Spar: Der teure Abschied von Hervis

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HANS K. REISCH, VORSTANDSVORSITZENDER Spar
 © APA-Images/APA/Roland Schlager

Hans K. Reisch, Vorstandsvorsitzender von Spar, hat mit der Hervis-Entscheidung lange gezögert und musste letztlich doch den Schlussstrich ziehen. Ob der Schritt zu spät oder genau richtig kam, wird sich nicht klären lassen.

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Die späte Trennung von der Sporthandelstochter Hervis frisst laut neuer Spar-Konzernbilanz fast vier Fünftel des Gewinns aus dem Jahr 2025 auf.

Während die neuen Eigentümer als Premiumanbieter durchstarten wollen – neuer Onlineshop ab morgen inklusive – bekommt Spar für die späte Trennung von Sporthandelstochter Hervis die Rechnung präsentiert. Der nun vorliegende Konzernabschluss 2025 zeigt, dass der Schnitt nach 50 jähriger Geschichte die Spar Holding AG im Jahresergebnis 184,7 Millionen Euro kostete.

Damit radiert die Sporttochter fast vier Fünftel jenes Ergebnisses aus, das die fortgeführten Geschäfte des Marktführers sonst so erwirtschaftet haben. Lebensmittelhandel und Immobiliengeschäfte brachten 2025 nach Steuern 239,8 Millionen Euro. Nach dem Verlust aus dem aufgegebenen Hervis-Geschäft bleiben im Konzern gerade einmal 55 Millionen Euro Jahresgewinn. Davon entfallen 48,2 Millionen Euro auf die Anteilseigner der Muttergesellschaft. Gemessen an 15,8 Milliarden Euro IFRS-Umsatz ist das eine bemerkenswert schmale Ausbeute. Auch wenn Spar-Sprecherin Nicole Berkmann auf trend-Anfrage darauf besteht, dass man „einen für ein Handelsunternehmen ordentlichen Gewinn“ gemacht habe.

Hervis wurde ohne Verkaufspreis abgegeben

Die einzelnen Posten am Kassenzettel summieren sich. Im Detail: Von dem ausgewiesenen Verlust von 184,7 Millionen Euro entfielen 93,9 Millionen auf das Ergebnis vor Steuern. Zusätzlich schlug eine Drohverlustrückstellung von 97,9 Millionen Euro zu Buche, ein Vorzieheffekt auf Teilverkäufe, die nach Bilanzstichtag 31.12.2025 stattfanden. Steuerliche Effekte reduzierten den Schaden etwas, Verkaufspreis erzielte man keinen, bestätigt Berkmann, die sonst keinen Kommentar mehr dazu abgeben wollte: „Das ist für uns erledigt.“

Operativ gesehen stimmt das auch. Für die Eigentümerfamilien hingegen, die für das Jahr mit 40 Millionen Euro etwas weniger ausgeschüttet bekommen als für 2024, ist das Kapitel wohl noch länger präsent. Mit der nie beantwortbaren Frage: Hätte der Befreiungsschlag nicht früher kommen müssen?

Schlussstrich

Der große Schlussstrich kam nicht völlig überraschend. Hervis war längst zum Sorgenkind geworden. 2023 und 2024 summierten sich die Verluste auf mehr als 100 Millionen Euro. Gleichzeitig schrumpfte der Umsatz. Der Sporthandel litt nach dem Corona-Boom unter Konsumzurückhaltung, hohen Lagerbeständen, Preis- und Wettbewerbsdruck sowie der Verschiebung ins Onlinegeschäft.

Trotzdem versuchte man, sich über Filialschließungen, Modernisierung und eine Bereinigung der Warenbestände neu aufzustellen. Das Problem: Der Abbau der Lagerbestände drückte auf die Marge. Der Konzern selbst beschrieb das Marktumfeld schon 2024 als von hohem Preisdruck und dichter Konkurrenz geprägt. Gleichzeitig verloren traditionelle Sportsegmente überall an Dynamik.

Dennoch hielt man lange an der Vorstellung fest, Hervis aus eigener Kraft wieder in die Gewinnzone bringen zu können, noch 2024 wurde eine Neupositionierung vorangetrieben. Erst 2025 fiel die strategische Entscheidung, den Geschäftsbereich vollständig aufzugeben. Ungarn und Rumänien gingen in Richtung Frasers Group, die übrige Gruppe samt Markennamen wurde im Jänner 2026 an ein Konsortium rund um Snipes-Gründer Sven Voth und Udo Schloemer verkauft. Sie reduzierten die Filialen weiter und bekommen nun eine neue Chance.

Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 9. Oktober 2026 erschienen.

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