
Günther Helm, 47, war nach Stationen als Chef von Hofer und Müller Drogerien seit 2023 im arabischen Raum tätig. Er gilt als Star der internationalen Handelsbranche und ist nun wieder am Markt.
©privatDer Topmanager Günther Helm aus Linz managte einen Handelskonzern in den Emiraten - und stieg aus. Die angespannte Lage dort spielt eine Rolle. Er habe aber auch die gesteckten Ziele schon erreicht, sagt er.
Der frühere Chef des Diskonters Hofer Günther Helm hat seine Karriere als Manager im Mittleren Osten beendet – vorerst zumindest. Er ging 2023 zum Handelsmulti Cenomi nach Saudi Arabien, um nicht einmal ein Jahr später nach Dubai zu wechseln, wo der Mischkonzern Majid Al Futtaim den heute 47-Jährigen zum CEO seiner Retail-Sparte ernannte. Diese erwirtschaftet um die sieben Milliarden US-Dollar Umsatz, in erster Linie als Franchisenehmer der für ihre riesigen Verbrauchermärkte bekannten französischen Carrefour-Gruppe in Middle East, Afrika und Asien.
Nun überraschte Helm die Branche mit seinem Ausstieg. Am 15. März feierte er Abschied in Dubai. Einen Tag später flog er nach Paris, um den Bossen von Carrefour die Beweggründe dafür auseinanderzusetzen. Die hätten auch, aber nicht nur mit der angespannten Situation am Golf zu tun, wie Helm dem trend, der ihn in Paris erreichte, erzählte. „Es macht schon was mit einem, wenn du in der ganzen Region in den Filialen unterwegs bist und gleichzeitig Raketen- und Drohnen-Angriffe stattfinden.“
Die fast noch größere Herausforderung sei das Homeschooling, das aktuell in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) praktiziert wird, meint Helm, der drei Kinder im Volksschulalter hat und mit der gesamten Familien in Dubai lebte. „Die Situation erinnert ein bisschen an die Corona-Zeit.“ Zumal sich auch sehr viele in den VAE Beschäftigte seit Wochen im Homeoffice befinden, wie etwa vom Kooperationspartner der OMV in Abu Dhabi, Borouge, zu hören ist.
Ziele wurden erreicht
Abgesehen von Umständen sei auch der Zeitpunkt ein guter gewesen, betont Helm. „Ich habe den auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängert.“ Die gesteckten Ziele habe er schneller als gedacht erreicht. Gemeint ist in erster Linie der Aufbau des Diskonters Sava, „der Hofer von Dubai“, der vor einem halben Jahr die erste Filiale eröffnete und seither fast laufend neue Geschäfte aufsperrt. Sava markiert zudem eine sanfte strategische Neuausrichtung. Unter Helm erhöhte sich einerseits die Zahl der Carrefour-Märkte auf 390. Andererseits wurden bestehende Standorte auf Sava oder die neue Marke HyperMax umgestellt. Zudem entstand der weltweit erste Supermarkt für Kinder.
Der nunmehrige Ex-Chef ist mit der Bilanz zufrieden: „Ich habe einen ähnlichen Zugang wie manche Fußballtrainer: „Wenn die Meisterschaft gewonnen ist, kann man auch weiterziehen.“ Und: „Zum Abschied habe ich eine extreme Wertschätzung erfahren, die mich in dieser Form wirklich überraschte. Anscheinend haben wir zusammen mit den Teams vieles richtig gemacht.“
Künftige Job-Optionen
Jetzt entspannt der aus Linz stammende Topmanager eine Weile mit Frau und Kindern in Österreich, wo die Familie allerdings keinen Wohnsitz mehr hat. Reisen zu Freunden in Europa und in den USA sind angesagt. Daneben prüft Helm berufliche Optionen. Die Karten deckt er nicht auf: „Ich weiß wirklich noch nicht, wohin die Reise gehen wird.“
Dass es ihn wieder in die Emirate verschlagen könnte, schließt er nicht aus. „Es gab Gesprächsangebote von verschiedenen Stellen, etwa auch in Abu Dhabi. In der Golfregion lässt man Talente ungern ziehen und versucht aktiv, sie zu halten. Die Emirate sind halt sehr gut gemanagt, nicht nur in dieser Hinsicht.“
Europa hingegen werde dort als Freilichtmuseum gesehen, formulierte Günther Helm vor zwei Jahren in einem Interview mit dem „manager magazin“. „Und das ist ja auch nicht ganz falsch.“ Unabhängig von der eigenen Zukunft hofft er, dass sich die Lage in den VAE bis nach dem Sommer beruhigt haben wird. „Auf jeden Fall bin ich mir sicher, dass es bald einen extremen Rebound geben und die gewohnte Dynamik zurückkehren wird.“
Wie viele der rund 350.000 Expats, die laut internationalen Schätzungen seit Beginn des Irankriegs die Emirate verlassen haben, zurückkehren werden, wird sich zeigen. Die Öffnung der Schulen wäre für viele wahrscheinlich einer der Anstöße, darüber nachzudenken.
Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 24. April 2026 erschienen.
