Deutsche Industrie überrascht mit starkem Auftragsplus

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In der deutschen Industrie zeichnet sich nach langem Niedergang eine Trendwende ab: Ihre Aufträge wuchsen im Dezember nicht nur den vierten Monat in Folge, sondern zugleich so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Das Neugeschäft legte dank Großbestellungen um 7,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte.

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Das größte Plus seit Dezember 2023 kommt völlig überraschend: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang von 2,2 Prozent gerechnet, nachdem es schon im November mit 5,7 Prozent einen außergewöhnlich kräftigen Zuwachs gegeben hatte. "Ein Auftragsboom zum Jahresende. Wer hätte das gedacht?", sagte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Das sieht jetzt wirklich sehr stark nach Trendwende aus."

Werden Großaufträge ausgeklammert, fällt das Plus am Jahresende mit 0,9 Prozent deutlich kleiner aus. Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang im vierten Quartal um insgesamt 9,5 Prozent höher als in den drei Monaten zuvor. "Der Aufwind straft Konjunkturpessimisten Lügen", sagte der Leiter Volkswirtschaft bei Union Investment, Michael Herzum. In den gestiegenen Auftragseingängen spiegelten sich die ersten Effekte der höheren staatlichen Ausgaben wider, die insbesondere der Rüstungsindustrie zugutekommen. "Für mehr Produktion kommt es jetzt darauf an, dass die Aufträge auch zügig abgearbeitet werden", sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger.

Für den erfolgreichen Jahresabschluss sorgten vor allem die Hersteller von Metallerzeugnissen: Hier legten die Aufträge um 30,2 Prozent zu. Die Maschinenbauer kamen auf ein Plus von 11,5 Prozent. "In diesen beiden Wirtschaftszweigen meldete eine Reihe von Betrieben aus unterschiedlichen Bereichen Großaufträge", erklärten die Statistiker. Auch die Zuwächse in der Herstellung von elektrischer Ausrüstung (+9,8 Prozent) sowie von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (+5,7 Prozent) wirkten sich positiv aus. In der Automobilindustrie ging der Auftragseingang hingegen um 6,3 Prozent zurück. Im sonstigen Fahrzeugbau - Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge - gab es ein Minus von 18,7 Prozent gegenüber dem hohen Niveau des Vormonats. "Dennoch gab es auch hier wieder umfangreiche Großaufträge", hieß es. Experten gehen davon aus, dass auch in den kommenden Monaten große staatliche Bestellungen für die Aufrüstung kommen dürften.

Während die Nachfrage aus dem Inland im Dezember um 10,7 Prozent zum Vormonat zulegte, wuchs die aus dem Ausland um 5,6 Prozent. Dabei nahm die Nachfrage aus der Euro-Zone um 0,6 Prozent ab, die aus dem Rest der Welt legte um 9,7 Prozent zu.

Allerdings gibt es auch mahnende Stimmen. "Man sollte bedenken, dass das wichtige Ifo-Geschäftsklima in den zurückliegenden Monaten tendenziell gesunken ist", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Noch signalisieren die Frühindikatoren keine klare Erholung, die wegen des fehlenden Neustarts in der Wirtschaftspolitik ohnehin moderat ausfallen dürfte." Das Bundeswirtschaftsministerium warnte, dass sich das Auslandsgeschäft "angesichts der handels- und geopolitischen Unwägbarkeiten" tendenziell schwächer und unter stärkeren Schwankungen entwickle.

Der reale Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe fiel im Dezember um 1,4 Prozent niedriger aus als im Vormonat. Im November hatte es noch einen Anstieg von 2,9 Prozent gegeben.

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