Österreichs Jugendliche fordern mehr Finanzbildung

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
6 min
PK Bild Jugendreport
 © Katharina Gossow

©Katharina Gossow
  1. home
  2. Aktuell
  3. Unternehmen

72 Prozent der AHS-Schüler:innen lernen laut eigener Einschätzung kaum etwas über Geld und Finanzen in der Schule. Die Forderung der Jugendlichen laut aktuellem YEP-Jugendbericht ist eindeutig: Finanzbildung soll für alle verpflichtend zugänglich werden.

Wie gut sind junge Menschen in Österreich auf ihre finanzielle Zukunft vorbereitet? Diese Frage steht im Mittelpunkt des aktuellen Jugendberichts 2026 der Organisation Youth Empowerment Partizipation (YEP) und des Erste Financial Life Park (FLiP). Für die Studie wurden mehr als 1.800 Jugendliche aus ganz Österreich befragt. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Schultypen – und einen großen Wunsch nach mehr Finanzwissen.

Große Unterschiede zwischen AHS und BHS

Besonders auffällig sind die Unterschiede bei der schulischen Finanzbildung. Während 72 Prozent der AHS-Schüler:innen angeben, in der Schule eher nichts oder gar nichts über Geld und Finanzen zu lernen, trifft das bei Schüler:innen berufsbildender Schulen nur auf 17 Prozent zu.

Entsprechend unterschiedlich fällt auch die Selbsteinschätzung des eigenen Wissens aus: 59 Prozent der Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen geben an, sich eher nicht oder gar nicht mit Geld- und Finanzthemen auszukennen. In berufsbildenden Schulen liegt dieser Wert bei 34 Prozent.

Auch bei der Frage nach der Vorbereitung auf die Zukunft zeigen sich deutliche Unterschiede. 64 Prozent der AHS-Schüler:innen fühlen sich in Finanzfragen nicht ausreichend auf ihr späteres Leben vorbereitet. Bei Jugendlichen in berufsbildenden Schulen sind es 38 Prozent.

„Wenn es davon abhängt, in welchen Schultyp ich gehe, ob ich mit Finanzen in Berührung komme, dann haben wir wirklich eine schlechte Ausgangslage für unsere zukünftigen Generationen im Zusammenhang mit der Chancengerechtigkeit“, sagt Erste-Bank-CEO Gerda Holzinger-Burgstaller.

Geld bleibt zuhause oft ein Tabuthema

Die Studie zeigt auch, dass viele Jugendliche wichtige Finanzthemen nicht im Elternhaus vermittelt bekommen. 34 Prozent geben an, zuhause selten oder nie über Geld und Finanzen zu sprechen. „Wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass zuhause über Geld gesprochen wird“, betont Holzinger-Burgstaller. Deshalb brauche es verbindliche Vorgaben für alle Schultypen.

Besonders betroffen sind Mädchen und junge Frauen sowie Jugendliche aus finanziell benachteiligten Haushalten. Sie fühlen sich deutlich seltener gut auf finanzielle Entscheidungen vorbereitet als männliche Jugendliche oder Gleichaltrige aus finanziell stabileren Familien.

Finanzielle Sorgen gehören für viele zum Alltag

Für viele Jugendliche sind Geldfragen längst kein Zukunftsthema mehr, sondern Teil des täglichen Lebens. 45 Prozent der Befragten geben an, sich oft oder zumindest manchmal wegen Geld zu stressen. Nur 17 Prozent fühlen sich diesbezüglich nie belastet.

Der finanzielle Druck zeigt sich häufig bei alltäglichen Ausgaben: dem Mittagessen in der Schule, Schulausflügen, Online-Einkäufen oder laufenden Kosten.

Ein Mitglied des FLiP-Jugendbeirats schilderte beim Pressegespräch die Situation aus dem Schulalltag: „Ich habe selbst einen Mitschüler in der Klasse, der sich keine Jause in der Pause kauft.“

Besonders deutlich wird die soziale Ungleichheit beim Blick auf finanzschwächere Haushalte. 33 Prozent der Jugendlichen aus diesen Familien geben an, manchmal oder oft nicht genug Geld für alltägliche Bedürfnisse zu haben. In finanziell stabileren Familien liegt dieser Anteil bei lediglich zehn Prozent.

Jugendliche wollen konkrete Inhalte für den Alltag

Die häufigste Forderung der Jugendlichen lautet: Finanzbildung soll verpflichtend in allen Schultypen verankert werden – entweder als eigenes Unterrichtsfach oder integriert in bestehende Fächer.

Dabei wünschen sich die Befragten vor allem praxisnahe Inhalte. Genannt werden Themen wie zum Beispiel Steuererklärungen oder Mietverträge.

Großes Interesse besteht zudem an Wissen über Sparen, Investieren und Vermögensaufbau. Jugendliche wünschen sich eine unabhängige und verständliche Aufklärung über finanzielle Möglichkeiten und Risiken.

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft den Schutz vor Schulden, Betrug und digitalen Gefahren. Die Studienautor:innen verweisen darauf, dass junge Menschen immer früher mit finanziellen Entscheidungen konfrontiert werden – etwa durch Online-Shops, digitale Bezahlsysteme oder Angebote auf sozialen Medien. „Wir haben vielleicht unterschätzt, mit wie vielen finanziellen Entscheidungen Jugendliche schon sehr früh konfrontiert werden. Dieser Moment rutscht immer weiter nach vorne“, sagt Holzinger-Burgstaller.

Hebel für mehr Finanzkompetenz

Aus den Ergebnissen des Jugendberichts leiten YEP und FLiP vier zentrale Handlungsfelder ab: Finanzbildung soll für alle Schüler verbindlich im Unterricht verankert werden, gleichzeitig wünschen sich Jugendliche deutlich mehr Praxisbezug und Möglichkeiten, Finanzthemen konkret anzuwenden. Darüber hinaus plädieren die Studienautoren für einen offeneren Umgang mit Geld, um das Thema aus der Tabuzone zu holen. Auch digitale Risiken und die finanziellen Herausforderungen des Alltags sollen stärker berücksichtigt werden.

Für die Verantwortlichen macht der Bericht deutlich, dass es einen breiten gesellschaftlichen Konsens über den Handlungsbedarf gibt. Ziel sei es, die Chancengerechtigkeit im Bereich der Finanzbildung zu stärken und bestehende Unterschiede zwischen Schultypen sowie sozialen Gruppen zu verringern.

Über die Autoren

Logo
trend. Abo

Nur jetzt ein ganzes Jahr trend. für nur €10,99 pr Monat!