ams Osram: Neues Profil für Premstätten

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ams Osram-CEO Aldo Kamper zu Besuch in Wien.

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ams Osram-CEO Aldo Kamper skizziert, wie es für den Standort in Premstätten nach dem Infineon-Deal weitergehen soll. Der Fokus liegt künftig auf der Auftragsfertigung, etwa für Industrie und Defense, sowie auf profitableren Zukunftsthemen. Wie gut die Strategie aufgeht, muss sich erst zeigen.

Das Closing des Infineon-Deals rückt in greifbare Nähe. ams Osram-CEO Aldo Kamper, der sich Ende April in Wien aufhielt, erwartet den Abschluss innerhalb der kommenden zwei Monate. „Wir gehen unverändert davon aus, das Closing spätestens zum 1. Juli abschließen zu können. Dann wird auch der volle Kaufpreis fällig“, sagte er vor Journalisten. 570 Millionen Euro zahlt der deutsche Chipriese Infineon für den Erwerb des nicht-optischen Sensorportfolios in den Bereichen Industrie, Medizin und Automotive an ams Osram.

Der deutsch-österreichische Licht-und Sensorkonzern will mit dem Geld die weiterhin hohe Schuldenlast auf ein Niveau senken, mit der er für sich eine Zukunft als führender digitaler Photonik-Konzern gestalten kann. „Wir haben gerade einmal sieben Prozent des Gesamtumsatzes unseres Unternehmens verkauft, werden aber die Schulden in den nächsten zwei Jahren um ein Drittel reduzieren können und damit die Zinsbelastung in etwa halbieren. Das gibt uns die Chance, in neue Technologien zu investieren“, so Kamper. Großes Potenzial sieht er in den Bereichen intelligente Fahrzeugbeleuchtung, AR-Brillen und Rechenzentren.

Auftragsfertigung in Premstätten

In Österreich sorgte der Verkauf an Infineon für Schlagzeilen, weil Gewerkschaften und Teile der Politik den Standort Premstätten gefährdet sahen. Dass dieser im Rahmen des European Chips Act mit mehr als 200 Millionen Euro gefördert wird, erhöhte die Brisanz. Seinen Besuch nutzte Kamper erneut, um derartige Sorgen zu zerstreuen: „Der Standort Premstätten steht nicht zur Debatte. Er hat eine wichtige Bedeutung im Produktions- und Innovationsverbund“, sagte er. 

Doch bei aller Zuversicht: Die Zukunft des Werks hängt auch davon ab, wie erfolgreich die neuen Pläne für Premstätten aufgehen, wie reibungslos der Übergang der frei werdenden Produktionskapazitäten auf neue Kundengruppen und die Ausrichtung auf Zukunftsinnovationen gelingt.

Um die Auslastung nach dem Verkauf der Assets an Infineon sicherzustellen, wurde folgende Vorgehensweise für Österreich vereinbart, wie Kamper näher erläutert: „Infineon wird die im Rahmen des Verkaufs abgegeben Produkte weiterhin aus Premstätten beziehen. Die Verlagerung der Produktion in andere Fabriken erfolgt schrittweise und ist ein Prozess von vielen Jahren“, erklärt Kamper. Details zum Zeitplan will er nicht nennen.

Präzisierungen gab es von Seiten Infineons. „In einem Call wurde darauf hingewiesen, dass der Konzern bereits Kapazitäten in Asien aufbaut und Teile der Produktion aus Premstätten über die nächsten Jahre nach Kulim, Malaysien, verlagern will“, sagt Daniel Lion, Analyste der Erste Group. Die Herstellung von Kleinserien soll in Österreich verbleiben.

Mit anderen Worten: Ein Volumenrückgang in Premstätten passiert nicht über Nacht, aber muss über mehrere Jahre aktiv gemanagt werden. Hierfür will der CEO an zwei Hebeln ansetzen: ams Osram soll in Premstätten künftig als Auftragsfertiger agieren. Adressieren will man insbesondere kleinere und mittelgroße europäische Unternehmen, die kundenspezifische Chips für ihre Anwendungen, etwa in der Industrie und im Defense-Bereich, benötigen. „Diesen Kunden bieten wir mit unserer Fabrik in Premstätten eine kompetente, sichere und regionale Produktionslösung, was auf Grund der momentanen Weltlage durchaus willkommen ist", sagt Kamper.  

AR-Brillen und Rechenzentren

Darüber hinaus soll der künftige, verkaufsbedingte Volumenrückgang mit neuen profitableren Produkten ausgeglichen werden. Kamper nennt verschiedene Zukunftsthemen, von denen sich der Konzern Wachstumsimpulse verspricht: intelligente Scheinwerferlösungen, neuartige Augmented Reality-Brillen und optische Datenverbindungen für Rechenzentren. Bei einigen dieser Innovationen kann Premstätten auf Grund seiner Kompetenzen künftig eine Rolle spielen, erläutert Kamper an einem Beispiel: „Für die Miniprojektoren, die in neuen AR-Brillen zum Einsatz kommen werden, werden kleinste Leuchtelemente von unserem Standort in Regensburg benötigt und in Zukunft auch Ansteuerungselemente mit Know-how aus der Steiermark.“

Die Innovationen im Bereich digitale Photonik gelten als Ergänzung zum etablierten Konzerngeschäft, das „bei Weitem nicht notleidend ist, aber auch nicht mehr die großen Wachstumsraten bietet, welche die neuen, zusätzlichen Betätigungsfelder versprechen",ergänzt der CEO.

Insbesondere ein Zukunftsthema hat jedenfalls bei den Investoren verfangen. „Der Aktienkurs von ams Osram ist seit Jahresbeginn deutlich angesprungen und liegt mit mehr als 50 Prozent im Plus. Vor allem das Potenzial im Bereich der Rechenzentren wird jetzt gesehen, zusätzlich zur sich verbessernden Bilanzsituation“, sagt der Analyst bei der Erste Group.

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