Carl Zeiss Meditec verlagert mehr Produktion nach China

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Deutscher Medizintechnikkonzern schrieb zum Jahresstart rote Zahlen
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Der deutsche Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec ist unter anderem wegen Problemen in seinem wichtigen China-Geschäft zum Jahresstart in die roten Zahlen gerutscht. Als Konsequenz will der Augenheilkundespezialist nun mehr Produktion in die Volksrepublik verlagern. "Um weiter am großen chinesischen Markt partizipieren zu können, müssen wir mehr Wertschöpfung dorthin verlegen", sagte Finanzvorstand Justus Felix Wehmer im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

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"Wir können nicht ausschließen, dass das Auswirkungen auf Standorte woanders in der Welt, und sicherlich auch Deutschland, haben kann." Die Aktie gab zuletzt rund zwei Prozent nach.

Keine Angaben zu möglichem Stellenabbau

Für genauere Aussagen, etwa auch zu einem möglichen Stellenabbau, sei es derzeit noch zu früh, ergänzte Wehmer. "Das muss erst einmal durch die zuständigen Gremien." Auch die bereits im Jänner ausgesetzte Prognose für das noch bis Ende September laufende Geschäftsjahr liegt vorerst weiter auf Eis.

Im ersten Geschäftsquartal (bis Ende Dezember) hatte das Unternehmen unter dem Strich 4,9 Mio. Euro Verlust verbucht, nach einem Gewinn von 15,7 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Wie bereits bekannt, brach das operative Ergebnis (EBITA) um fast 80 Prozent auf gut 8 Mio. Euro ein. Grund war neben negativen Währungseffekten und höheren Abschreibungen auch das schwierige China-Geschäft.

Das Unternehmen steht in China laut Aussage des Finanzvorstands erheblich unter Druck, zu reagieren. Dort änderten sich derzeit immer schneller die Spielregeln, erläuterte der Manager. Die Regierung in Peking versuche in immer stärkerem Umfang, den chinesischen Markt durch Schutzmaßnahmen nach außen hin abzuschotten. Auch habe Carl Zeiss verschärfte Auflagen erheblich zu spüren bekommen, die als Reaktion auf EU-Strafzölle für chinesische Elektroautos eingeführt worden waren. Problematisch sei zudem die generell schwache Wirtschaftslage in China und die anhaltende Kaufzurückhaltung.

Rückzug aus China außer Frage

Ein Rückzug aus China steht für Carl Zeiss Meditec gleichwohl außer Frage. Für das deutsche Unternehmen, das neben künstlichen Linsen (Intraokularlinsen) auch Instrumente für die Augenuntersuchung sowie Operationsmikroskope und medizinische Laser herstellt, ist das Land mit einem Umsatzanteil von einem Viertel der wichtigste Markt. "China ist der weltweit größte Markt für die Augenheilkunde. Als führendes Unternehmen im Bereich der Ophtalmologie ist es schlechterdings nicht vorstellbar, dort keinen Zugang zu haben", betonte Wehmer. Carl Zeiss Meditec verfügt aktuell über zwei eigene Produktionsstandorte in der Volksrepublik in Guangzhou und Suzhou.

Über die Verlagerungen von Produktion hinaus kündigte das ostdeutsche Unternehmen die Neuausrichtung seiner Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten an. Hinzu kämen weitere Effizienzmaßnahmen; dabei gehe es darum, sich alle Prozesse im Konzern genauer anzuschauen, eventuell zu vereinheitlichen und zu standardisieren, um Kosten zu sparen, erläuterte Wehmer. "Ich will da gar keine Funktion besonders hervorheben, aber auch keine ausnehmen."

Die aktualisierten Ziele für das Jahr soll es weiterhin spätestens bis zur Halbjahresbilanz am 12. Mai geben, bekräftigte der Finanzvorstand. "Bis dahin haben wir mehr Klarheit." Offen ist bisher unter anderem der Ausgang einer wichtigen landesweiten Ausschreibung in China, bei der der Konzern sich mit einer teuren Premiumlinse bewirbt. Das Geschäft wäre bei einem Zuschlag einträglich. Doch erst seit Kurzem ist den Deutschen bekannt, dass sie gegen zwei lokale Anbieter antreten. Dortige Unternehmen werden mittlerweile bei der Vergabe oft bevorzugt.

JENA - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/Bodo Schackow

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