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Für Österreich ist Ungarn weltweit der siebentwichtigste Exportmarkt, während umgekehrt Österreich für das Nachbarland den viertwichtigsten Handelspartner darstellt. Mit seinen Niederlassungen ist Österreich hinter Deutschland der zweitgrößte Investor in Ungarn. Die ungarische Gesamtwirtschaft blieb 2025 mit einem Bruttoinlandsprodukt-Wachstum von lediglich 0,3 Prozent unter den Erwartungen und setzte den stagnierenden Trend fort. Während der Dienstleistungssektor und der Tourismus zulegten, schwächelte die Industrie. Fehlende EU-Gelder, der schwankende Forint sowie Einbrüche im Automobil- und Batteriesektor bremsten die konjunkturelle Entwicklung.
Dennoch seien zuletzt positive Impulse vom Automotive-Sektor gekommen, von denen auch österreichische Zulieferbetriebe profitieren würden, sagt der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Budapest, Philipp Schramel. Erst im Vorjahr wurde ein BMW-Werk in Debrecen eröffnet, BYD errichtet aktuell eine Fabrik in Szeged und Mercedes plant, seine A-Klasse künftig in Kecskemét zu produzieren. Schramel: "Die Automobilindustrie und ihre Zulieferersektoren sind nach wie vor die Triebfedern der ungarischen Wirtschaft." Der Sektor erwirtschaftet rund 30 Prozent der industriellen Wertschöpfung in Ungarn.
Vorsichtiger Optimismus
Die Einschätzung der österreichischen Niederlassungen zu ihrer eigenen Lage ist laut einer Wirtschaftskammer-Umfrage von vorsichtigem Optimismus geprägt. Mehr als jedes zweite Unternehmen hofft auf einen Anstieg des Gesamtumsatzes, 42 Prozent rechnen mit einer verbesserten Auftragslage.
Treiber der österreichischen Exporte waren im Vorjahr Maschinen, Kunststoffe sowie Eisen und Stahl. "Das Export- und Auftragsvolumen der österreichischen Niederlassungen ist trotz des schwierigen Umfelds hoch", so Schramel. "Gleichzeitig steigt der Aufwand für die Unternehmen deutlich, um dieses Niveau zu halten."
Branchen-Sondersteuern "klarer Wettbewerbsnachteil"
Das ungarische Regulierungsumfeld stellt ausländische Firmen zunehmend vor Herausforderungen. Zwar punktet das Land bei internationalen Investoren mit der EU-weit niedrigsten Körperschaftsteuer von 9 Prozent. Gleichzeitig hebt der Staat einen großen Anteil seiner Einnahmen über branchenspezifische Sondersteuern ein, um Maßnahmen zur Inflationssenkung zu finanzieren. Davon sind vor allem der Energiesektor, Banken, große Handelsketten, der Telekom-Sektor und Fluggesellschaften betroffen.
Schramel sieht darin einen "klaren Wettbewerbsnachteil" und fordert langfristig abgestimmte, europäische Lösungen für faire Wettbewerbsbedingungen. Dementsprechend erhoffen sich 81 Prozent der befragten Austro-Töchter mehr wirtschaftspolitische Berechenbarkeit, 73 Prozent bemängeln die Rechtssicherheit und 49 Prozent kritisieren die Bürokratie.
Hoffen auf Ende der Förderblockade
Mit Blick auf die Zukunft hoffen die Betriebe auf ein Ende der europäischen Förderblockade. Sollten die derzeit gesperrten EU-Gelder wieder fließen, erwartet die WKÖ Impulse für die Bauwirtschaft und den Infrastrukturausbau, wovon auch heimische Betriebe profitieren könnten. Die wirtschaftliche Verflechtung beider Länder zeigt sich indes auch deutlich auf dem Arbeitsmarkt: Laut Daten des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger waren im Jänner 2025 knapp 130.000 ungarische Staatsbürger in Österreich beschäftigt.
HAMBURG - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA (dpa) Symbolbild/Christian Charisius