Die Folgen der Öl-Krise

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Rudi Roth

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Im Zeichen des Irankriegs warnt der Steirer Rudi Roth, einst Österreichs größter privater Ölhändler, im trend nun vor einer Weltwirtschaftskrise.

Vom Studium Anfang der 1970er aus den USA zurückgekommen, begann Rudi Roth, Bruder des späteren Saubermacher-Gründers Hans Roth, neben dem Fußballspielen für den GAK einen Handel für Heizöl. 1979 zwangen ihn die Folgen der Iran-Revolution zur Diversifikation, er eröffnete Büros in Ungarn, in Kroatien und in Serbien, und Anfang der 1990er ging er nach Russland. Von dort organisierte er Rohöl-Lieferungen über die Druschba-Pipeline, die jetzt wieder in den Schlagzeilen ist, durch Ungarn nach Kroatien. Nachsatz: „So wurde ich um das Jahr 2000 herum der größte private Ölhändler Österreichs.“

In diesen Tagen fühlt sich der 77-Jährige nur zu oft an frühere Crashes erinnert. Als 1979 die erste Ölkrise – auch durch Ereignisse im Iran – in Österreich ankam, „hatte ich einige 100.000 Liter an Aufträgen draußen, und auf einmal hat unser Importeur in Wien gesagt: ‚Es gibt kein Öl mehr.‘ Das war für mich ein Schlüsselerlebnis.“

Daher hat er, wenn er auf den Krieg im Nahen Osten blickt, eine Art Déjà-vu: „Wenn die Straße von Hormus jetzt sechs Monate geschlossen ist, dann sind nicht nur wir betroffen, das ist dann eine große Bedrohung für die gesamte Weltwirtschaft mit globalen Folgen“, warnt er. Versorgungsengpässe würde es nicht nur bei Öl, sondern auch bei Chips oder Düngemittel geben.

Freie Tankstellen unter Druck

Ihren Konzern hatten die Roths 2004 an die ungarische MOL verkauft, 2015 wurden aber einige Tankstellen zurückerworben, heute gibt es noch sechs „Tank Roth“-Stätten. Rudis Sohn Jürgen Roth ist als Promotor von E-Fuels bekannt, der nächsten Generation von Treibstoffen, die aus Wasserstoff und CO2 mittels erneuerbarer Energie und Elektrolyse hergestellt werden und so auch ins Klimaschutzzeitalter passen sollen. ­

Dass das klassische Ölzeitalter sich dem Ende zuneigt, ist greifbar. Roths früherer Kooperationspartner Julius Stiglechner aus Linz schlitterte im Dezember in die Insolvenz. Und nun sind mit der neuen Spritpreisbremse der Regierung die Margen von Raffinerien und Tankstellen reguliert und besonders die Kleinen unter Druck, glaubt Roth: „Insbesondere die kleinen, freien Tankstellen werden noch mehr unter Druck kommen. Die verkraften eine Spannenreduktion sicherlich nicht. Vielleicht ein Jahr lang. Dann sind die freien Tankstellen in Österreich Geschichte.“

Dass er als privater Unternehmer keine Freude mit dem staatlichen Eingriffin die Preisgestaltung hat, kann nicht überraschen. „Das Beste wäre gewesen, wenn sie die CO2-Steuer ausgesetzt hätten“, sagt Roth: „Das wäre das einfachste Modell gewesen.“ Und: „Wenn man wo einschreitet, dann muss man bei den Raffinerien einschreiten oder bei den Preisen in Rotterdam. Aber das kann nicht einmal die österreichische Regierung.“

Der Artikel ist eine gekürzte Version des Porträts von Rudi Roth im trend.PREMIUM vom 3. April 2026.

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