Merkur-Gruppe kämpft um Casino-Lizenzen

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MAX Rösle und David Schnabel
 © Lukas Ilgner

Max Rösle und David Schnabel.

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Die Ausschreibung der Casino-Lizenzen lässt auf sich warten, mit der deutschen Merkur-Gruppe outet sich aber schon ein gewichtiger Interessent. Dazu die Merkur-Manager David Schnabel und Max Rösle im trend-Interview.

trend: Man hört, dass sich die Gauselmann/Merkur-Gruppe um die Casino-Lizenzen in Österreich bewerben will. Ist das richtig?

David Schnabel (S): Ja. Wir werden ja immer wieder als Kandidat genannt und haben uns entschlossen, uns dazu auch klar zu bekennen: Wir wollen uns bewerben. Wir sind vorbereitet und würden unseren Hut gerne in den Ring werfen.

Sie haben sich vor mehr als zehn Jahren schon einmal für eine Casino-Lizenz in Österreich beworben. Das Projekt ist gescheitert. Warum tun Sie sich das noch einmal an?

S: Man weiß noch nicht genau, wie das Verfahren aussehen wird. Das macht die Vorbereitung nicht einfacher. Der österreichische Markt bleibt für uns aber interessant. Vor mehr als zehn Jahren standen wir im Spielbankengeschäft noch am Anfang. Heute bringen wir deutlich mehr eigene Erfahrung mit.

Sie haben damals rund 50 Millionen Euro umsonst investiert und es gab auch Überlegungen, den Staat zu klagen. Das ist nicht passiert. Warum nicht?

S: Das Verfahren hat sich über viele ­Jahre gezogen. Damit haben wir abgeschlossen. Für uns zählen jetzt der Blick nach vorne und ein transparentes, ­nachvollziehbares Verfahren.

Wieso glauben Sie, dass die Ausschreibung nun sauberer abläuft?

S: Ich gehe davon aus, dass es ein europaweites Verfahren mit klaren Spielregeln geben wird. Darauf bereiten wir uns vor. Entscheidend ist, dass alle Bewerber nach denselben Kriterien bewertet werden. Wir gehen davon aus, dass der Staat ein Interesse an einem transparenten und rechtssicheren Verfahren hat.

Wie bereitet man sich auf so eine Ausschreibung vor, wenn man gar nicht weiß, wie sie ausschauen wird?

S: Wir bewerten den Markt und Standorte sowie deren Einzugsgebiete. Wir schauen uns auch an, wie der bisherige Betreiber aufgestellt ist. Daraus entwickeln wir Konzepte, wie wir uns moderne Spielbanken in Österreich vorstellen.

Sie würden sich für alle Casino-Lizenzen – zwölf bis 15 – interessieren?

S: Grundsätzlich ja.

Sie hatten letztes Mal mit dem Stadtcasino Baden einen Partner dabei. Diesmal auch?

S: Diesmal würden wir alleine bieten. Vor 13 Jahren standen wir mit Spielbanken noch ganz am Anfang. Mittlerweile haben wir genug Kompetenz im eigenen Haus, sodass wir keinen Partner brauchen.

Wenn Sie sich etwas wünschen könnten, wie soll so eine Ausschreibung aussehen?

S: Eine Diskussion über Standorte und die Zahl der Standorte wäre sicher gut. In Wien könnten aus unserer Sicht auch zwei Standorte funktionieren. Eine Einzelausschreibung der Standorte wäre aus Wettbewerbssicht charmanter als eine Vergabe in Paketen. Wir bereiten uns aber auf verschiedene Varianten vor.

Wann rechnen Sie mit der Ausschreibung?

S: Aktuell rechnen wir damit, dass es im Herbst so weit sein wird.

Bekanntlich ist die Republik an der Casag beteiligt. Ist das für Sie als Konkurrent der Casag ein Nachteil?

S: Die Eigentümerstruktur anderer Marktteilnehmer kommentieren wir nicht. Für uns zählt, dass alle Bewerber nach denselben Kriterien bewertet werden. Wir sind jedenfalls in der Lage, Spielbanken neu zu denken und neu zu positionieren. Das sieht man auch an Nordrhein-Westfalen, wo wir ehemals staatliche Casinos übernommen haben. Seit der Übernahme haben wir die Gästezahlen verdoppelt und die Einspielergebnisse sowie die Stimmung in der Belegschaft deutlich verbessert. Wir haben ja auch von der Casag vor einigen Monaten die zehn Standorte in Niedersachsen übernommen. Auch da sind wir gerade dabei, diese Standorte zu verschönern und mehr Personal aufzubauen. Die Situation ist mit Österreich vergleichbar. Die Casinos haben hier viel mehr Potenzial, als aktuell genutzt wird.

Wie groß ist das Potenzial?

Max Rösle (R): Genaue Zahlen zu nennen, wäre unseriös. In den Spielbanken, in denen wir tätig wurden, konnten wir in den vergangenen Jahren Umsatz- und Gästezahlen deutlich steigern. Neue Unterhaltungskonzepte, Showformate und ein stärkerer Service können dem Markt neue Attraktivität geben. Wir wollen den Casinobesuch wieder zu etwas Besonderem machen. Viele Betreiber führen Spielbanken heute noch so wie in den 1980er-Jahren. Ich bin aber überzeugt, dass das nicht das ist, was die Gäste wünschen. Gerade in einer Region wie Wien sehen wir Potenzial für unsere Konzepte.

Gästezahlen in Sachsen-Anhalt verzehnfacht

Was genau macht die Merkur-Gruppe anders?

S: Wir haben unser Spielangebot neu ausgerichtet, wir haben die Casino-Management-Systeme automatisiert, dadurch haben unsere Mitarbeiter mehr Zeit für die Gäste. Als wir 2014 in Sachsen-Anhalt ins Casinogeschäft eingestiegen sind, wurden wir noch müde belächelt. Aber wir haben gezeigt, dass man auch in strukturschwachen Regionen Casinos erfolgreich betreiben kann. Wir haben die Gästezahlen fast verzehnfacht.

Eignen sich die Immobilien der bisherigen Casinos überhaupt für Showformate?

R: Das kriegen wir grundsätzlich hin. Es muss ja nicht an jedem Standort dauerhaft eine große Bühne stehen. Viele Formate lassen sich flexibel planen, wenn Raum, Service und Programm zusammenpassen.

Sie haben sich diese Immobilien sicher angeschaut. Wäre es für Sie wünschenswert, wenn die Ausschreibung an bestehende Standorte gebunden wäre?

S: Viele Standorte sind herausfordernd. Wenn man Standorte innerhalb der Gemeinden verlagern könnte, wäre das hilfreich. In Niedersachsen mussten wir ebenfalls investieren, um Standorte wieder auf Vordermann zu bringen.

Sie haben in Niedersachsen alle Mitarbeiter der Casag übernommen?

R: Ja, wir haben die Teams übernommen. Wir stellen zudem neue Mitarbeiter ein, bauen das Angebot an klassischen Tischspielen aus und stärken den Service. Dafür braucht man qualifizierte Mitarbeiter.

Würden Sie hier in Österreich auch die Mitarbeiter übernehmen?

S: Davon gehe ich aus. Wenn wir solche Konzepte umsetzen, brauchen wir gute bestehende Teams und auch zusätzliche Mitarbeiter.

Sollten Sie die Lizenzen bekommen, werden dann die Casinos in „Merkur Casinos“ umbenannt?

S: Das steht noch nicht fest, aber „Casinos Austria“ ist zweifellos eine starke Marke. Unter welcher Marke wir schlussendlich auftreten, müsste man zu gegebener Zeit prüfen.

Spielerschutz soll bei der Ausschreibung der Lizenzen im Vordergrund stehen. Was tun Sie für den Spielerschutz?

S: Spielerschutz ist für uns ein zentrales Thema. Wir haben eigene Konzepte, eine international besetzte Spielerschutzkommission und arbeiten mit externer Zertifizierung. Entscheidend ist, gefährdetes Spielverhalten früh zu erkennen und konsequent zu handeln. Insgesamt denke ich, dass wir hier mehr machen als unsere Mitbewerber.

Die Casag hat ja in den letzten Jahren die Spielkonditionen – Stichwort Doppelnull – zulasten der Spieler verändert. Mit welchen Konditionen könnte man bei Ihnen rechnen?

S: Ich halte solche Konditionen für problematisch, weil sie die Gewinnchancen der Gäste verschlechtern. Das entspricht nicht unserem Verständnis eines attraktiven Spielangebots. Wir prüfen unser Angebot laufend anhand von Nachfrage, Attraktivität und Verantwortung.

Das Glücksspielgeschäft ist ein sehr politisches. Haben Sie schon Kontakt zu Politikern aufgenommen?

S: Nein. Wir haben uns gut vorbereitet und haben bewusst darauf verzichtet, das Thema politisch zu adressieren. Wir hoffen auf eine zeitnahe und vernünftige Ausschreibung mit klaren Regeln.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, zum Zug zu kommen?

S: Wenn Konzepte und operative Erfahrung eine zentrale Rolle spielen, rechnen wir uns gute Chancen aus. Am Ende entscheidet die Qualität der Bewerbung nach den festgelegten Kriterien.

Zu den Personen

Das Interview ist im trend.PREMIUM vom 22. Mai 2026 erschienen.

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