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Österreich sei im Bereich Finanzbildung ein "absolutes Vorzeigeland", sagte Eibinger-Miedl. Schließlich habe man 2021 als erstes EU-Mitglied eine nationale Finanzbildungsstrategie beschlossen. Gestartet habe man mit 90 Finanzbildungsmaßnahmen, mittlerweile gebe es 235. Dennoch sei Österreich nach wie vor ein Land der Sparer, bei den Finanzmärkten gebe es noch viel Potenzial. Die übrigen Sprecher - Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher, Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) und Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) - betonten den Wert von Finanzbildung für ein selbstbestimmtes Leben, die soziale Teilhabe und die Demokratie.
An der Strategie arbeiten zahlreiche Ministerien mit. Es gebe sieben strategische Prioritäten, erklärte Eibinger-Miedl; die "Schirmherrschaft" darüber werde von den jeweils zuständigen Ressorts übernommen. So sei beispielsweise das Sozialministerium für das Thema Überschuldung und deren Vorbeugung verantwortlich. Das Landwirtschaftsministerium soll über nachhaltige Entscheidungen aufklären und das Finanzministerium über Finanz- und Kapitalmärkte. Das Frauenministerium kümmert sich um die Förderung der ökonomischen Unabhängigkeit von Frauen und Mädchen, das Bildungsministerium um die Stärkung der Finanzkompetenz von Schülerinnen und Schülern.
Finanz- und Wirtschaftsbildung sollen künftig verstärkt in den Lehrplänen verankert werden, erläuterte Bildungsminister Wiederkehr. Lernen sollen die Schüler in Zukunft beispielsweise über Verträge, Versicherungen und Veranlagungen. Im Fach Geographie und wirtschaftliche Bildung soll es dafür einen stärkeren Schwerpunkt auf wirtschaftliche Fragestellungen geben. Das werde auch in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern berücksichtigt, bestehende Lehrkräfte sollen mehr Fort- und Weiterbildungen besuchen. Der Fokus auf Schulen ist allerdings nicht neu: schon jetzt entfallen laut Wiederkehr 137 der 235 Maßnahmen auf den Bereich Schule.
Aktuelle Problemlagen sieht Eibinger-Miedl im digitalen Bereich - hier sei Betrug, etwa im Rahmen von Phishing-Mails, aber auch durch "Finfluencer" am Zunehmen. Deshalb gehöre auch Digitalisierung zu den Schwerpunkten. Ob die Angebote gut funktionieren, soll außerdem besser messbar werden. Dafür ist künftig die Österreichische Nationalbank (OeNB) zuständig. Dort will man einen Finanzbildungstest entwickeln, erläuterte Gouverneur Kocher. Dieser soll zeigen, wo Nutzer noch Lücken haben, und auf spezifische Angebote hinweisen.
Für Frauen und Mädchen sei die finanzielle Unabhängigkeit die wichtigste Grundlage für ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben, freute sich Frauenministerin Holzleitner über den Fokus auf diese Zielgruppe. Frauen müssten erfahren, welche Folgen beispielsweise die Entscheidung für Teilzeitarbeit oder die Dauer einer Karenz haben.
Die Wirtschaftskammer (WKÖ), die Industriellenvereinigung (IV) und das Aktienforum begrüßten die Strategie. "Banken und Versicherungen leisten seit Jahren einen wesentlichen Beitrag, damit Konsumentinnen und Konsumenten bei wirtschaftlichen Fragen und ihrer persönlichen Vorsorge gut aufgestellt sind", so Eva Landrichtinger, Geschäftsführerin der Bundessparte Bank und Versicherung der WKÖ. Das werde man auch in die Umsetzung der neuen Strategie einbringen. IV und Aktienforum sprachen sich für die dauerhafte Absicherung der Teilnahme Österreichs an "PISA Financial Literacy" aus. Damit wird die Finanzkompetenz von Schülerinnen und Schülern gemessen.