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Geografisch würde der Zukauf der Addiko Bank Sinn machen, der Verkauf der Teile in Serbien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro würde aber die Konkurrenz in Serbien wieder stärken, so der IVA-Präsident weiter. Konzernchef Johann Strobl sieht das anders. "Nach dem Kauf der Crédit Agricole glauben wir, dass wir in Serbien eine gute Machtposition haben", sagte der CEO. 2021 hatte die RBI mit ihrer serbischen Tochter die Crédit Agricole Srbija gekauft.
Strobl wies in seiner Eingangsrede außerdem darauf hin, dass eine Übernahme ein Weg sei "um eine schwierige Situation zu bereinigen". Die Addiko Bank kämpft seit längerem mit einer unübersichtlichen Eigentümerstruktur, was unter anderem zum Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) und zur Aussetzung der Dividende für die Jahre 2024 und 2025 geführt hatte. Aufsichtsratschef Erwin Hameseder sagte eingangs in der HV, das Ziel des Zukaufs sei vor allem die "Stärkung der Position in Kroatien und der Wiedereintritt in den Markt in Slowenien". Nach dem Plan der RBI soll das Addiko-Geschäft in Serbien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro an den derzeitigen serbischen Addiko-Aktionär Alta Group gehen.
Positiver wurde bei den Aktionärsvertretern der Zukauf der BBVA-Tochter Garanti in Rumänien bewertet. Mit diesem treibe die RBI ihre Wachstumsgeschichte wieder voran und zeige, wie es mit dem Institut weitergehen soll, so Beckermann. Für Strobl ist der Garanti-Zukauf "eine gute Gelegenheit, zusätzlich zum organischen Wachstum Kunden zu gewinnen und die Infrastruktur, die wir dort haben, besser auszulasten".
Statt Zukäufen standen in den vergangenen Jahren bei der RBI die Geschäfte in Russland im Fokus. Auch heuer wurden dazu auf der Hauptversammlung wieder viele Fragen gestellt. Die meisten drehten sich um die laufenden Rechtsstreitigkeiten zwischen der von der EU sanktionierten russischen MKAP Rasperia Trading Limited ("Rasperia") und der Strabag SE, in die auch die Raiffeisen Russland verwickelt ist. Die Aktionärsvertreter wollten wissen, wie sich die Bank das bisher im Zuge von russischen Gerichtsurteilen gezahlte Geld wieder zurückholen kann und woran es bei Verkaufsbemühungen scheitert. Die RBI baut ihr Russland-Geschäft seit Ausbruch des Krieges stetig ab. Ein Verkauf ist bisher trotz mehrerer Anläufe nicht gelungen.
Strobl verwies einmal mehr darauf, dass ein Verkauf nach wie vor verfolgt werde, jedoch die Genehmigung von vielen Behörden brauche. Die bisher geleisteten Schadenersatzzahlungen könne sich die Bank wohl am besten über eine Klage in Österreich zurückholen. Diese wurde noch nicht eingebracht. Die Verjährungsfrist hierfür betrage drei Jahre, daher sei noch etwas Zeit, so Strobl. Die RBI arbeitet gleichzeitig weiter daran, in Russland sanktionsrechtlich eingefrorene Aktien der Strabag als eine Ausnahme freigeben zu lassen. Bisherige Bemühungen dazu waren gescheitert.
Vor der Fragerunde stellte sich Michael Höllerer als designierter CEO der RBI bei den Aktionären offiziell vor. Er wird den Posten von Johann Strobl am 1. Juli übernehmen. Höllerer will den Abbau des Geschäfts in Russland weitertreiben. Der Ausstieg solle "konsequentest in unserer Sphäre, soweit wir das auch beeinflussen können" vorangetrieben werden, so Höllerer. Viel Potenzial sieht er indessen für das übrige Osteuropa-Geschäft. Die Raiffeisen-Netzwerkbanken in CEE seien dank ihrer Marktkenntnis ein wichtiger "Organismus, der Wachstum sicherstellt, der den wirtschaftlichen Erfolg sicherstellt". Aufgrund der zahlreichen Transformationen, die weltweit im Gange sind, sieht Höllerer auch Chancen für das Firmenkundengeschäft. Innerhalb der österreichischen Raiffeisen Bankengruppe will er zudem die Kooperation verstärken. "Hier können wir noch viel mehr gemeinsam voranbringen".
Die Hauptversammlung wurde mehrmals von Störungen unterbrochen, die Protestanten mussten jeweils vom Ordnungsdienst aus dem Saal gebracht werden. Attac und urgewald demonstrierten am Vormittag gemeinsam mit weiteren NGOs vor der Wiener Stadthalle, wo die HV stattfand, gegen das Russland-Geschäft der Bank. Auch im Rahmen der Generaldebatte meldeten sich Vertreter von NGOs zu Wort und kritisierten das anhaltende Engagement der Bank in Russland. Weitere Kritikpunkte der NGOs sind, dass die RBI einer der größten Geldgeber für die fossile Branche sei und in den Palantir-Konzern von Peter Thiel investiere, hieß es in einer Attac-Aussendung.
Bei der HV stellten sich außerdem neue Mitglieder des Aufsichtsrats zur Wahl. Michael Höllerer legt im Zuge seines Wechsels in den RBI-Vorstand sein Mandat mit der heutigen HV zurück. Ihm folgt Martin Hauer, designierter Nachfolger von Höllerer als Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, nach. Rudolf Könighofer verlässt den RBI-Aufsichtsrat mit Ende des Jahres 2026. Für ihn kommt ab dann Eva Fugger, designierte Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenlandesbank Burgenland, in das Gremium. Darüber hinaus ersetzt Thomas Wass, Chef der Raiffeisenlandesbank Tirol, Christof Splechtna, der sein Mandat für den RBI-Aufsichtsrat Ende März zurückgelegt hatte. Splechtna übernimmt ab Oktober den Chefposten in der Hypo Landesbank Vorarlberg. Darüber hinaus wurde auch die Dividende von 1,60 Euro je Aktie von den Aktionären abgesegnet.