Wie Saubermacher ein Müllimperium wurde

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Hans Roth hat 1979 gemeinsam mit seiner Frau Saubermacher gegründet.

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Hans Roth hat mit Saubermacher ein Müllimperium geschaffen. Noch stammt mehr als die Hälfte des Umsatzes aus Österreich. Doch das Wachstum kommt längst aus Südosteuropa.

Saubermaier, Schaubermacher oder doch Saubermacher? Im Ausland geht der Name der roten Entsorger aus Feldkirchen bei Graz wenig verwunderlich nicht so leicht über die Lippen. So auch nicht in Nordmazedonien, eine der jüngsten Expansionsmärkte des Unternehmens. Im Imagefilm zur Expansion spricht der Bürgermeister der nordmazedonischen Stadt Tetovo, Bilall Kasami, stolz über die neue Partnerschaft, die seine Kommune mit dem steirischen Entsorgungsunternehmen im Jahr 2024
gestartet hat. Dass der Bürgermeister konsequent Saubermaier und nicht Saubermacher sagt, stört Saubermacher-Gründer Hans Roth wenig. Zu Beginn der Expansionsbestrebungen in den 1990er-Jahren habe man lange überlegt, ob man den Namen auf „Clean Maker“ ändern solle, aber „die Leute haben sich dann schon gewöhnt“, meint Roth. Zumindest in Slowenien, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Kroatien, Deutschland und Nordmazedonien, wo Saubermacher aktiv ist, ist der Unternehmensname längst eingeführt – trotz Ausspracheproblemen. 

Von 5 auf 3.800 Beschäftigte

Hans und Margret Roth haben 1979 die Roth Umweltschutz GmbH, aus der die Saubermacher Dienstleistungs AG hervorging, gegründet. Mit fünf Mitarbeiter:innen wurde die Müllentsorgung der Gemeinde Gnas übernommen. Mittlerweile arbeiten 3.800 Mitarbeiter:innen in acht Ländern für das Unternehmen.

„Zum Erfolg hat nicht nur unsere Tüchtigkeit beigetragen, so ehrlich bin ich, sondern auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Wir hatten auch das nötige Glück“, ordnet Roth, der im aktuellen trend-Ranking der reichsten Österreicher:innen Platz 98 belegt, den Unternehmenserfolg ein. 

Gesteuert wird der Konzern von Feldkirchen bei Graz aus. 2024 wurde konzernweit ein Umsatz von 500 Millionen Euro erzielt, um satte elf Prozent mehr als im Vorjahr. Das Hauptwachstum kam aus Slowenien, aus Ungarn und aus Kroatien. „2024 war für uns durchgehend ein sehr gutes Jahr. Es war aber stark getrieben durch das Auslandsgeschäft“, ordnet CEO Ralf Mittermayr die Bilanz ein. Auch für das laufende Jahr wird das Auslandsgeschäft wachsen, prognostiziert er, aber „über den ganzen Konzern gesehen wird 2025 kein Wachstumsjahr sein“. Der österreichische Markt sei zu fragmentiert. Saubermacher ist mit fünf Prozent Marktanteil bereits an der Spitze, Wachstumsmöglichkeiten sind kaum vorhanden. Hinzu kommt der Rückgang beim Industriemüll. Was Gründer Roth nach der Wende 1989/ 1990 forciert hat, wird deshalb weiter ausgebaut: das Geschäft im Osten.

Business in den Nachbarregionen

Zwar sind seitdem bereits 35 Jahre vergangen, Gründer Roth, der nicht weit von der slowenischen Grenze aufgewachsen ist, erzählt dennoch immer noch eindrücklich über seine Erlebnisse während des Jugoslawienkriegs. Roth war, bevor das Entsorgungsunternehmen groß wurde, als Baustoffexporteur in Slowenien tätig. „Schon vor meinem Saubermacher-Leben habe ich gesehen, dass der Raum in Österreich, um Geschäfte zu machen, einfach sehr begrenzt ist“, sagt der 79-jährige Aufsichtsratsvorsitzende heute dazu.

Diese Einschätzung bestätigt sich bis heute. „Vor zwölf Jahren hat Österreich noch zirka zwei Drittel zum Umsatz beigesteuert. Heute sind es noch rund 50 Prozent. Langfristig wird das Österreich-Geschäft ein Drittel des Umsatzes ausmachen. Das ist strategisch von uns gewollt“, klärt Mittermayr auf.

Die Saubermacher-Tätigkeiten am Balkan werden von Slowenien aus gesteuert. Mittlerweile steht Kroatien im Fokus. Über die Tochtergesellschaft 3KF hat Saubermacher kürzlich das Unternehmen Roto Trans Eko vollständig übernommen. Das Unternehmen mit Sitz in Zagreb gilt als kroatischer Marktführer bei der Sammlung und Verwertung von Lebensmittelabfällen und erwirtschaftet rund sechs Millionen Euro Umsatz pro Jahr. 

In der Vergangenheit ist der Expansionsplan jedoch schon einmal gescheitert: Im Jahr 2011 erwies sich der Erwerb eines 60-Prozent-Anteils an der kroatischen Firma Eko-flor als Fehlentscheidung. Bereits ein Jahr später wurde die Beteiligung wieder rückabgewickelt. Abschreibungen von rund zehn Millionen Euro belasteten das Ergebnis damals und drückten es nahezu auf null. „Wir waren vielleicht zu früh in manchen Märkten und auch ein bisschen von dem Geist getrieben, dass wir diesen Ländern helfen können und wissen, wie es funktioniert. Wir haben nicht genug auf die regionalen Spezifika geachtet“, räumt CEO Mittermayr ein. 

Expandieren will Saubermacher auch nach Bulgarien, Rumänien und Albanien. In jenen Ländern war der Entsorger in der Vergangenheit bereits aktiv und ist „aus unterschiedlichen Gründen rausgegangen“, so Mittermayr. Auch in die Ukraine soll nach dem Krieg expandiert werden. Und in Ungarn wolle man trotz der politischen Herausforderungen bleiben. Ungarn macht rund zehn Prozent des Umsatzes aus und liegt nach Tschechien und Slowenien an dritter Stelle der stärksten Auslandsmärkte. „Wenn ich in unserer Filiale in Kecskemét bin, spüre ich, dass ich zu Hause bin. Ich kann zwar kein Wort Ungarisch, aber die Menschen freuen sich. Sie sind alle im Saubermacher-Look und stolz, bei uns zu sein“, erzählt Roth. 

Daseinsvorsorge als Aufgabe

Neben Osteuropa hat Hans Roth schon früh auf öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP), also Kooperationen zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft, gesetzt. 19 solcher ÖPP hält Saubermacher zur Zeit. In Villach besteht das Joint Venture seit 2001, rund 90 Mitarbeitende werden beschäftigt, in Graz halten die Saubermacher ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Holding der Stadt Graz, mit 125 Mitarbeiter:innen größte ÖPP in der Gruppe. Das zweitgrößte Joint Venture ist nun jenes in Nordmazedonien. „ÖPP sind das Beste aus zwei Welten“, so Roth, „die öffentliche Hand hat die Kontrolle, und wir können unser Know-how einbringen. Unser Credo dabei ist: eins plus eins ist drei, weil ein Mehrwert entsteht.“ 

Kritiker:innen sehen mit den Modellen eine Privatisierung öffentlicher Aufgaben. Für Roth sind gerade jetzt, da viele heimische Kommune vor finanziellen Herausforderungen stehen, die Modelle hingegen besonders zielführend: „Es wird zu Beginn schon von manchen als Eingriff gesehen. Aber wir können dazu beitragen, dass die Kosten geringer sind, und treten nicht in Konkurrenz zur Gemeinde. Ganz im Gegenteil, wir sehen uns als Erweiterung. “

Kritik am Flaschenpfand

Als Konkurrenz für sieht der Saubermacher-Gründer dagegen das Flaschenpfand. Ein knappes Jahr nach der Einführung des Pfands in Österreich ist seine Bilanz ernüchternd: „Ich war nicht überzeugt von der gewählten Umsetzung. Aus unserer Sicht wäre eine kostengünstigere und digitale Lösung naheliegender gewesen – eine, die bestehende Strukturen nutzt, statt mit Investitionen von über 100 Millionen Euro neue aufzubauen.“ Die Plastiksortieranlage von Saubermacher in Graz ist jedenfalls bei Weitem nicht mehr ausgelastet. Die Mengen der gelben Säcke haben sich derart verringert, dass die Touren der Müllwagen sich von acht Tagen auf drei Wochen verlängert haben. Plastikflaschen aus Slowenien sollen nun die Sammelmengen ergänzen. 

Wie der Generationenwechsel geplant wird

Trotz seiner 79 Jahre ist Umweltpionier Roth weiterhin Aufsichtsratsvorsitzender und das Gesicht von Saubermacher. Dieser Tage ist er in Zagreb anzutreffen, wo er alle neuen Mitarbeiter:innen persönlich begrüßen will. „Ich habe nicht gedacht, so lange zu bleiben. Ältere Männer machen das scheinbar so“, schmunzelt Roth und fügt hinzu, „ich bin niemand, der sich als unverzichtbar zeigen will.“

Schrittweise ist der Übergang eingeleitet worden, einer seiner Söhne sitzt etwa bereits im Aufsichtsrat. Wann sich Roth gänzlich zurückziehen will, verrät er noch nicht. 

Aktuell hält die Roth-Privatstiftung 95 Prozent der Saubermacher-Anteile, der Rest liegt bei der Roth Liegenschaftsverwaltung GmbH. Über Jahre hielten externe Partner Minderheitsbeteiligungen. In Zukunft könnte das wieder so sein, so Roth: „Wenn wir die Wachstumschance nützen wollen, gehe ich davon aus, dass wir wieder Partnerschaften eingehen werden.“ Nachsatz: „Aber meine Familie wird immer die Mehrheit haben. Das ist gewollt und mein Wille.“

Mitte Jänner gab das Unternehmen eine neue Partnerschaft mit der deutschen Rethmann-Gruppe bekannt.

Der Artikel ist im November 2025 im trend.PREMIUM erschienen und wurde aktualisiert.

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