OeNB-Chef Kocher: Inflationsdruck könnte Zinserhöhung nötig machen

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OeNB-Gouverneur Martin Kocher
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Angesichts des anhaltend hohen Preisdrucks mehren sich die Signale aus der EZB, die auf eine baldige Zinserhöhung hindeuten. Im gesamten Euroraum seien die Aufwärtsrisiken für die Inflation zuletzt wieder gestiegen, sagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Martin Kocher: "Sollte sich dieses Bild in der nächsten EZB-Prognose bestätigen, halte ich eine weitere Zinserhöhung in naher Zukunft für notwendig."

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Laut Kochers finnischem Kollegen Olli Rehn muss sich die EZB auf einen langwierigen Konflikt im Nahen Osten einstellen, der die Teuerung im Euro-Raum hochhalten könnte. "Angesichts dieses Inflationsdrucks dürfen wir uns nicht in Sicherheit wiegen", sagte das EZB-Ratsmitglied der "Financial Times". Er bezog sich dabei auch auf die durch den Iran-Konflikt gestiegenen Energiepreise.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will verhindern, dass der Ölpreisschock das Preisgefüge nachhaltig verändert und sich die hohe Inflation festsetzt. Der EZB-Rat entscheidet am 10. September auf einer auswärtigen Sitzung in Berlin über den Leitzins. Dabei werden auch neue Projektionen der EZB-Fachleute zur voraussichtlichen Entwicklung der Inflation vorgelegt. An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass der zum Steuern der Geldpolitik relevante Einlagesatzes um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent angehoben wird. Auch EZB-Direktorin Isabel Schnabel hält ein höheres Leitzinsniveau für nötig. Sie verwies jüngst darauf, dass sich der Konflikt im Nahen Osten hinziehe.

Beim derzeit laufenden Forum Alpbach in Tirol wies der OeNB-Gouverneur am Dienstag außerdem auf die langfristigen Herausforderungen für Österreich und den immer dringender werdenden Reformbedarf hin. Zu den größten Herausforderungen zählen demnach die alternde Bevölkerung, die hohen Ausgaben für Pensionen und Gesundheit, ein niedrigeres Arbeitskräfteangebot, steigende Zinsausgaben und ein sinkendes Wachstumspotenzial. Bis 2035 rechnet die OeNB nur noch mit einem langfristig möglichen Wachstum, also einem Potenzialwachstum, von unter einem Prozent. In den 2010er-Jahren lag das Potenzialwachstum noch bei 1 bis 1,5 Prozent.

Die Probleme müssen frühzeitig angegangen werden. "Bei den großen strukturellen Herausforderungen arbeitet die Zeit gegen uns", so Kocher laut einer Aussendung. "Wer früher handelt, hat mehr Möglichkeiten, wer länger wartet, hat weniger. Deshalb braucht es Pragmatismus und einen Fokus auf jene Herausforderungen, die unseren Wohlstand von morgen bedrohen."

Für den OeNB-Chefökonom Wolf Heinrich Reuter wird das Produktivitätswachstum künftig ein entscheidender Faktor für den Wohlstand sein. Mehr Wachstumsdynamik könnte die künstliche Intelligenz (KI) bringen. Sollte ihr Potenzial breit genützt werden können, könnte das jährliche Produktivitätswachstum laut OeNB über einen Zeitraum von zehn Jahren um 0,35 Prozentpunkte erhöht werden.

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/HELMUT FOHRINGER

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