Wie Frauen Männerfußball managen

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Daniela Bauer, Geschäftsführerin Wirtschaft bei Rapid Wien
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Frauen gehen auch im Männerfußball in die Offensive und stehen als Managerinnen und Präsidentinnen erfolgreich am Platz. Auf die Pionierinnen folgt nun eine neue Generation, die gezielt gefördert wird.

Wenige Tage vor dem WM-Anpfiff in den USA ist Carmen Redl sichtlich in Vorfreude und Anspannung. Die stellvertretende Marketing- und Sales-Leiterin des Österreichischen Fußball-Bunds ÖFB macht sich gerade auf den Weg nach Kalifornien, um der österreichischen ­Nationalmannschaft und den Fans ein perfektes Ankommen zu be­reiten. Es ist das dritte Großereignis, das die 35-Jäh­rige begleitet. „Die Luft knistert gerade, es sind noch viele Handgriffe, die bis zum Anpfiff gemacht werden ­müssen“, erzählt sie.

Redl steht für eine neue Generation von Frauen im Männerfußball. Früher gab es die Spielerfrauen und Soccer Moms am Spielfeldrand, danach die Ära der ersten Präsidentinnen. Jetzt zieht Female Leadership ins Management der Mannschaften ein, oft unterstützt durch internationale Aufbau- und Förderprogramme. Denn der Wind of Change weht durch die Verbände, die sich Diversität in ihre Leitlinien geschrieben haben. Redl etwa hat als erste ÖFB-Führungskraft am „Future Female Leaders in Football“-Programm des Deutschen Fußball-Bunds DFB teilgenommen. Für den Motivationskick war das genau das Richtige: „Ich fühle mich gesehen und gefördert in meinem Arbeitsumfeld. In den letzten beiden Jahren durfte ich auch eine UEFA-Ausbildung machen. Hier war die Vorgabe, dass bevorzugt Frauen oder Personen, die mit Frauenfußball arbeiten, geschickt werden.“

Es geht also längst um mehr als nur um Karrierenotizen am Rande. Seit ­letztem Herbst sind etwa alle Augen bei Rapid auf Daniela Bauer gerichtet. Sie ist die erste Frau, die beim Rekordmeister Finanzen, Marketing und das Digital­geschäft führt, als Geschäftsführerin Wirtschaft hat sie einen der ranghöchsten Posten im österreichischen Sport­management inne. Für Bauer ist es ein Traumjob, der nach außen strahlt: „Meine Bestellung hat zu vielen Reaktionen geführt. Ich fühle mich im Verein, aber auch von außerhalb positiv wahrgenommen und unterstützt“, sagt sie. „Vor­bilder zu schaffen ist wichtig für die nächste Generation, damit junge Frauen sehen, dass es eine Möglichkeit gibt, ganz nach oben zu kommen.“

Noch sind solche Nominierungen in die obersten Gremien etwas Aufsehenerregendes: Frauen zeigen Präsenz in ­einer der letzten Männerbastionen und bestimmen damit auch über Macht und Mittel. Doch Schritt für Schritt geht es in Richtung Normalfall.

Internationaler Vergleich

Ein Blick ins Fußball-Mutterland England und nach Deutschland zeigt, wohin die Reise geht. „Generell tut sich viel mehr als früher, in Deutschland gibt es mittlerweile auch starke Netzwerke. In der Struktur ist Deutschland sicher schon weiter als ­Österreich“, erzählt Bauer und verweist auf jüngste ­Bestellungen in der Bundesliga wie die von Tatjana Haenni als CEO von RB Leipzig oder HSV-Neo-Sportvorständin Kathleen Krüger, die Bauer erst vor ein paar Wochen für ein Rapid-Spiel besucht hat.

Mittlerweile haben sich aber auch im österreichischen Klubfußball die Einstellungen geändert und den Transfer von Frauen in Toppositionen begünstigt. Eine beeindruckende Frauenquote bieten die Hütteldorfer auf: Neben Daniela Bauer setzt die Ex-WU-Rektorin ­Edeltraud ­Hanappi-Egger seit 2022 als Vizepräsidentin starke Akzente: „Mir ist es wichtig, dass Organisationen, daher auch der SK Rapid, inklusive Strukturen etablieren, um Vielfalt tatsächlich lebbar zu ­machen. Das ist nicht nur ein gesellschaftspolitischer Anspruch, Diversität ist auch ein wirtschaftlicher Erfolgs­faktor“, ist die Schwiegertochter des legendären ­Gerhard Hanappi überzeugt. Mit der ehemaligen OMV-Managerin ­Elisabeth Overbeeke trimmt sich der Verein auf Nachhaltigkeit.

Mit Petra Gregorits hatte der damalige Präsident Michael Krammer 2015 die erste Frau überhaupt ins Präsidium geholt, und das in bewegten Zeiten mit dem Bau eines neuen Stadions: „Den Stadionbau in der Zeit, im Budget und skandalfrei hinzubekommen, das war schon ein Riesending“, erinnert sich ­Gregorits heute, zehn Jahre nach der ­Eröffnung des Allianz Stadions. Stolz ist sie, nicht nur Teil dieses historischen Bauteams gewesen zu sein, sondern auch Mehrwert für Frauen im Fußball – in der Organisation und am Platz – geschaffen zu haben. „­Damals sah man das Gesamtbild noch nicht, es gab auch keine Blaupause, wie diese Rolle anzulegen ist. Heute sind viel mehr Role Models am Platz, und die Verpflichtung, dass es eine Bundesligalizenz nur mehr in Kombination mit einem ­Frauenteam gibt, das sind schon echte Meilensteine“, freut sich Gregorits.

Frauenteams auch am Rasen sind ­allen diesen Managerinnen ein Herzensanliegen: „Ende Mai hatten wir mit den Rapid-Frauen einen historischen Zuschauerrekord, 4.800 Fans im Stadion, das ist großartig“, freut sich Bauer. Projekte wie die TV-Dokumentation über „Die Rapid“ für Sky sind besondere Herzensanliegen, die sie aus Deutschland mitgebracht hat.

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der sichtbaren Frauen in den Männerklubs deutlich gewachsen. Bis 2015 war Brigitte Jank Vizepräsidentin beim FK Austria Wien, seit 2017 ist Brigitte Annerl als ­Präsidentin in Hartberg aktiv und hat dort nicht nur Herzblut, sondern richtig viel Geld investiert. Diana Langes steht dem WSG Tirol bald 13 Jahre vor und hat mit Anna Hosp eine zweite Frau in die Führungsebene geholt: „Frauen sind gerade im Männerfußball gefragt“, findet Langes. „Nicht nur, dass man sich als Frau öfter be­weisen muss als üblicherweise ein Mann. Es geht auch um Empathie, um ­Kommunikation, um Emotion, letzten Endes um Identität. Da sind Frauen in der Regel besser.“

Fouls von Fans, Funktionären oder auch Medien aufgrund des Geschlechts sind mittlerweile selten geworden. ­Gegenteiliges passiert häufiger: Es gibt Lob für Ideen und Initiativen. Viele dieser Frauen planen in größeren Dimensionen, greifen gesellschaftliche Themen mit auf. Susanne Gorny vom SK Graz ­erzählt stolz von Projekten außerhalb des Fußballs: „Wir sind heuer international zweimal mit Sondertrikots aufgelaufen und haben Themen wie mentale Gesundheit und Männerberatung aufgegriffen“, sagt sie. „Es macht stolz, über ‚das Tor‘ ­hinwegzublicken.“

Beim Meister LASK kann sich Vizepräsidentin Barbara ­Niedermayr gerade über den Lohn intensiver Jahre freuen: „Unsere wunderschöne Raiffeisen-Arena und jetzt auch die ersten Titel seit 61 Jahren mit Cupsieg und Meistertitel bedeuten mir persönlich enorm viel.“

Nicht immer geht es aufwärts. Beim LASK-Rivalen und Bundesliga-Absteiger Blau-Weiß Linz hält die Unternehmerin Eveline Pupeter als Generalistin und Verbinderin zur Wirtschaft auch in „zweitklassigen“ Zeiten die Stellung. Der ASKÖ Franckviertel in Linz hat mit Simone ­Rienesl seit 2022 eine Obfrau.

Hinter den Erfolgen stehen oft auch Frauen, die keine offiziellen Funktionen haben. Mit dem Aufstieg des ­Lavanttaler WAC in die Bundesliga wird ganz stark Waltraud Riegler, die Frau des Präsidenten, in Verbindung gebracht, die ohne offizielle Position im Klub agiert und sich gern als „Mama des WAC“ bezeichnet.

Exotinnen oder Quotenfrauen zu sein, mit diesen Zuschreibungen haben viele dieser Frauen anfangs leben müssen. Zart besaitet dürfe man im Männerfußball nicht sein, sagen sie alle, die Bereitschaft, Konflikte auszutragen und meinungsstark aufzutreten, ist extrem hilfreich. „Und manchmal gehören eben auch schwierige Zeiten dazu – Diskussionen, Konflikte und Kämpfe –, auch in den ‚­eigenen‘ Reihen“, so LASK-Vizepräsidentin Barbara Niedermayr. „Es gab ­Phasen, die wirklich wehgetan haben. Aber wahrscheinlich machen genau diese Höhen und Tiefen die besonderen Momente am Ende noch emotionaler und ­bedeutungsvoller.“

Daniela Bauer, Geschäftsführerin Wirtschaft bei Rapid Wien

Carmen Redl, ÖFB

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Carmen Redl
 © lukas ilgner, IMAGO/Harald Dostal, beigestellt

Elisabeth Overbeeke, Nachhaltigkeitsmanagerin SK Rapid

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Elisabeth Overbeeke
 © SK Rapid

Welche anderen Fußballklubs von Frauen gemanagt werden, steht im trend.PREMIUM vom 12. Juni 2026.

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