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Der Aufsichtsrat billigte überraschend am Donnerstagabend nach wochenlangen Auseinandersetzungen einstimmig weite Teile eines Sanierungskonzepts des Vorstandes um Konzernchef Oliver Blume. Eine drohende weitere Eskalation zwischen Vorstand, dem Land Niedersachsen als maßgeblichem Anteilseigner und der Arbeitnehmerseite ist damit vom Tisch.
Mit der Zustimmung zum Zukunftsplan 2030 des Vorstandes stelle Volkswagen die Weichen für einen nachhaltigen und langfristigen Erfolg des Unternehmens, teilte der Konzern weiter mit. "Der Zukunftsplan 2030 schafft die Voraussetzungen, um die Volkswagen Group und ihre Marken leistungsfähiger, wettbewerbsstärker und zukunftsorientierter aufzustellen."
Konzernchef Blume sprach von einem starken Signal für die Zukunft. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte, der Aufsichtsrat sei überzeugt davon, "dass mit dessen Umsetzung die dauerhafte Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Volkswagen-Konzerns gesichert wird".
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies verwies auf enorme Herausforderungen für Volkswagen und die deutsche Autoindustrie. "Umso wichtiger ist, dass wir jetzt einen gemeinsamen Weg für die notwendige Transformation gehen", sagte der SPD-Politiker.
Die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, betonte: "Mit dem nun verabschiedeten Zukunftsplan stellen wir uns gemeinsam mit Vorstand und Anteilseignern den riesigen Herausforderungen." Nach den Worten von Konzern-Betriebsratschefin Daniela Cavallo ist der Zukunftsplan "eine Notwendigkeit, um unseren Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen, ohne dass die damit verbundenen Vorhaben einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehen".
Der Zukunftsplan 2030 ist das nach VW-Angaben das "strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen Group". Demnach soll für die europäischen Werke bis Ende Juni 2027 ein "Konzept für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur entwickelt werden".
Der Aufsichtsrat habe zur Kenntnis genommen, dass eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen in Europa im Volkswagen-Konzern bestehe und für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm "aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden" könne: "Für diese Werke werden parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft."
Über die bestehenden Programme hinaus sei zudem eine weitere grundlegende Anpassung der weltweiten Personalkapazitäten nötig, teilte Volkswagen weiter mit. Eine konsequente Anpassung an die wirtschaftliche Realität sei unabdingbar, heißt es zum geplanten Abbau von rund 50.000 Stellen.
Ferner strafft die Volkswagen Group bis 2035 ihre Modellpalette um rund 50 Prozent, die Angebotskomplexität um rund 75 Prozent. Der Fokus werde auf attraktivste Fahrzeuge gelegt. Angestrebt werden zudem "schlankere Führungsstrukturen" und "kürzere Entscheidungswege".
Das Portfolio der Beteiligungen und Geschäfte werde "konsequent auf ihren strategischen und wirtschaftlichen Beitrag zum Kerngeschäft reduziert". Es soll um rund ein Drittel gestrafft werden.
IG Metall und Konzernbetriebsrat betonten in einer gemeinsamen Reaktion, eine Eskalation sei verhindert worden. Der Vorstand müsse jetzt seine Hausaufgaben machen. Eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw und der VW-Komponente ist aus ihrer Sicht vom Tisch. Kein Werk sei aufgegeben und keine Werksschließung besiegelt worden, betonten Benner und Cavallo. Gewerkschaft und Betriebsrat wiederholten aber eine zentrale Kritik: "Der Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstandes in den vergangenen Wochen war nicht zielführend."
Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer bezeichnete den Zukunftsplan als Light-Version. "Die Werkschließungen sind nicht beschlossen, aber auch nicht ausgesetzt", sagte er. Immerhin sei der Kompromiss besser als die quälenden öffentlichen Diskussionen der vergangenen 24 Monate.
Jetzt gehe es darum, in den nächsten Monaten über Verbesserungen, Produktpläne oder Werkschließungen zu sprechen. Aus Sicht des Branchenkenners dürfte also eine bestimmte Entspannung einkehren, aber noch lange kein "Frieden"