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Ursache für die unterschiedliche Entwicklung bei Frauen und Männern sei die Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters für Frauen sowie der Umstand, dass "in typischen Frauenbranchen (Gesundheit und Handel) die Arbeitslosigkeit deutlich stärker steigt", analysierte AMS-Vorständin Petra Draxl die Entwicklung am Dienstag in einer Aussendung. Sie verwies auch auf die neuen Zielvorgaben von Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) an das AMS, die die Schwerpunkte auf jene Felder lege, die die größte Aufmerksamkeit brauchen: Darunter die Arbeitslosigkeit von Frauen, Jugendlichen und Zugewanderten.
Neben Frauen und Zugewanderten orten Schumann und Draxl auch bei älteren Personen ein größeres Beschäftigungspotenzial. Bei dieser Personengruppe gab es auch im August keine Entspannung, kletterte die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer bei über 50-Jährigen doch um 6,4 Prozent nach oben. Immerhin zeigte sich bei den Jugendlichen (unter 25-Jährigen) mit minus 0,2 Prozent ein positiver Trend.
Bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Bundesländern sticht Wien mit einem Rückgang von 1 Prozent hervor, während es in allen anderen Bundesländern zu Anstiegen kam. Am stärksten fiel dieser in Niederösterreich (+6,7 Prozent) aus, gefolgt von Vorarlberg (+5,9 Prozent), Tirol (+5,3 Prozent) und der Steiermark (+5,1 Prozent). Nach Branchen zeigten sich wesentliche Zuwächse allen voran im Gesundheits- und Sozialwesen (+11,5 Prozent), im Handel (+4,8 Prozent) und der Warenherstellung bzw. Industrie (+3,3 Prozent), während die Arbeitslosenzahlen in anderen wichtigen Branchen wie am Bau (plus 0,1 Prozent) kaum zulegten.
Beim Jobangebot gab es laut den AMS-Daten neuerlich eine Verknappung, zumindest was sofort verfügbare Stellen betrifft. Die Zahl der sofort verfügbaren offenen Stellen lag mit knapp 80.000 um 1,3 Prozent unter dem Vorjahr, bei den Lehrstellen fiel das Minus mit 15 Prozent noch deutlicher aus. Bei nicht sofort verfügbaren Stellen wies das AMS im Jahresvergleich hingegen deutliche Zuwächse aus.
Beim Stellenmonitor des ÖVP-Wirtschaftsbunds ergab sich mit rund 170.000 Vakanzen der "höchste Stand der vergangenen zwölf Monate". Er erfasst alle Jobportale und damit in der Regel mehr Stellenausschreibungen als das AMS. Damit zeige sich, dass die Betriebe "Mitarbeiter einstellen, ausbilden und investieren" wollen, hieß es in einer Mitteilung.
Dem Ruf von Schumann nach einem Bonus-Malus-System für ältere Arbeitskräfte kann der Wirtschaftsbund ebenso wenig wie die Wirtschaftskammer (WKÖ) abgewinnen, die ein solches für "kontraproduktiv, bürokratisch und ungerecht" hält. Die Unternehmerkammer bemängelt bei den neuen Zielvorgaben der Arbeitsministerin auch zu "wenig wirksame Ansätze". Ähnlich äußerte sich die Industriellenvereinigung (IV), die bei den Zielvorgaben den Fokus auf eine rasche Vermittlung vermisst. Immerhin sei positiv hervorzuheben, dass die Arbeitsministerin "die Herausforderungen der demographischen Entwicklung anerkennt".
Harsche Kritik kam von der FPÖ. Sie sah bei der Ministerin den "zynischen Versuch, von einem Totalversagen abzulenken" und eine Flucht in die "irrationale Hoffnung auf sogenannte Green Jobs". Rückendeckung kam hingegen von der Arbeiterkammer (AK), die die neuen Vorgaben als "wichtigen Schritt" bezeichnete und mit einem Fokus auf Qualifizierung klare "arbeitsmarktpolitische Prioritäten" erkennt. Ähnlich der Gewerkschaftsbund (ÖGB), der "wichtige Schwerpunkte, vor allem bei Qualifizierung, Weiterbildung und nachhaltiger Beschäftigung" ortet.