Europas Leitbörsen notieren zu Mittag klar tiefer

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DAX gibt Teil seiner kräftigen Freitagsgewinne wieder ab
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Erneut hochgekochte Spannungen in Nahost haben die europäischen Leitbörsen am Montag belastet. Der Eurozonen-Leitindex Euro-Stoxx-50 verlor zur Mittagszeit 1,28 Prozent auf 5.980,27 Punkte. Der DAX gab einen Teil seiner kräftigen Freitagsgewinne wieder ab. Der deutsche Leitindex büßte 1,5 Prozent auf 24.341 Punkte ein. Die Situation in der Straße von Hormuz ist weiterhin unübersichtlich und brenzlig.

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Nachdem der Iran vor dem Wochenende die Öffnung der Meerenge bis zur restlichen Dauer der Waffenruhe am Mittwoch angekündigt hatte, wurde dies nach nur einem Tag wieder zurückgenommen. Die Armeeführung monierte dabei die fortdauernde Blockade iranischer Häfen durch die USA. Zudem lehnt die iranische Führung laut einem Bericht der Staatsagentur Irna ein zweites Treffen mit US-Vertretern ab und verwies neben der Blockade auf übertriebene Forderungen und einen ständigen Kurswechsel der USA. Die Ölpreise stiegen wieder deutlich und die Anleger am Aktienmarkt meiden erneut Risiken.

Der DAX hielt sich mit 24.341 Punkte aber weiter über der viel beachteten 200-Tage-Durchschnittslinie. Diese gleitende Linie ist für charttechnisch interessierte Anleger ein wichtiger Indikator für den längerfristigen Trend. Der MDAX mit den mittelgroßen Werten verlor 1,6 Prozent auf 31.430 Zähler.

"Anleger sehen eine erneute Schließung der Straße von Hormuz als Teil der Verhandlungen, und niemand rechnet damit, dass diese ohne Wendungen und Rückschläge auskommen werden", erklärte Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank die vergleichsweise moderaten Verluste. Die wiederholten Störungen auf einer der wichtigsten Energiehandelsrouten unterstreiche jedoch die fragile Lage und dämpfe Hoffnungen auf ein zeitnahes, tragfähiges Friedensabkommen, ergänzte Marktexperte Timo Emden. Und Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC-Partners verwies angesichts des Ölpreisanstiegs auf erneute Inflationssorgen, die an den Börsen mit steigenden Zinsen assoziiert werden.

Größte Verlierer waren wieder einmal Aktien der Reise- und Freizeitbranche, gefolgt von Papieren aus der Autobranche. TUI und Lufthansa sanken im MDAX um die drei Prozent.

Deutsche Autoaktien gaben allesamt nach, wobei die Anteilsscheine des Autobauers VW mit minus 2,7 Prozent am deutlichsten verloren. Zum allgemeinen Druck kamen noch negative Nachrichten und Erwartungen für den Konzern hinzu. So sprach sich Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies dafür aus, den Bau von chinesischen Autos in den deutschen VW-Werken zu prüfen, da der Wolfsburger Autohersteller weiterhin mit Entlassungen und Überkapazitäten an seinen Standorten zu kämpfen hat. Was den anstehenden Quartalsbericht angeht, ist zudem die Investmentbank Goldman Sachs etwas vorsichtiger geworden. Das operative Quartalsergebnis dürfte laut Analyst Christian Frenes etwas unter den Erwartungen liegen.

SAP als Schlusslicht im DAX gaben um 3,5 Prozent nach und weiteten ihren Jahresverlust so auf fast 28 Prozent aus. Die Softwarebranche leidet besonders unter den Sorgen vor einer Verdrängung durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI). SAP-Chef Christian Klein werde zur Zahlenvorlage in dieser Woche wohl insbesondere noch einmal genau erklären müssen, was er mit "kurzfristigen Schmerzen" hinsichtlich der weiteren Aussichten des Unternehmens gemeint habe, erwartet JPMorgan-Analyst Toby Ogg.

Wacker Chemie legten nach angehobenen Jahresumsatzzielen im MDAX um 1,6 Prozent zu. Infolge des Iran-Kriegs verdiente der Chemiekonzern im ersten Quartal vorläufigen Zahlen zufolge operativ mehr als erwartet.

Hinauf geht es für die Öl- und Erdgasproduzenten. So legten etwa ENI um 2,99 Prozent und TotalEnergies um 2,34 Prozent zu.

Die Aktien der Commerzbank setzten sich kurz nach Handelsstart in einem schwachen Gesamtmarkt mit einem ebenso schwachen europäischen Bankensektor positiv ab. Sie gewannen um 1,03 Prozent und profitierten dabei von einer Hochstufung durch die Barclays Bank von "Equal Weight" auf "Overweight". Deren Analystin Flora Bocahut bevorzugt in Deutschland nun die Commerzbank gegenüber der Deutschen Bank. Das Verhältnis zwischen Chancen und Risiken habe sich gebessert, während sich bei der Deutschen positive Impulse verzögerten. Die Papiere der Deutschen Bank verloren zuletzt 2,59 Prozent.

Der Vorstoß der Unicredit sichere Commerzbank-Aktien ab, schrieb Bocahut. Der Kurs liege gerade so eben über dem Gebotspreis der Italiener und weitere Käufe könnten für Auftrieb sorgen. Die Italiener übten inzwischen scharfe Kritik an der Commerzbank. Die Commerzbank schreibe eine "Geschichte operativer Underperformance" und sei gemessen an ihren Fundamentaldaten inzwischen überbewertet, schrieb die Unicredit in einer aktuellen Präsentation mit dem Titel "Commerzbank. Ein neues Kapitel". Das Frankfurter Institut weise strukturelle Schwächen auf, hieß es. Die Unicredit-Aktien sanken in Mailand um 4,36 Prozent.

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