
von
"Die Anleger befinden sich weiter in einer Pattsituation", beschrieb Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst CMC Markets, die Lage. "Einerseits bleibt die Situation im Nahen Osten unübersichtlich, andererseits bewegen sich einige Aktien von Unternehmen auf sehr interessanten Kursniveaus."
Der Euro-Stoxx-50 gewann zu Mittag 0,65 Prozent auf 5.934,69 Punkte. In Frankfurt notierte der DAX um 0,33 Prozent fester bei 23.886,74 Zählern. Außerhalb des Euroraums legte der Schweizer SMI um 0,85 Prozent auf 13.271,52 Punkte zu, während der britische FTSE-100 0,37 Prozent auf 10.642,99 Punkte gewann.
Die Vorsicht der Investoren galt den schwierigen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. "Solange beide Seiten auf ihre Maximalforderungen bestehen, sieht es nicht gerade nach großer Entspannung aus", betonte Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. "Nachdem eine schnelle Einigung eher unwahrscheinlich wirkt, dürften die Finanzmärkte volatil bleiben." Allerdings sei der Druck auf die Trump-Administration, den Krieg zu beenden, schon wegen der Zwischenwahlen im Herbst hoch.
Inzwischen kamen am Markt Spekulationen über einen möglichen Deal zwischen der Ukraine und Russland auf, der den seit 2022 währenden Krieg eventuell sogar beenden könnte. Auslöser waren Aussagen des ukrainischen Unterhändlers Kyrylo Budanow aus einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg, die dort verbreitet wurden. Das Interview stammt allerdings vom 4. April.
Zu den Gewinnern gehörten die Bauwerte. Hier waren Holcim mit fast vier Prozent gefragt. Neben Goldman Sachs hatte auch Exane BNP Paribas die Einstufung erhöht. Während der Goldman-Experte nach der Kurskorrektur seit Jahresbeginn das aktuelle Niveau als attraktiven Einstiegszeitpunkt betrachtet, hob der Exane-Analyst die jüngsten Äußerungen des Managements positiv hervor.
Verluste verzeichneten dagegen die Ölwerte. Allerdings blieben diese angesichts der massiven Gewinne der Vorwochen überschaubar, nachdem sich bei den Ölpreisen keine weitere Entspannung gezeigt hatte.
Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) äußerten sich vorsichtig. "Entscheidend für die Entwicklung der Energiepreise und damit auch der Konjunktur ist, ob der Krieg endet und die Straße von Hormuz bald wieder frei befahrbar wird", hieß es. "Selbst nach einem Kriegsende dürfte es einige Zeit dauern, bis die Versorgungslücken geschlossen sind und die Energieinfrastrukturen wieder vollständig funktionieren." Die Preise dürften also nicht sofort auf das Vorkriegsniveau fallen.
Lediglich optischer Natur waren unterdessen die Verluste von Zurich Insurance, da die Aktie ex-Dividende gehandelt wurde. Die Abgaben von vier Prozent lasteten trotzdem auf dem Versicherungssektor, der schwächelte - ebenso wie andere eher defensive Sektoren wie Versorger und Telekommunikation.