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Händler sprachen von Panikverkäufen, die zwischenzeitlich zur Aussetzung des Handels führten. Auch die Landeswährung Rupiah geriet unter Druck. Sie wertete um 0,5 Prozent auf 16.780 zum Dollar ab. Finanzminister Purbaya Yudhi Sadewa bezeichnete den Ausverkauf als vorübergehenden Schock. Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten seien in Ordnung.
Auslöser des Kurssturzes war die Ankündigung des Indexanbieters MSCI, dass Indonesien wegen mangelnder Transparenz von einem Schwellenland ("Emerging Market") zu einem Grenzmarkt ("Frontier Market") herabgestuft werden könnte. Eine solche Entscheidung würde Fonds, die die vielbeachteten MSCI-Indizes abbilden, zum Verkauf ihrer indonesischen Positionen zwingen. Analysten gehen davon aus, dass auch aktive Fondsmanager nachziehen müssten.
MSCI, einer der weltweit wichtigsten Indexanbieter, betonte, dass die Aufnahme indonesischer Werte in seine Produkte vorerst ausgesetzt sei. Man stehe jedoch mit den Behörden in Kontakt, um Risiken für Investoren bezüglich unklarer Besitzverhältnisse, Handelsregeln und Preisbildung zu klären.
Die Warnung von MSCI trifft auf ein bereits angeschlagenes Vertrauen der Anleger. Hintergrund sind Sorgen über die Wirtschaftspolitik von Präsident Prabowo Subianto, der das Haushaltsdefizit ausweitet und den staatlichen Einfluss auf die Finanzmärkte verstärkt hat. Die abrupte Entlassung der angesehenen Finanzministerin Sri Mulyani Indrawati im vergangenen Jahr sowie die Ernennung seines Neffen Thomas Djiwandono in den Vorstand der Zentralbank in diesem Monat hatten die Sorgen über die finanzpolitische Stabilität verstärkt. Bereits 2025 zogen ausländische Investoren Daten des Anbieters LSEG zufolge Kapital in Höhe von 834 Millionen Dollar (696,51 Millionen Euro) aus indonesischen Aktien ab.
Als Reaktion auf die Entwicklung senkten die Investmentbanken Goldman Sachs und UBS ihre Empfehlungen für indonesische Aktien. Goldman stufte sie auf "untergewichten" herab und warnte, eine Herabstufung durch MSCI könnte Kapitalabflüsse zwischen 2,2 und 7,8 Milliarden Dollar auslösen. "Wir erwarten, dass der Markt unter Druck bleibt und sehen dies nicht als Einstiegsgelegenheit", schrieben die Strategen von Goldman Sachs. Sie verwiesen auf Probleme wie einen schwachen Privatkonsum, ein nachlassendes Kreditwachstum und ein steigendes Haushaltsdefizit, das sich der gesetzlichen Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts nähert.
"Die MSCI-Warnung kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt", sagte Gary Tan, Portfoliomanager bei Allspring Global Investments. Sie habe eine Reaktion nach dem Motto "erst verkaufen, dann fragen" ausgelöst. Er sei jedoch ermutigt, dass die Regulierungsbehörden Bereitschaft signalisiert hätten, konstruktiv mit MSCI zusammenzuarbeiten. Händler zufolge sei die Warnung ein "Schlag ins Gesicht" für die Aufsichtsbehörden. Sollte MSCI Indonesien als nicht investierbar oder intransparent einstufen, würden die ausländischen Kapitalzuflüsse versiegen.