
von
Die Regierung sei jedoch offen für eine Wiederaufnahme des Schlichtungsverfahrens, sollten Samsung und die Gewerkschaft dies beantragen. Im Zentrum des Konflikts stehen Bonuszahlungen. An dem ab dem 21. Mai geplanten 18-tägigen Ausstand wollen sich Gewerkschaftsangaben zufolge etwa 48.000 Beschäftigte beteiligen.
Bei den bisherigen Tarifverhandlungen gab es kaum Annäherung. Die Gewerkschaft fordert eine Abschaffung der Obergrenzen für Mitarbeiterboni, eine Anhebung der Grundgehälter um sieben Prozent sowie die Verteilung von 15 Prozent des jährlichen operativen Gewinns an die Beschäftigten. Samsung hat zwar sein Betriebsergebnis im ersten Quartal auf umgerechnet 33 Milliarden Euro verachtfacht. Dem Management zufolge würden dauerhaft höhere Gehälter und Boni jedoch künftige Investitionen sowie die Ausschüttungen an die Aktionäre gefährden.
Ein Streik bei dem südkoreanischen Konzern würde die weltweiten Lieferengpässe bei Halbleitern verschärfen. Er ist der weltgrößte Anbieter von Speicherchips und ein wichtiger Auftragsfertiger. Die Zahl der Streikenden entspricht etwa 38 Prozent der Konzernbelegschaft in Südkorea. Nach einem Gerichtsurteil muss in einigen Werken jedoch eine Notbesetzung den 24-Stunden-Betrieb aufrechterhalten. Samsung zufolge sind hierfür etwa 7.100 Personen notwendig. Wegen der überragenden Bedeutung Samsungs für die südkoreanische Wirtschaft kann die Regierung in Seoul eine Zwangsschlichtung einleiten. Sie hat bereits vor möglichen irreparablen Schäden für die Konjunktur gewarnt.
Der Lokalrivale SK Hynix hat die Obergrenzen für Mitarbeiterboni im vergangenen Jahr abgeschafft und koppelt sie an den operativen Gewinn. Da die weltweite Nummer zwei der Speicherchip-Hersteller dank rasanter Preissteigerungen für diese Produkte von Rekordgewinn zu Rekordgewinn eilt, erhalten die Beschäftigten dort derzeit dreimal so hohe Boni wie bei Samsung. Der Gewerkschaft zufolge wandern daher zahlreiche Fachkräfte zu Hynix ab.
Samsung steht für ein Viertel der südkoreanischen Exporte. Einem Experten der Zentralbank zufolge könnte der Streik bei Samsung das für 2026 erwartete Wirtschaftswachstum von zwei Prozent im schlimmsten Fall um einen halben Prozentpunkt schmälern. Die Analysten der Bank JPMorgan taxieren die Belastung für den operativen Samsung-Gewinn durch den Streik auf umgerechnet bis zu 17,7 Milliarden Euro. An der Börse machten die Aktien von Samsung anfängliche Verluste wett und legten zuletzt um 0,5 Prozent zu.