Strauss-Museum: Trauerstück im Dreivierteltakt

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VERBORGEN. Eine schlechte Koordination der Sanierungsmaßnahmen hat auch das Museum in Naschmarktnähe quasi von der Öffentlichkeit abgeschirmt, argumentieren die Betreiber.
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Die Unicredit Bank Austria wehrt sich gegen Vorwürfe, für das Ende des Johann-Strauss-Museums am Naschmarkt verantwortlich zu sein.

Das Art-déco-Haus am Naschmarkt hatte in den letzten 20 Jahren einiges an Dramen zu bieten: Bis 2007 Sitz des Verkehrsbüros, erwarb es danach der Glücksspielkonzern Novomatic und bespielte es als „Novomatic Forum“. 2021 ging es an den Immobilienentwickler Lukas Neugebauer, der sich vor Gericht wilde Streitereien mit dem Szenegastronomen Martin Ho lieferte.

Heute ist eine Tochterfirma der Unicredit Leasing Eigentümerin. Von November 2024 an wurde an dem historischen Standort ein Johann-Strauss-Museum betrieben („New Dimensions“), das alle – digitalen – Stückerln spielte.

Doch auch damit ist jetzt Schluss. Die Betreiberfirma des Museums meldete am 30. März Insolvenz an und begründete die Einstellung des Betriebs mit einer „Endlosschleife aus Baustellen, Gerüsten und Verzögerungen“, die „einen regulären Museumsbetrieb faktisch unmöglich gemacht habe“. Verantwortlich dafür gemacht wird in einer Aussendung „eine offensichtlich unkoordinierte Vorgehensweise des Liegenschaftseigentümers“.

In der Unicredit Bank Austria will man das so nicht stehen lassen. „Wir haben keinen Zugriff auf das Gebäude“, sagt ein Sprecher der Bank zum trend: „Solange das Insolvenzverfahren mit Herrn Neugebauer läuft, sind uns die Hände gebunden.“

In der Tat waren im Lauf des Jahres 2024 mehrere Neugebauer-Firmen pleite gegangen, im Oktober 2024 wurde über sein Vermögen ein Konkursverfahren eröffnet. Für eine vom Bundesdenkmalamt verfügte Fassadenänderung der Ex-Verkehrsbürozentrale – die rot-weiße Originalfarbgebung soll wiederhergestellt werden – ist laut Bank aber Neugebauer zuständig, solange das Insolvenzverfahren nicht abgeschlossen ist. Sehr zum Ärger der Museumsbetreiber: Wegen der Dauerbaustelle, die sich in einer verhüllten Fassade ausdrückte, konnte „das Museum buchstäblich seit der Eröffnung im November 2024 nicht gesehen werden“.

Das Resultat: Eine Immobilie in bester Lage mit einem modernen touristischen Konzept bleibt auf unabsehbare Zeit gelähmt. Selbst die Gute-Laune-Musik des Walzerkönigs Johann Strauss Sohn hat das Trauerstück nicht übertönt.

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