
In einer zunehmend digitalen Welt gewinnen mechanische Präzision und bewusstes Design an Bedeutung. Mit der neuen 70s-Kollektion verbindet die deutsche Uhrenmanufaktur Glashütte Original die Formensprache der 1970er-Jahre mit moderner Uhrentechnik. Drei Modelle zeigen, wie sich traditionelle Uhrmacherkunst zeitgemäß interpretieren lässt.
Die Renaissance der Schallplatte, die anhaltende Faszination für mechanische Uhren und die Wertschätzung analoger Technik haben eines gemeinsam: Sie stehen für eine bewusste Auseinandersetzung mit Dingen, deren Funktion nicht hinter einem Bildschirm verschwindet. Während digitale Technologien immer mehr Abläufe vereinfachen, behaupten sich mechanische Objekte durch ihre sichtbare Konstruktion, ihre Materialität und ihre unmittelbare Bedienbarkeit.
An diesem Spannungsfeld setzt Glashütte Original mit seiner neuen 70s-Uhrenfamilie an. Die Modelle der Vintage Kollektion greifen gestalterische Elemente der 1970er-Jahre auf, ohne sich auf eine rein historische Interpretation zu beschränken. Im Mittelpunkt stehen eine eigenständige Gehäusearchitektur, drei von der Musik- und Technikkultur inspirierte Zifferblätter sowie ein mechanisches Manufakturwerk.
© Art Direction Trend UnionPhotography, Hudson Rennan @hudsonrennanCreative Direction & Styling, Bi Nabuco @binabucostudio
Die drei Ausführungen Vinyl Record, Tweed Amp und Stereo Panel unterscheiden sich vor allem durch ihre gestalterischen Referenzen. Vinyl Record setzt auf ein seidenmattes schwarzes Zifferblatt mit Zeigern und Indexen aus massivem Weißgold. Die weltweit auf 500 Exemplare limitierte Edition nimmt Bezug auf die Ästhetik klassischer Schallplatten. Tweed Amp interpretiert mit braunem Zifferblatt und Elementen aus Rotgold die Stoffbespannungen historischer Gitarrenverstärker. Stereo Panel wiederum orientiert sich mit silberfarbenem Zifferblatt sowie schwarzen Zeigern und Indexen an der sachlichen Gestaltung früher Hi-Fi-Anlagen.
Gemeinsam ist den Modellen die sogenannte Hexagrid-Struktur, die den Zifferblättern eine ausgeprägte Oberflächentextur verleiht. Je nach Lichteinfall entstehen unterschiedliche optische Tiefenwirkungen. Damit wird die Gestaltung nicht allein durch Farbe, sondern wesentlich durch die Materialwirkung bestimmt.
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Mechanische Präzision hinter historischer Formensprache
Auch das Gehäuse folgt der Designtradition der 1970er-Jahre. Seine sanft gerundete, quadratische Form misst 39 mal 39 Millimeter bei einer Höhe von 9,6 Millimetern. Satinierte und polierte Edelstahlflächen setzen unterschiedliche Akzente, während der integrierte Bandanstoß die Linienführung fortsetzt. Die Wasserdichtigkeit beträgt 10 bar.
Eine technische Besonderheit ist das patentierte Groove Lock System, das einen werkzeuglosen Wechsel von Armband und Schließe ermöglicht. Dafür nutzt Glashütte Original eine mechanische Verbindung aus Riegeln und Kerben. Neben Edelstahl lässt sich die Uhr damit auch mit Kautschukband tragen. Die Konstruktion erweitert die gestalterische Vielseitigkeit, ohne einen Eingriff in die Uhr selbst zu erfordern.
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Das technische Zentrum bildet das automatische Manufakturkaliber 36. Es verfügt über eine Gangreserve von 100 Stunden und arbeitet mit einer Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde. Eine Siliziumspirale zählt zu den modernen Komponenten des Werks.
Durch den Saphirglasboden bleibt die traditionelle Verarbeitung sichtbar. Dazu gehören eine Dreiviertelplatine mit Glashütter Streifenschliff, ein von Hand gravierter Unruhkloben, anglierte und polierte Kanten sowie gebläute Schrauben. Der Rotor besitzt eine Schwungmasse aus 21-karätigem Gold und trägt das charakteristische gespiegelte Doppel-G der Manufaktur.
© BEIGESTELLT
Die neue 70s-Kollektion steht damit für eine Verbindung zweier gestalterischer und technischer Ansätze: Während Gehäuse und Zifferblätter auf die Ästhetik eines vergangenen Jahrzehnts verweisen, erfüllen Werk und Armbandmechanismus aktuelle konstruktive Anforderungen.
Gerade dieser Gegensatz macht die Modelle bemerkenswert. Ihr Reiz liegt nicht allein in der Wiederaufnahme historischer Gestaltung, sondern in der Verbindung von sichtbarer Mechanik, handwerklicher Verarbeitung und funktionaler Weiterentwicklung. In einer zunehmend digitalen Welt bleibt die mechanische Uhr damit ein Gegenentwurf zur unsichtbaren Technik: ein Objekt, dessen Funktionsweise und Konstruktion Teil seines gestalterischen Anspruchs sind.