GmbH: Wann Geschäftsführer persönlich haften

GmbH: Wann Geschäftsführer persönlich haften

Geschäftsführer von GmbHs haben keinen Freibrief, wenn es um die Haftung für Schulden geht. Unter bestimmten Umständen haftet der Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung auch mit seinem Privatvermögen.

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) haftet, trotz der Bezeichnung, nicht immer beschränkt. Normalerweise haftet die GmbH mit der Stammeinlage und dem Gesellschaftervermögen, das Privatvermögen der Gesellschafter bleibt unangetastet - mit einer Ausnahme. Wer nämlich als Geschäftsführer versucht Geld am Fiskus vorbei zu schummeln oder auch irrtümlich zu wenig Abgaben leistet und so das Unternehmen bei der Finanz Geld schuldet, haftet dafür persönlich mit seinem Privatvermögen.

Das gilt selbst für noch offene Abgabenschulden, die bereits bestanden haben, bevor dieser Geschäftsführer wurde. „Es empfiehlt sich daher bei einem Wechsel in die Führungsetage die Vergangenheit aus abgabenrechtlicher Sicht zu prüfen oder von Experten prüfen zu lassen“, empfiehlt Mario Osztovits, Steuerberater bei LBG.

Geschäftsführers haften persönlich, wenn
 eine Abgabenforderung gegen die GmbH besteht
 die Abgabenforderung uneinbringlich ist (sog. Ausfallshaftung),
 abgabenrechtlicher Pflichten durch den Geschäftsführer verletzt wurden, wie Abgaben zu entrichten und rechtzeitig abzugeben.
 das Verschulden des Geschäftsführers und
 die Kausalität zwischen der Pflichtverletzung durch den Geschäftsführer und der Uneinbringlichkeit der Abgabenforderung besteht.

Liegen sämtliche dieser Voraussetzungen vor, so haftet der Geschäftsführer einer GmbH persönlich (mit seinem Privatvermögen) für die offene Abgabenforderung.

Verschuldensfrage wesentlich
Wesentlich sind dabei das Verschulden des Geschäftsführers an deWann r Pflichtverletzung und die damit verbundenen nicht entrichteten Abgaben. Die Haftung erstreckt sich zwar vor allem auf Abgabenschuld, die während seiner Zeit im Unternehmen entstanden ist, der Verwaltungsgerichtshof ( VwGH) ist aber auch der Ansicht, dass sich Geschäftsführer bei Jobantritt darüber informieren müssen, ob und wie den bisherigen steuerlichen Verpflichtungen nachgekommen wurde. Die Pflicht der GmbH zur Abgabenentrichtung endet erst mit deren Abstattung. Der Geschäftsführer hat daher die Pflicht, bei einem Rückstand am Abgabenkonto, diesen zu entrichten.

Gibt es hingegen keine Hinweise, dass bereits eingereichten Steuererklärungen unrichtig gewesen wären, hat ein Geschäftsführer nicht auch noch die Pflicht, die gesamte Buchhaltung innerhalb der Verjährungsfrist nachzuprüfen.

Laufende Geschäfte: Steuerliche Sorgfalt ebenso wichtig
GmbH-Geschäftsführer haben allerdings nicht nur bei Übernahme einer Geschäftsführerposition, sondern bei einer Insolvenz und auch was die laufenden Geschäfte betrifft, zahlreiche (abgaben)rechtliche Pflichten zu beachten. „Es empfiehlt sich schon im Vorfeld eine sorgfältige Prüfung der Umstände“, so Osztovits von der LBG.

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