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"Über die Hälfte der Unternehmen unserer Wirtschaftsstufe hat im vergangenen Jahr Umsatz- und Ertragsrückgänge verzeichnet", sagte BGA-Präsident Dirk Jandura. Mehr als ein Drittel rechne mit weiteren Rückgängen bei den Erträgen. "Die wirtschaftliche Lage des deutschen Großhandels ist dramatisch", erläuterte der Verbandschef. "Ändern sich nicht endlich die politischen Rahmenbedingungen für den Mittelstand, müssen wir mit noch mehr Insolvenzen und noch mehr Arbeitsplatzverlust rechnen." Seit 2023 haben den Angaben zufolge bereits mehr als 2.000 Großhandelsunternehmen aufgegeben.
"Ohne Hoffnung auf Wachstum und Stabilisierung bleiben zwangsläufig auch Investitionen aus", warnte Jandura. Zwei Drittel der befragten Unternehmen hätten im vergangenen Jahr ausschließlich Ersatzinvestitionen getätigt oder rationalisiert. "Niemand baut neu, wenn unklar ist, ob das Fundament hält", sagte der BGA-Präsident. "Die Gründe dafür sind eindeutig: Es fehlt das Vertrauen in den Aufschwung."
Die Unzufriedenheit der Unternehmen mit der Politik sei groß. "In Schulnoten ausgedrückt erhält die Bundesregierung im Durchschnitt eine 4 minus", sagte Jandura. "Das bedeutet: Die Versetzung ist stark gefährdet." 75 Prozent der Unternehmen empfänden die bürokratischen Belastungen als überfordernd - zeitlich wie finanziell.
Mehr als zwei Drittel fordern Entlastung bei den Arbeitskosten. "Jedes Prozent mehr bei Krankenversicherung und Rentenversicherung kostet sowohl die Arbeitgeber aber auch die Arbeitnehmer bares Geld", sagte Jandura. Er fordert etwa die sofortige Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Für 44 Prozent der Unternehmen seien zudem die Energiekosten bereits zu hoch, weitere 40 Prozent würden sich hier an der Belastungsgrenze sehen.
Der Großhandel gilt als Scharnier zwischen Herstellern und Kunden. Der stark mittelständisch geprägte deutsche Groß- und Außenhandel erzielt einen Umsatz von rund 1,7 Billionen Euro und hat 1,9 Millionen Arbeitsplätze. "Er ist eine der tragenden Säulen unserer Volkswirtschaft", sagte Jandura.