Fitnesscenter & Co: Was für Mitgliedsbeiträge gilt

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, bleiben Fitnessstudios, Vereine, Konzert- und Theaterhäuser und andere Freizeiteinrichtungen geschlossen. Müssen Mitglieder ihre Beiträge und Abos trotzdem zahlen? Wie können Unternehmen in dieser Situation gegensteuern? Welches Risiko ist bei Gutscheinen zu beachten.

Fitnesscenter & Co: Was für Mitgliedsbeiträge gilt

Online-Heimprogramme - Unternehmen versuchen mit Alternativangeboten die Kunden zu bedienen.

Nichts geht derzeit mehr. Der Verhinderung eines sprunghaften Ansteckung durch COVID-19 wird derzeit alles andere untergeordnet. Fitnessstudios, sämtliche Vereine, Theater, Volkshochschulkurse, alle Freizeiteinrichtungen wurde deshalb geschlossen, Sport- und Kulturveranstaltungen abgesagt oder verschoben.

Was gilt in dieser Situation für Mitgliedsbeiträge und Abos, etwa für Konzerte und Theater? Müssen diese weiterbezahlt werden? Viele betroffene Unternehmer stehen deshalb vor einer Zerreißprobe. Wie sieht die rechtliche Situation aus? Welche Rechte haben Mitglieder und Abonnenten von Freizeitangeboten? Wie können Unternehmen in dieser Situation gegensteuern?

Keine Leistung, keine Zahlungsverpflichtung
Thomas Hirmke, Jurist beim Verein für Konsumenteninformation (VKI): „Aus rechtlicher Sicht entfällt in derartigen Fällen die Zahlungsverpflichtung der Konsumenten. Da die Ursache für das Ausbleiben der Leistung nicht im Einfluss der Verbraucher liegt, haben sie das Recht, für abgesagte Veranstaltungen und nicht durchgeführte Dienstleistungen das Geld zurückzuerhalten.“


Für Freizeitdienstleistungen wie Fitnesscenter besteht somit für den Zeitraum der Schließung keine Zahlungsverpflichtung. Das bedeutet, dass für den Monat März der halbe Beitrag zurückverlangt werden kann. Für den April kann, wenn die Einschränkungen aufrecht bleiben, die Zahlung eingestellt werden. Wer zukünftige Zahlungen stoppen will, muss seine Bank informieren und den Dauerauftrag oder das Lastschriftverfahren widerrufen. Zudem ist es zu empfehlen, das Unternehmen schriftlich darüber zu informieren und die entsprechenden Unterlagen als Nachweis aufzubewahren.

Alternativen bieten – weiter Beiträge einheben
Unternehmen können aber auch nach Auswegen suchen und, wie derzeit oft auch genutzt, alternative Angebote kreieren. Diese können für Konsumenten einen Mehrwert bieten, die eine weitere Einhebung der Beiträge rechtfertigen mag. Beispielsweise bieten Betreiber von Fitnessstudios derzeit per E Mail verstärkt Gutscheinlösungen, Online-Heimprogramme oder das Pausieren der Mitgliedschaft an.

Was bedeutet Pausieren der Mitgliedschaft genau?
Konsumentenschützer Hirmke rät: „Treffen Sie nicht mit einem vorschnellen Klick eine Entscheidung, sondern informieren Sie sich in Ruhe ob das Angebot sinnvoll ist. Bei Unklarheiten fragen Sie nach.“ Das Pausieren einer Mitgliedschaft kann zu Missverständnissen führen, weil unklar bleibt, ob die Zahlungsverpflichtung aufrecht bleibt oder nicht. Je genauer Unternehmen, die rechtlichen Folgen ein Ruhendstellen der Mitgliedschaft definieren, umso weniger Streitigkeiten gibt es später.

Beitragszahler kann von ihrem Rechten auch Abstand nehmen
„Aufgrund der Corona-Krise haben es die betroffenen Unternehmer derzeit nicht leicht. Selbstverständlich steht es Verbrauchern frei, von ihrem Recht auch Abstand zu nehmen und etwa Gutscheine oder andere Lösungen zu akzeptieren. Eine derartige Entscheidung ist immer auch von der eigenen wirtschaftlichen Situation abhängig“, betont VKI-Geschäftsführer Rainer Spenger.

Gutscheine verfallen bei der Pleite eines Unternehmens
„Wer Gutscheine akzeptiert, sollte sich aber bewusst sein, dass diese nicht insolvenzgesichert sind. Das bedeutet, dass man im Falle der Insolvenz eines Unternehmens nur die Insolvenzquote erhält, was faktisch einem Totalverlust gleich kommt“, ergänzt Hirmke, Leiter des Bereichs Recht im VKI. „Wenn Gutscheine eine brauchbare Lösung darstellen sollen, wäre die Politik gefordert, diese Gutscheine im Insolvenzfall zu 100 Prozent abzusichern. Dann könnten betroffene Konsumenten ohne Risiko Entgegenkommen zeigen und Gutscheine akzeptieren“, so Hirmke.

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