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Die iranische Führung lehnte laut einem Bericht der Staatsagentur Irna ein zweites Treffen mit US-Vertretern ab und verwies neben der fortdauernden US-Blockade von iranischen Häfen auf übertriebene Forderungen und einen ständigen Kurswechsel der USA. Die Ölpreise stiegen wieder deutlich und die Anleger am Aktienmarkt meiden erneut Risiken.
Der DAX gab rund 1 Stunde nach Handelsstart um 1,38 Prozent auf 24.360,70 Zähler nach. "Alles, was die Börsen am Freitag gefeiert haben, ist aktuell wieder hinfällig", kommentierte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC-Partners. Angesichts des erneuten Ölpreisanstiegs flammten die Inflationssorgen wieder auf und die Börsen assoziierten dies mit steigenden Zinsen.
Erneut dürften angesichts der wieder deutlich zugespitzten Lage in Nahost Aktien aus dem Reise- und Freizeitsektor besonders unter Druck geraten. Obendrein werden wohl auch die stark vom Ölpreis abhängigen Branchen wie Auto überdurchschnittlich nachgeben. Hinauf gehen dürfte es für die Öl- und Erdgasproduzenten. So legten etwa ENI um 3,06 Prozent und TotalEnergies um 2,48 Prozent zu.
Beim Autobauer VW kommt noch eine für den Konzern negative Nachricht hinzu. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat sich dafür ausgesprochen, den Bau von chinesischen Autos in den deutschen VW-Werken zu prüfen, da der Wolfsburger Autohersteller weiterhin mit Entlassungen und Überkapazitäten an seinen Standorten zu kämpfen hat. "Eine Art Offenbarungseid" nannte dies ein Händler. Die im DAX notierte Vorzugsaktie gab um 2,5 Prozent nach.
Der Chemiekonzern Wacker verdiente im ersten Quartal infolge des Iran-Krieges im Tagesgeschäft voraussichtlich mehr als gedacht. Kunden hätten Bestellungen wegen des Krieges vorgezogen, teilte das Unternehmen am Freitagabend in München mit. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Papiere von Wacker stiegen um 0,7 Prozent.
Die Aktien der Commerzbank setzten sich kurz nach Handelsstart in einem schwachen Gesamtmarkt mit einem ebenso schwachen europäischen Bankensektor positiv ab. Sie gewannen um 0,89 Prozent und profitierten dabei von einer Hochstufung durch die Barclays Bank von "Equal Weight" auf "Overweight". Deren Analystin Flora Bocahut bevorzugt in Deutschland nun die Commerzbank gegenüber der Deutschen Bank. Das Verhältnis zwischen Chancen und Risiken habe sich gebessert, während sich bei der Deutschen positive Impulse verzögerten. Die Papiere der Deutschen Bank verloren zuletzt 2,96 Prozent.
Der Vorstoß der Unicredit sichere Commerzbank-Aktien ab, schrieb Bocahut. Der Kurs liege gerade so eben über dem Gebotspreis der Italiener und weitere Käufe könnten für Auftrieb sorgen. Die Italiener übten inzwischen scharfe Kritik an der Commerzbank. Die Commerzbank schreibe eine "Geschichte operativer Underperformance" und sei gemessen an ihren Fundamentaldaten inzwischen überbewertet, schrieb die Unicredit in einer aktuellen Präsentation mit dem Titel "Commerzbank. Ein neues Kapitel". Das Frankfurter Institut weise strukturelle Schwächen auf, hieß es. Die Unicredit-Aktien sanken um 3,89 Prozent.