Brightstar-Manager zu Plänen für Lotterienlizenz

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Marco Tasso
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Brightstar-Manager Marco Tasso

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Der für die Auslandsexpansion zuständige Manager des Lotteriekonzerns Brightstar, Marco Tasso, erläutert im trend-Exklusivinterview, warum die Gruppe für die österreichische Lotterienlizenz mitbieten will und welche ehrgeizigen Pläne sie hierzulande verfolgt.

trend: Brightstar hat verkündet, Interesse an der österreichischen Lotterienlizenz zu haben, die bald ausgeschrieben werden soll. Warum?

Marco Tasso: Wir finden, dass der österreichische Markt eine sehr große Gelegenheit für uns bietet, weil im Lotteriegeschäft noch großes Potenzial steckt. So viele Möglichkeiten wie hier in Österreich bieten sich uns aktuell nicht. Wir schauen uns den österreichischen Markt bereits eine ganze Weile an, haben ihn intensiv analysiert und mit wesentlichen Playern gesprochen. Dabei haben wir festgestellt, dass genügend Raum da ist, die Lotterien moderner und unterhaltsamer für die Spieler zu gestalten.

trend: Und Sie gehen auch davon aus, dass Sie die Einnahmen steigern können?

Ja, bei den Gesamteinnahmen ist noch genügend Luft nach oben.

trend: Können Sie garantieren, dass Sie mehr Profit aus der Lizenz herausholen können als die bisherigen Betreiber?

Wir sind davon überzeugt, dass wir jedenfalls die Wertschöpfung für Österreich inklusive Steuern und Sponsoring verdoppeln können.

trend: Ich nehme an, Sie müssten auch einiges investieren, um die Modernisierung zu erreichen?

Natürlich haben wir substanzielle Investments in die Technologie, die Mitarbeiter und den Vertrieb geplant. Genaue Zahlen, wie viel wir investieren, kann ich noch nicht nennen, aber wir nehmen die Angelegenheit sehr ernst.

trend: Was stimmt mit der aktuellen Technologie der Lotterien in Österreich nicht?

Es ist weniger die Frage, was damit nicht stimmt, als die, was alles möglich ist. Wenn man österreichische Lotterien mit denen anderer europäischer Länder vergleicht, sind die Österreicher sicher hinten nach. In der Lottowelt passiert weltweit sehr viel, was in Österreich nicht passiert.

trend: Zum Beispiel?

Man kann Spiele für die Kunden viel moderner und unterhaltsamer gestalten. Es geht um ein ganzheitliches Erlebnis, das man über viele unterschiedliche Kanäle nutzen kann.

trend: Am Ende des Tages könnte es unter Brightstar also viel mehr Lottospiele geben?

Auf jeden Fall!

trend: Sie wissen ja, dass es in Österreich ein Glücksspielmonopol gibt. Können Sie darin einen Vorteil erkennen?

Es gibt sicher Gründe, warum im Lottogeschäft ein Monopol Sinn macht: Man erzeugt damit ein gewisses Vertrauen und eine Sicherheit bei den Spielern sowie planbare Einnahmen für den Staat. Üblicherweise betreibt ein Lottobetreiber das Lottogeschäft im Auftrag der Regierung. Es geht also darum, Vertrauen zwischen Betreiber und Politik zu erzeugen. Ob das über einen teilstaatlichen Anbieter oder ein privates Unternehmen erfolgt, ist aus unserer Sicht letztlich zweitrangig.

trend: Einer Ihrer Mitbewerber um die Lotterienlizenz wird der jetzige Lizenznehmer, die Casag, sein. An ihr besitzt auch der österreichische Staat einen Anteil. Wären Sie auch bereit, einen Anteil an den Staat abzugeben?

Wir kennen die Konditionen und die Ausschreibung noch nicht, aber wir sind hier, um an einem fairen und offenen Bieterprozess teilzunehmen. Jeder Bieter sollte dieselben Chancen haben. Bei dem Prozess sollte natürlich das Wohl Österreichs im Vordergrund stehen. Zurzeit hat nahezu jede europäische Regierung mit ihren Budgets zu kämpfen, und wenn man die Einnahmen aus der Lizenz maximieren kann, ist das sicher im Sinne Österreichs.

trend: Sie planen ja ein Konsortium mit einem österreichischen Unternehmen, das für die Lizenz bieten soll. Wäre Brightstar auch alleine als Bieter dabei?

Wir wollen ein starkes Konsortium bilden, und das aus vornehmlich einem Grund: Um im Lotteriegeschäft Erfolg zu haben, braucht man Partner, die im Land verwurzelt sind. Wir arbeiten hart daran, dafür die richtigen österreichischen Partner zu finden, die auch dieselbe Vision verfolgen, die wir verfolgen, nämlich den größtmöglichen Mehrwert für Österreich zu schaffen.

trend: Wie weit sind Sie bei der Zusammenstellung dieses Konsortiums? Ist zum Beispiel die Mediaprint fix dabei?

Es läuft sehr gut. Viele Unternehmen kommen auf uns zu und wollen mit uns diesbezüglich reden. Wenn es so weit ist, werden wir das Konsortium kommunizieren.

trend: Die Lotterien arbeiten mit den Trafiken zusammen. Haben Sie das auch vor?

Die Trafiken sind das Rückgrat der Lotterien und sollen es auch bleiben. In Italien besitzen die Trafiken sogar Anteile am Lottogeschäft.

trend: Waren Sie enttäuscht darüber, dass sich die österreichische Post kürzlich aus dem Konsortium verabschiedet hat?

Wir sind zufrieden damit, wie unsere Gespräche laufen. ­

trend: Was macht Brightstar besser als andere?

Wir sind Weltmarktführer sowohl in der Technologie als auch als Lotteriebetreiber. Und diese Erfahrung würden wir auch gerne in Österreich zum Einsatz bringen. Genauso wichtig ist uns aber eine lokale Präsenz mit lokalem Management. Denn jedes Land ist anders, und die Unterschiede schlagen sich auch im Lottospiel nieder. Deshalb ist uns auch ein guter Kontakt zur lokalen Politik wichtig.

trend: Allwyn, der tschechische Haupteigentümer der Casag, hat aber auch große internationale Erfahrung …

Ja, das stimmt, aber sicher nicht in dem Ausmaß, wie wir sie haben.

trend: Haben Sie mit heimischen Politikern über Ihr Projekt gesprochen?

Wir reden mit vielen Leuten in Österreich, auch mit Politikern. Ich fühle mich hier sehr willkommen. Die Politik hat, glaube ich, verstanden, was das Lottogeschäft für Österreich tun kann.

trend: Falls Sie die Lizenz bekommen: Was hieße das für die Mitarbeiter der Lotterien?

Wir würden selbstverständlich die gesamte Organisation inklusive Mitarbeiter übernehmen, weil das diejenigen sind, die sich hierzulande am besten auskennen.

trend: Wie würde das Management aussehen?

Das Management und der CEO wären auch aus Österreich.

trend: Die Politik hat ja die Befürchtung geäußert, dass unter neuem Regime die Vorkehrungen gegen Spielsucht gelockert werden könnten. Wie begegnen Sie den Bedenken?

Lotto ist ja nicht eigentliches Gambling. Beim Lotto geht es ja darum, eine möglichst breite Kundenbasis anzusprechen und nicht ein paar, die viel Geld liegenlassen. In Italien haben wir etwa 20 Millionen Kunden. Lotto ist ein Marathon, bei dem der Kunde Vertrauen haben muss. Soziale Verantwortung spielt dabei eine große Rolle. Wir erfüllen dabei sehr hohe Standards.

trend: Wie groß schätzen Sie Ihre Chance ein, die Lizenz zu bekommen?

Schwer zu sagen. Aber wenn wir einen offenen und fairen Vergabeprozess sehen, schätze ich unsere Chancen nicht schlecht ein.

Zur Person

Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 24. April 2026 erschienen.

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