Geplante EU-Richtlinie: Gentechnik, mehr Palmöl und Pestizide drohen

Geplante EU-Richtlinie: Gentechnik, mehr Palmöl und Pestizide drohen

Künftig sollen Bauern für Produkte in Supermaärkten nur noch Mindeststandards einhalten müssen. Bioprodukte mit hohen Standards, die Lebensmittelhersteller für spezielle Eigenprodukte verlangen, wären nicht mehr durchsetzbar.

Spar-Chef Gerhard Drexel übt scharfe Kritik an der geplanten Richtlinien gegen unfaire Handelspraktiken und warnt vor gravierenden Auswirkungen auf die Produktion von Lebensmitteln. Händler könnten bei Eigenmarken keine Produkten mehr mit hohen Umwelt- und Tierschutzstandards auf den Markt bringen. Warum auch Greenpeace Alarm schlägt. Welche Verbote für Lebensmittelketten zusätzlich drohen.

Spar-Chef Gerhard Drexel übt scharfe Kritik am Richtlinien-Vorhaben gegen unfaire Handelspraktiken in der Lebensmittellieferkette, das kürzlich den Landwirtschaftsausschuss des EU-Parlaments passierte. Laut dem angenommenen Änderungsantrag 361 sollen Supermarktketten bei Eigenmarken von Produzenten nur mehr gesetzliche Mindeststandards verlangen dürfen, etwa nicht mehr höhere Tierschutzstandards.

Tückische Änderungsanträge

Der Richtlinien-Vorschlag des EU-Agrarkommissars Phil Hogan sei "Ok gewesen, die vier EU-Parlamentarier der CDU/CSU Albert Deß, Peter Jahr, Norbert Lins, Jens Giesek hätten aber Abänderungsanträge eingebracht, sagte Drexel am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. "Es ist eine unfassbare Geschichte." Händler könnten dann den Bauern und Produzenten ihrer Eigenmarken nichts mehr vorschreiben, was "über die gesetzlichen Mindeststandards hinausgeht", etwa beim Pestizideinsatz. Drexel forderte die österreichische Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) auf, diesen Teil der Richtlinie zu verhindern.

Kein Eingriff in bestehende Verträge

"Es handelt sich um eine Forderung des Landwirtschaftsausschusses des Europäischen Parlaments. Ich habe ein klares Verhandlungsmandat der Mitgliedsstaaten bekommen und in diesem ist diese Forderung nicht enthalten", sagte die Landwirtschaftsministerin in einer schriftlichen Stellungnahme. "Für uns ist aber klar, dass es keinen Eingriff in bestehende Verträge geben darf."

Lebensmittelketten wären bei Initiativen zu Produkten mit hohen Umwelt- und Tierschutzstandards die Hände gebunden

Auch Politiker und Umweltschutzorganisationen warnen vor den Auswirkungen des Änderungsantrags. "Von der Gentechnikfreiheit über Pestizidreduktionsprogramme bis hin zum Ende von Palmöl, solche Initiativen könnten Supermarktketten mit diesem Gesetz künftig nicht mehr setzen", sagte Sebastian Theissing-Matei, Sprecher bei Greenpeace in Österreich, in einer Aussendung. "Dem Handel nun aber verbieten zu wollen, ehrgeizige Umwelt- und Tierschutzstandards für Qualitätsmarken einzuführen, ist ein Rückschlag auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen und ökologischen Agrarwende", kritisierte der EU-Abgeordnete der Grünen Thomas Waitz.

Spar: Fast die Hälfte des Umsatzes mit Eigenmarken

In den vergangenen zehn Jahren hat der Spar-Konzern den Ausbau der Eigenmarken wie S-Budget, Premium, Veggie, wie früher, forciert. Der Spar-Chef verwies darauf, dass der Eigenmarkenanteil bei Spar bereits bei 45 Prozent oder 2,56 Mrd. Euro liegt. 2005 hätte man mit Eigenmarken nur 790 Mio. Euro (Umsatzanteil 24 Prozent) umgesetzt. Dies würde Spar unabhängiger von internationalen Markenartikelherstellern wie Nestle, Unilever, Henkel oder Procter & Gamble machen. Keiner dieser Konzerne hätte beispielsweise das Thema Bio gepusht.

Verbot für den Zusammenschluss von Einzel- und Großhandel zu Einkaufsgemeinschaften soll kommen

Auch der angenommene Änderungsantrag 360 der CDU/CSU-Abgeordneten sorgt für große Aufregung bei Supermarktketten, weil es ein Verbot für den Zusammenschluss von Einzel- und Großhandel zu Einkaufsgemeinschaften beinhaltet. Dies hätte massive Auswirkungen für Händler wie Spar, Edeka und Rewe, die mit tausenden selbstständigen Kaufleuten zusammenarbeiten. Diese Änderungsanträge haben "Stammtischniveau", kritisierte der Spar-Chef. Das Büro des CSU-Europaabgeordneten Deß versucht nun zu beruhigen. Gemeint seien nicht Edeka und Rewe, heißt es gegenüber der deutschen Zeitung "Welt". Vielmehr gehe es um Zusammenschlüsse auf supranationaler Ebene.

Spar-Onlinehandel: Erst ein Prozent des Umsatzes

Beim Thema Online-Lebensmittel wartet Spar im Gegensatz zum Mitbewerber Billa noch etwas ab. Derzeit können 20.000 Artikel von Interspar in Wien und Umgebung sowie Salzburg und Umgebung nach Hause zugestellt werden. Die Belieferung in weiteren Städten ist laut dem Spar-Chef derzeit noch nicht in Planung. Der Online-Handel bei Spar mit Wein, Non-Food-Artikel und Lebensmittel macht derzeit ein Prozent des Umsatzes aus und ist nicht kostendeckend. "Wir haben den Fuß in der Tür. Wir lernen, lernen. Eines Tages wird es kostendeckend sein", zeigte sich Drexel zuversichtlich.

Die Supermarktkette Spar erzielte im Jahr 2017 in Österreich einen Umsatz von 6,7 Mrd. Euro und in Tschechien, Ungarn, Slowenien und Italien rund 5,4 Mrd. Euro. Der zum Spar-Konzern gehörende Sporthändler Hervis erzielten Erlöse in Höhe von 520 Mio. Euro und die Spar European Shopping Centers (SES) lukrierte 2,88 Mrd. Euro. Die Spar-Österreich-Gruppe beschäftigt in acht Ländern mehr als 81.400 Mitarbeiter.

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