnungen zu machen, dass die Kündigung nicht Rechtens ist, sollte man sich allerdings nicht machen. „Genießt man keinen besonderen Kündigungsschutz kann man immer gekündigt werden“, stellt Alexander Tomanek, Jurist der Arbeiterkammer Wien klar. Einen solchen besonderen Schutz genießen nur Betriebsratsmitglieder, Schwangere, Mitarbeiter in Karenz oder Elternteilzeit, Präsenz- und Zivildiener und Behinderte, die mehr als 50 Prozent beeinträchtigt sind.

Kündigung: Keine formalen Vorschriften nötig

Doch was darf der Arbeitgeber bei einer Kündigung und was darf er nicht? Wie die Kündigung erfolgt, ist dem Arbeitgeber selbst überlassen. Wirksam ist die Kündigung ab dem Zeitpunkt ab dem sie einem mitgeteilt wird. Das kann schriftlich, mündlich, per Mail oder in sonst irgendeiner Form ausgesprochen wird. Nur ganz wenige Kollektivverträge verlangen die Kündigung „eingeschrieben zugestellt“ – auch bekannt als „blauer Brief“. Regeln muss der Arbeitgeber keine einhalten.

Kündigungsfristen für Angestellte

Wichtig ist jedoch, dass der Arbeitgeber die Kündigungsfristen genau einhält. Diese hängen von der Dauer des Arbeitsverhältnisses ab. Die Fristen betragen

  • im 1. und 2. Dienstjahr: 6 Wochen
  • ab dem 3. Dienstjahr: 2 Monate
  • ab dem 6. Dienstjahr: 3 Monate
  • ab dem 16. Dienstjahr: 4 Monate
  • ab dem 26. Dienstjahr: 5 Monate

Anspruch auf Entschädigung, wenn Fristen nicht eingehalten werden

Wird das Arbeitsverhältnis gelöst, ohne die Kündigungsfrist einzuhalten, hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Kündigungsentschädigung. Das bedeutet, der Arbeitnehmer erhält das Entgelt bis zu jenem Zeitpunkt, an dem das Arbeitsverhältnis unter ordnungsgemäßer Einhaltung der Kündigungsfrist geendet hätte.

Kündigungstermine hängen vom Vertrag ab

Wurden im Dienstvertrag die Kündigungstermine zum 15. und Letzten eines Monats nicht ausbedungen, kann die Kündigung des Arbeitnehmers nur zum Quartal (31.3., 30.6., 30.9. und 31.12.) erfolgen. Folglich muss der Arbeitgeber die Kündigung beispielsweise spätestens sechs Wochen vor dem 30.9., also spätestens am 19.8., aussprechen.

Die wichtigsten Tipps für das Kündigungsgespräch

1. Betriebsrat beiziehen

Wie verhält man sich, wenn das unvermeidliche Gespräch seinen Lauf nimmt? Sobald man merkt, dass es sich um ein Gespräch mit dem Vorgesetzten handelt, das Unangenehm zu werden droht – etwa wenn einem Dinge unterstellt werden - und an dessen Ende der Rauswurf stehen könnte, raten Experten, das Gespräch sofort zu unterbrechen, um den Betriebsrat bei zu ziehen. Die Rolle des Betriebsrats ist nicht zu unterschätzen. Er fungiert als Anwalt des Beschäftigten. Auch vor Gericht hat seine Aussage entsprechendes Gewicht.

2. Nichts unterschreiben

Arbeitgeber versuchen mitunter gerade in dieser emotionalen Phase der Kündigung, Mitarbeiter zu überrumpeln und bitten diese, fast wie nebenbei, ein Schriftstück zu unterzeichnen. Doch genau das sollte man unbedingt unterlassen. Auf diese Weise können sich Unternehmen auf die denkbar einfachste Art sämtlicher noch offener Ansprüche mit einem Streich entledigen.

Besonders beliebt laut Erfahrungen der Arbeiterkammer: Der betroffene Mitarbeiter soll rasch unterschreiben, dass der Urlaub noch bis zur Kündigungsfrist verbraucht werden muss. Die Firma erspart sich so mit nur einer Unterschrift des Mitarbeiters viel Geld und der ohnehin gekündigte Mitarbeiter geht finanziell leer aus. AK-Jurist Tomanek warnt daher: „Unterschreiben Sie nichts. Wenn man einmal unterschrieben hat, lässt sich daran nichts mehr ändern.“

3. Gehen Sie nach der Kündigung nicht nach Hause, selbst wenn Sie freigestellt wurden

Eine beliebte Falle der Arbeitgeber ist es auch, den Mitarbeiter zu entlassen und darauf warten, dass dieser gleich darauf das Haus verlässt. Das Verlassen des Arbeitsplatzes kann der Dienstgeber als Arbeitsverweigerung auslegen. Somit hat er das Recht, die Kündigung in eine fristlose Entlassung umzuwandeln. Das wäre ein Freibrief für den Arbeitgeber, dem betroffenen Mitarbeiter - sofern dieser noch im System Abfertigung alt ist, keine Abfertigung zahlen zu müssen. Arbeitnehmer verlieren in einem solchen Fall auch den aliquoten Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

4. Anwalt oder Arbeiterkammer anrufen

Am besten Sie bleiben am Arbeitsplatz sitzen und holen rechtlichen Rat ein. Erkundigen Sie sich, ob Sie sich in allen Punkten rechtlich richtig verhalten haben und ob eine Anfechtung der Kündigung möglich ist - falls Sie das möchten. Für solche Auskünfte stehen Arbeiterkammer, Gewerkschaft und Rechtsanwälte zur Verfügung. Auch Rechtsschutzversicherungen können rasch helfen, sofern im Rechtsschutzpaket den Bereich Arbeitsrecht inkludiert ist. Viele Rechtsschutz-Versicherungen haben eine Hotline, die rasch zu allen Fragen Auskunft geben kann.

Selbst wenn man sich aus juristischen Gesichtspunkten falsch verhalten hat, müssen nicht alle Ansprüche gänzlich verloren sein. Wenn der Arbeitnehmer beispielsweise nach der Kündigung den Arbeitsplatz ohne schriftliche Aufforderung verlassen hat, kann noch das Schlimmste verhindert werden. Tomanek: „Dann setzen wir ein Schriftstück auf, indem wir darauf hinweisen, dass der Arbeitnehmer arbeitswillig und arbeitsbereit ist.“

Anfechtung einer Kündigung

Meistens bleibt dem betroffenen Mitarbeiter nichts anderes übrig, als die Kündigung hinzunehmen. Aber es gibt ein paar wenige Ausnahmen, die eine Anfechtung möglich machen. Mögliche Gründe sind sogenannte verpönte Motive, wie etwa die Kündigung eines Mitarbeiters, der sich gerade auf eine Betriebsratswahl vorbereitet. Diesen noch im letzten Moment hinauszuwerfen, gilt auch vor dem Gesetz als unredlich.

Der häufigste Grund, einen Anspruch gegen eine Kündigung geltend zu machen, ist jedoch unter dem Titel "Sozialwidrigkeit". Voraussetzung dafür ist zunächst, dass man zumindest sechs Monate für den Arbeitgeber tätig war. Die besten Chancen haben laut AK jene, die älter als 50 sind. Das steht zwar in keinem Gesetz, aber je älter man ist, desto schwieriger ist es einen neuen Job zu finden. Das ist somit ein starkes Argument, das eine Kündigung sozialwidrig macht. Wer bisher gut verdient hat und kaum Chancen hat wieder ein so hohes Gehalt zu beziehen, gilt ebenfalls schutzbedürftig.

Das Gericht beurteilt auch, ob man finanzielle Verantwortung, etwa für eine Familie trägt oder ob der Gekündigte Schulden abzahlen muss. Vor Gericht wird auch geprüft, welche Gründe es gab, den Mitarbeiter zu kündigen. Es wird hinterfragt, ob die Kündigung an der Person lag oder wirtschaftliche Hintergründe hat.

Nach einem Urteil: Weiterarbeiten, Kündigung oder Entschädigung

Entscheidet das Gericht, dass eine Kündigung sozialwidrig ist, darf man beim bisherigen Arbeitgeber weiter arbeiten. Kommt der Senat jedoch zur gegenteiligen Ansicht, bleibt es bei der Kündigung. Zwischen diesen beiden Entscheiden kann es aber auch zu Vergleichen kommen, sprich der Arbeitgeber kauft sich quasi frei, indem er dem gekündigten Mitarbeiter eine finanzielle Entschädigung, meistens eine freiwillige Abfertigung bezahlt.

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