Notare wollen GmbH-Gründung binnen 48 Stunden ermöglichen

Notare wollen GmbH-Gründung binnen 48 Stunden ermöglichen

Eine GmbH-Gründung ist für Gründer in Österreich eine Herausforderung, die vom eigentlichen Kerngeschäft ablenkt. Und genug Geld und Nerven kostet.

Einen wahren Hürdenlauf müssen Unternehmensgründer absolvieren, bis sie überhaupt ihren ersten Umsatz erzielen dürfen. Österreichs Notare wollen die Zeit der Firmengründungen wesentlich abkürzen. Sie sind in der Konkurrenz mit Banken, die sich ebenso in Stellung bringen. Die Steuer-Nummer (UID), das Treuhandkonto sowie die Identitätsprüfung zählen zu den Knackpunkten. Statt wochenlanger Bürokratie soll das Gründungsprozedere auf 48 Stunden reduziert werden. Der Ball liegt nun bei der Politik.

Wien Die Notare wollen künftig die Gründung einer GmbH innerhalb von 48 Stunden ermöglichen. Die Arbeitsgruppe "Deregulierung und Entbürokratisierung" habe den Vorschlag der Notariatskammer als Teil des für Ende Oktober versprochenen großen Reformpakets an die Politik weitergeleitet, sagte Ludwig Bittner, Präsident der Notariatskammer, im Gespräch mit der APA. Dort liege nun der Ball. Die Notare wollen künftig Aufgaben übernehmen, die bisher viel Zeit beansprucht haben.

1. Vergabe der Steuernummer (UID-Nummer)

Derzeit darf nur das Finanzamt einen UID-Nummer vergeben. Die Prüfung dauerte einige Tage - erst nach neun bis zehn Tagen vergibt das Finanzamt die UID-Nummer.
Das wollen künftig Notare übernehmen. Sie wollen eine vorläufige UID vergeben. Der Vorteil: Mit der UID-Nummer können Unternehmen sofort die Geschäfte aufnehmen und sind somit vor allem berechtigt auch eine Rechnung auszustellen.
Ausnahme: Um sicher zu gehen, dass in "sensiblen Branchen" wie dem Münzhandel oder dem Bau keine Fehler passieren, könnten solche Bereiche von der vorläufigen UID-Nummer ausgeschlossen werden, sagte Bittner.

2. Stammkapital in der Notar-Treuhandbank deponieren

Die für das Stammkapital eines zu gründenden Unternehmens notwendige Kapitaleinlage sollen Notare bei der Gründung entgegennehmen. Das Geld soll in der Notar-Treuhandbank deponieren werden. Der Unternehemnsgründer erhält sofort eine Bestätigung über die Einzahlung. Diese Bestätigung ist für die Eintragung ins Firmenbuch nötig.

Damit soll ebenso der zeitliche Ablauf wesentlich abgkürzt werden. GmbH-Gesellschafter mussten bisher ein Konto eröffnen und das Geld bei der kontoführenden Bank einzahlen. Die Bestätigung dafür konnte bisher eineige Tage bis hin zu Wochen dauern, was zu einer zeitlichen Verzögerung der Geschäfte führte.

Dies Zeit kann durch das Notar-Treuhandkonto abgekürzt werden. Und sobald das eigene Bankkonto dem Unternehmen zur Verfügung steht, würde das Geld von der Notar-Treuhandbank dorthin überwiesen.

Einen weiteren Tag einsparen könne man auch noch, wenn der "Nachtsprung" gestrichen wird. Aus historischen Gründen wird die Eintragung einer GmbH immer erst am nächsten Werktag mit dem Firmenbuch abgeglichen. Würde man es modernen elektronischen Möglichkeiten entsprechend sofort tun, könnte man einen bis drei Tage (von Freitag bis Montag) Zeit gewinnen. Auch der Entfall der Veröffentlichungspflicht in der Wiener Zeitung würde den Gründern Zeit - und Geld - ersparen.

Internationalen Organisationen die GmbH-Gründung binnen 48 Stunden melden, statt wie bisher nach Weltbank-Messung nach 16 oder 17 Tagen, und entsprechend punkten.

3. Die Kosten

Neben der Beschleunigung will die Notariatskammer auch einen Betrag zur Senkung der Kosten leisten. Die Gründung einer Mehrpersonen-GmbH soll künftig nur mehr 1000 Euro kosten, statt wie bisher 1200 bis 1400 Euro (plus Mehrwertsteuer und Gebühren von gut 100 Euro). Die Gründungskosten von ganz simplen Ein-Personen-GmbHs, die mit einem Standardformular (Mustersatzung) entstehen, könnten ebenso gedrückt werden - um 50 Euro statt bisher 98 Euro.

4. Ein Komplettpaket in 48 Stunden

Die Notariatskammer stemmt sich gegen dem Vorschlag, dass eine einfache GmbH auch direkt bei einer Bank gegründet werden könnte. Dabei würden sich die Gründer in der Bank ausweisen, dort das Stammkapital einzahlen und ein elektronisches Formular abschicken. Dann müssten aber die Banken ihre Mitarbeiter dafür schulen und sich bis in die letzte Filiale für die Beraterhaftung wappnen, warnt Bittner. Außerdem wäre die Dienstleistung in der Bank wohl auch nicht kostenlos. Fraglich sei auch, wie genau es die Banken mit den Personenkontrollen nehmen würden.

Die Notare würden hingegen für ihr Honorar eine rechtliche Beratung, die Erstellung des Gesellschaftervertrags, die Digitalisierung der Urkunden, Prüfung der Identitäten und die Geldwäscheprüfung anbieten. Alles das könne innerhalb von 48 Stunden abgewickelt werden, weil die gesamte Kommunikation mit dem Justizsystem bereits digital erfolgt.


Überschaubare Gründermentalität

Der Bedarf an raschen Firmengründungen dürfte hingegen überschaubar sein. Von 40.000 Firmengründungen in Österreich entfallen nur zehn Prozent auf GmbH. Die Hälfte davon entfällt auf Projektgesellschaften.

Echte Neugründungen sind damit nur rund 2000 Firmen. Von denen haben es "sicher unter fünf Prozent so eilig", schätzt Bittner. Denn die Vorarbeiten - von der Geschäftsidee bis zur Suche nach einem Geschäftslokal - dauern ein vielfaches.

Und dennoch: Die Notariatskammer streicht dennoch die Bedeutung einer rasch umsetzbaren Firmengründung hervor. Eine unkomplizierte und zeitlich schnelle Unternehmensgründung würde auch einer politischen Forderung im Inland folgen und auch die Vorgaben von internationalen Organisationen erfüllen.

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