
von
Mit einer Industriestrategie will Österreich die heimische Industrie wieder unter die zehn wettbewerbsfähigsten Industrieregionen bringen. Dabei wird Life Sciences & Biotech explizit als eine von neun Schlüsseltechnologien genannt. "Wir sehen den schleichenden Verlust an Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Standorts mit großer Sorge", merkte Studienautor Wolfgang Schwarzbauer dazu an. "Die Entwicklung der Pharmaindustrie zeigt aber, dass sich einzelne Branchen diesem Trend zumindest teilweise entziehen können."
Ein Teil dieser Entwicklung ist Schwarzbauer zufolge der globalen Nachfrage und der Konzernstruktur der Branche geschuldet. Allerdings forcierte die Branche hierzulande in den vergangenen Jahren auch Forschung und Entwicklung sowie den Ausbau von Produktionskapazitäten. "Genau darauf zielt die Industriestrategie 2035 für den gesamten Standort ab", sagte Schwarzbauer.
Allerdings lasse sich die Situation in der pharmazeutischen Industrie nicht eins zu eins mit anderen Branchen vergleichen, da sie sich als überaus forschungsintensiv erweise. Rund 6,5 Prozent aller Forschungs- und Entwicklungsausgaben der österreichischen Unternehmen entfallen auf die Pharma- und Biotech-Branche, obwohl ihr Anteil am BIP insgesamt bei 2,9 Prozent liege. Damit trage die Branche überproportional zur heimischen Forschungsleistung bei.
Aber auch als Fertigungsstandort hat sich Österreich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt, vor allem bei der Herstellung von Generika, die für ein Fünftel der Wertschöpfung der Branche verantwortlich sind. Die Wertschöpfung mit Generika stieg von 1,7 Mrd. Euro in 2019/20 auf 2,5 Mrd. Euro im Jahr 2024.
Die Produktivität der pharmazeutischen Industrie wirkt sich auch gesamtwirtschaftlich positiv aus, wie Modellrechnungen der Studie ergeben. Die Wertschöpfung lag 2024 bei 12,9 Mrd. Euro. Davon entfielen 6,8 Mrd. Euro auf direkte Wirkungen, rund 2,3 Mrd. Euro auf indirekte sowie 3,8 Mrd. Euro auf induzierte Wirkungen. Ein Euro Wertschöpfung in der Branche bringt gesamtwirtschaftlich eine Wertschöpfung von 1,9 Euro.
Aber auch am Arbeitsmarkt nimmt die pharmazeutische Industrie eine Sonderstellung ein, die rund 91.000 Arbeitsplätze oder 1,9 Prozent aller Beschäftigten sichert. Davon entfallen 25.000 auf direkt Beschäftigte. Weitere 21.000 Arbeitsplätze sind auf indirekte Effekte entlang der Wertschöpfungskette zurückzuführen. Weitere 45.000 Stellen sind auf induzierte Effekte - also etwa auf höhere Konsumausgaben - zurückzuführen. Ein Arbeitsplatz in dieser Branche sichert daher bis zu 3,6 weitere Arbeitsplätze, geht aus der Studie hervor.
Auch im Außenhandel sticht die Branche hervor: Die Ausfuhren pharmazeutischer Erzeugnisse beliefen sich 2024 auf rund 20 Mrd. Euro und machten damit knapp 10 Prozent aller österreichischen Warenexporte aus. Der Handelsbilanzüberschuss in diesem Bereich hat sich seit 2015 nominell mehr als verdreifacht, von 2,5 Mrd. Euro auf rund 8 Mrd. Euro im Jahr 2024.
Die Produktion der pharmazeutischen Industrie stieg von 2015 bis 2024 um 75 Prozent, die gesamte Warenproduktion in Österreich legte im selben Zeitraum nur um 15 Prozent zu. Allerdings verwies Schwarzbauer in diesem Zusammenhang auf die Investitionen großer, internationaler Pharma-Konzerne in Österreich und auf die starke globale Nachfrage nach pharmazeutischen Produkten.
Zwar nimmt die pharmazeutische Industrie eine Sonderstellung ein, dennoch lassen sich der Studie zufolge Empfehlungen ableiten. Dazu zählen verlässliche Rahmenbedingungen, etwa bei Forschungsförderung, Genehmigungsverfahren und Produktionsbedingungen.
"Wer die Industriestrategie 2035 ernst nimmt, sollte auf verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen, gezielte Forschungsanreize und wettbewerbsfähige Produktionsbedingungen setzen", kommentierte Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria, die Ergebnisse der Studie. "Die Pharmabranche zeigt, dass sich Forschungsintensität und industrielle Produktion auch am Standort Österreich verbinden lassen, wenn die Rahmenbedingungen passen." Dies lasse sich zwar nicht ohne weiteres auf andere Branchen übertragen, zeige aber, worauf es ankomme.
Die Studie erfolgte im Auftrag des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs, des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie, des Österreichischen Generikaverbands und des Verbands der pharmazeutischen Industrie Österreichs.
DRESDEN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa (Symbolbild)/Matthias Hiekel