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Am Donnerstag hatte Bayer endgültige Studiendaten vorgelegt, wonach Asundexian das Risiko eines erneuten ischämischen Schlaganfalls um 26 Prozent senkt, ohne die Blutungsgefahr zu erhöhen.
An der Börse sorgte der Studienerfolg für Auftrieb. Bayer-Aktien stiegen in der Spitze um bis zu 3,2 Prozent und gehörten damit zu den stärksten Werten im Dax. "Das Aufatmen unter dem Bayer-Kreuz ist förmlich zu spüren", sagte Analyst Frank Sohlleder von ActivTrades. Ein Händler schätzte das Spitzenumsatzpotenzial auf bis zu drei Milliarden Euro und verwies auf die strategische Bedeutung des Wirkstoffs, da mehrere der aktuellen Umsatzträger des Konzerns unter zunehmendem Druck durch Nachahmermedikamente stehen.
"Wir glauben weiterhin fest an das Blockbuster-Potenzial von Asundexian. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir dieses Versprechen auch einlösen werden", sagte Jan Voss, der bei Bayer für Asundexian verantwortlich ist, am Freitag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Wie viel mehr, bleibe jedoch abzuwarten. Für konkrete Zahlen zum Spitzenumsatz sei es derzeit "noch etwas zu früh". Dies hänge zum einen vom endgültigen Zulassungslabel ab, das Bayer von der US-Arzneimittelbehörde FDA und anderen Gesundheitsbehörden erhalte. "Das definiert maßgeblich das kommerzielle Potenzial."
Zudem verwies Voss auf ein derzeit "ziemlich volatiles" globales Preisumfeld. Bayer müsse sicherstellen, dass Kostenträger weltweit die gesamte wirtschaftliche Tragweite eines Schlaganfalls verstünden. Dabei gehe es nicht nur um die Vermeidung von Schlaganfällen, sondern auch um Kostenfaktoren wie Blutungen. "Die Daten zeigen, dass es keinen Anstieg der Blutungsraten gegenüber Placebo gibt. Das ist an sich schon ein wichtiger Werttreiber", sagte Voss. Dies bestimme letztlich die Preisniveaus und damit den Spitzenumsatz.
Am Donnerstag hatte Bayer auf einer Fachkonferenz die Ergebnisse der zulassungsrelevanten Studie Oceanic-Stroke vorgestellt. Bei den Teilnehmern, die bereits einen Schlaganfall erlitten hatten, verringerte Asundexian das Risiko eines erneuten ischämischen Schlaganfalls um 26 Prozent im Vergleich zu einem Placebo. Studien-Co-Leiter Ashkan Shoamanesh von der kanadischen McMaster University sprach von "wirklich revolutionären" Ergebnissen, da die Wirkung ohne ein erhöhtes Risiko für schwere oder leichte Blutungen erzielt wurde. Er gehe davon aus, dass dies ein neuer weltweiter Behandlungsstandard werde.
Für Bayer ist der Erfolg strategisch entscheidend. Der Konzern muss in seiner Pharmasparte den Wegfall des Patentschutzes für den umsatzstarken Blutverdünner Xarelto verkraften. Nachdem Asundexian 2023 in einer Studie zur Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern und Schlaganfallrisiko gescheitert war, war auch das ursprünglich erhoffte Spitzenumsatzpotenzial von mehr als fünf Milliarden Euro hinfällig. Bayer prüft nun weitere Einsatzmöglichkeiten für den Wirkstoff. Man denke aktiv über neue Studien nach. Dazu gehöre, weitere Daten in der aktuellen Anwendung zu erheben und das Potenzial auch in anderen Indikationen zu prüfen.
LEVERKUSEN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/AFP/INA FASSBENDER