
Monopol-Poker: Die Casinos Austria warnen vor der Marktöffnung.
©APA/ Helmut FohringerDer Monopolist bringt sich gegen eine Liberalisierung des Glücksspielgesetzes in Stellung. Generaldirektor van Laambart: „Wirtschaftlich würde es uns weh tun".
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Das Glücksspiel-Monopol könnte im Zuge einer Gesetzesnovelle fallen - so die Befürchtung von Casinos Austria-Chef Erwin van Lambaart. Der Spielerschutz könnte damit auf der Strecke bleiben - ohne dem Staat einen finanziellen Vorteil zu bringen. Der Entwurf des neuen Glücksspielgesetzes liegt vor, die Parteien haben nur mehr bis Ende März Zeit, sich auf ein neues Gesetz zu einigen, soll der Zeitplan für die Ausschreibung der Konzessionen halten.
Der Rohentwurf sieht vor, dass es auch weiterhin nur eine Konzession für Lotterien bzw. Online-Glücksspiel gibt. Allerdings gebe es nun aus der Politik Signale, dass das Glücksspiel-Monopol fallen könnte. „Die Neos sind aus ideologischen Gründen für eine Marktöffnung - das verstehe ich, aber nicht, wenn es um den Glücksspielmarkt geht", so van Lambaart.
Die SPÖ sprach sich zuletzt für eine Beibehaltung des Monopols aus, das es innerhalb der EU nur mehr in Österreich und Polen gebe. „Dass ein Monopol gegen EU-Recht verstoße, stimmt nicht", merkte van Lambaart dazu an. Er sprach wegen der neuen angedachten Maßnahmen zum Spielerschutz jedoch „ein Kompliment an Finanzminister Marterbauer" aus. Eine Öffnung für Online bedeute „ein massives Risiko, wenn es um den Spielerschutz geht", so der Casinos--Chef. Die Casinos Austria seien mit rund 900 Millionen Euro inzwischen „der zweitgrößte Steuerzahler der Republik" geworden, fügte er hinzu.
Europäische Online-Anbieter bestreiten einen schwächeren Spielerschutz durch eine geregelte Marktöffnung. „Ein Lizenzsystem schwächt den Spielerschutz nicht - es stärkt ihn", teilte Thomas Forstner, Generalsekretär des Branchenverbandes OVWG mit. „Legale Anbieter kann man kontrollieren, illegale nicht." Im OVWG sind Online-Anbieter mit Lizenzen von EU-Staaten vertreten, die zwar keine Konzession für Österreich besitzen, aber dennoch hier Steuern bezahlen. Als Paradebeispiel wird das Lizenzmodell von Dänemark mit einer Kanalisierungsrate von mehr als 90 Prozent angeführt, während in Österreich nur rund 40 Prozent der Spielerinnen und Spieler im legalen Bereich spielen.
Wegfallen sollen laut Gesetzes-Rohentwurf in Österreich künftig die so genannten Video Lottery Terminals (VLT). Davon sind diedie WinWin-Outlets von Casinos Austria betroffen, in denen derzeit rund 850 VLT-Automaten an 20 Standorten betrieben werden, mit etwa 200 Beschäftigten. „Wir wissen nicht warum", meint der Casinos CEO achselzuckend zu der geplanten Maßnahme.
Die Liberalisierung des Glücksspiels hat sich nach Darstellung der Casinos Austria in anderen europäischen Ländern als wenig erfolgreich erwiesen: In den Niederlanden und Schweden entfallen demnach rund 50 Prozent des Glücksspiels auf illegale Seiten. In Schweden und Belgien führte die Liberalisierung bzw. teilweise Öffnung des Glücksspielmarktes zu einem Rückgang des physischen Glücksspiels. In Schweden wurden bereits zu Beginn drei Casinos geschlossen.
Vor allem der Spielerschutz bleibe bei einer Liberalisierung auf der Strecke, argumentiert van Lambaart. Die geplante Einführung eines Registers, bei dem sich Kunden für einzelne Spiele - etwa Lotterien, Online-Spiele oder Casinos - sperren lassen können, werde hingegen von den Casinos Austria begrüßt, sagte van Lambaart. Weniger begeistert zeigte sich der Casinos-General von den im Rohentwurf angeführten, rigiden Beschränkungen beim Spieleinsatz und beim Höchstgewinn. Demnach wäre der Einsatz auf maximal 2 Euro und der maximale Gewinn auf 2.000 Euro beschränkt. „Das Spiel muss attraktiv sein", gab er zu bedenken.
Wie stark die wirtschaftlichen Effekte einer Marktöffnung für die Casinos Austria in puncto Umsatz und Steuerleistung seien, „rechnen wir gerade durch", so van Lambaart. Klar ist, „dass es uns wirtschaftlich weh tun würde."
Derzeit seien in Österreich rund 2.000 illegale Anbieter aktiv, die weder Lizenzgebühren oder Steuern zahlen und sich nicht an den Spielerschutz halten. Diese könnten, wie im Rohentwurf vorgesehen, durch Payment-Blocking (Einzahl-Schranke) und IP-Blocking (Zugangsbeschränkung) deutlich reduziert werden, merkte der Casinos-General dazu an. Gänzlich verhindern lässt sich die Umgehung dieser Schranken nicht. Derzeit kommen die nicht-lizenzierten bzw. illegalen Anbieter von Online-Glücksspielen auf einen Marktanteil von rund 50 Prozent, wie der Marktforscher Branchenradar Anfang des Jahres mitteilte.
Die ÖBAG als Beteiligungsholding des Staates hält rund ein Drittel der Anteile an den Casinos Austria. Zuständig für die ÖBAG ist das Wirtschaftsministerium unter Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP).