Deutschland baut auf die Strabag

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Von wegen unruhige Welt: Die Strabag (Bild: CEO Stefan Kratochwill) präsentiert solide Zahlen.

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Analyse: Der Baukonzern war 2025 mit Hightechbauten, Aufträgen im Defence-Sektor und seiner neuen Auslandsstrategie erfolgreich.

Nur eine Handvoll Besucher:innen, darunter Generalbevollmächtigter Hans Peter Haselsteiner, hatte sich Dienstagvormittag zur jährlichen Bilanzpressekonferenz der Strabag im Wiener Tech Gate eingefunden. Die Zahlen waren bereits in den Morgenstunden ausgesandt worden - Good News locken in der Regel nur wenige Medienvertreter:innen für Nachfragen an.

Dass das Unternehmen in rundherum turbulenten Zeiten Rekorde bei der Bauleistung, beim Auftragsbestand und bei der Gewinnmarge (hier eine Zusammenfassung) schrieb, ist jedoch einen genaueren Blick wert. Woher kommen die guten Zahlen, wenn andere unter den Trump-Zöllen ächzen oder erstickende Überregulierung beklagen?

Die Antwort ist überraschend: Deutschland, das fast für die Hälfte ihres Outputs steht, hat die Strabag 2025 ganz besonders beflügelt. Die Bauleistung im größten Einzelmarkt wurde um 155 Millionen auf über 9,5 Milliarden Euro gesteigert. Weil die Baustellen durch den milden Winter bis Ende 2025 weiter liefen, war auch die Profitabilität enorm: Die Ebit-Marge in Deutschland betrug sensationelle 11,2 Prozent – im Gesamtkonzern waren es 6,7 Prozent.

Dabei greift das 500 Milliarden Euro schwere so genannte Infrastruktur-Sondervermögen, von der Anfang 2025 angetretenen Bundesregierung unter Friedrich Merz als Konjunkturbooster angekündigt, noch nicht einmal. „Erst ab Ende 2026 werden wir erste nennenswerte Projekte aus diesem Programm sehen", so Strabag CEO Stefan Kratochwill bei der Pressekonferenz. Davon unabhängig sind schon jetzt 22 Milliarden Euro in den deutschen Budgets 2026 für Straßen- und Bahnbau reserviert, deutlich mehr als zuletzt.

Aufträge für Infrastrukturbauten gab es schon 2025 zu Genüge: zur Sanierung der maroden Bahnstrecken etwa, wo die Strabag bei der Direktverbindung Hamburg - Berlin aktiv ist. Oder auch bei Rechenzentren für die KI-Infrastruktur sowie bei Halbleiterfabriken.

Geographisch war neben den boomenden europäischen Märkten Polen und Tschechien ein weiterer Wachstumstreiber Australien, wo die 2025 zugekaufte Georgiou Group integriert wurde. Die Strategie, nach dem Rückzug aus Russland verstärkt in den angelsächsischen Raum - nicht aber in die USA - zu gehen, hat sich bisher als richtig erwiesen.

Von den großen Investitionstrends profitiert der vielfüßig aufgestellte Bauriese quasi en passant. Allein der Verteidigungsbereich schlägt inzwischen mit rund 400 Millionen Euro Umsatz zu Buche. „Wir sind kein Rüstungskonzern", versicherte CFO Christian Harder, dennoch werde „uns dieser Markt in Zukunft stark beschäftigen." Denn Investitionen in die europäische Verteidigungsfähigkeit bedeuten auch Bautätigkeit: Kratochwill nennt als für sein Unternehmen relevante Beispiele einen NATO-Flughafen, Mannschaftsquartiere und Heeresspitäler. Rumänien, Polen und - erneut - Deutschland sind im Bereich Defence die wichtigsten Länder.

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