
Erst jetzt habe ich die vielfältigen Interessen, tiefgründigen Essays und unterhaltsamen Bücher Helmut A. Gansterers entdeckt. Es hätte schon früher sein sollen.
von
Heide Schmidt
Ich gebe zu, dass ich mich erst seit wenigen Tagen intensiv mit Helmut A. Gansterer beschäftige, aber was ich bereits in dieser Zeit über ihn erfahren habe, beeindruckt mich. Nach der Gründung des Liberalen Forums am 4. Februar 1993 wurde ich vom trend zur Frau des Jahres gewählt. Gansterer hat sich auch intensiv mit Liberalismus auseinandersetzet und ein Interview mit mir geführt: „Wer braucht die Liberalen?“ Wenn ich heute das Interview nachlese, empfinde ich es als fair, und wenn ich seine Ausführungen zu Haider und dem Liberalismus nachlese, empfinde ich sie auch heute noch als zutreffend. Ich glaube nicht, dass wir jemals gemeinsam auf einen Kaffee oder ein Glas Wein oder essen gegangen sind, aber das lag wohl vor allem daran, dass ich in solchen Aktionen ein Risiko für den Verlust der notwendigen professionellen Distanz zwischen Politikern und Journalisten gesehen und es daher grundsätzlich unterlassen habe. Wenn ich heute lese, worüber Gansterer reflektiert und schreibt, über welche Bandbreite an Interessen und Wissen er verfügt, welch wunderbare Essays er zu Papier gebracht und welche Zahl und Vielfalt an Büchern er verfasst hat, so habe ich das Gefühl, dass es ein Versäumnis ist, ihn nicht ein wenig näher kennengelernt zu haben.
Wie anregend hätten wir uns doch über die gemeinsame Aufgabe des Journalismus und der Politik für die Gesellschaft und die Demokratie austauschen können! Wie interessant hätten unserer Gespräche über Leben, Tod und die These sein können, um wie viel Tausend Jahre das Leben durch das Lesen von Romanen verlängert werden kann. Wie und mit welcher Haltung Wissensvermittlung stattfinden sollte, ganz im Sinne des Liberalen Karl Popper: „Ich kann recht haben und du kannst irren, auch du kannst recht haben und ich kann irren, aber gemeinsam können wir der Wahrheit näher kommen.“ Dieser Grundrespekt vor dem Gegenüber und anderen Meinungen scheint mir ein wesentliches Kennzeichen seiner journalistischen und schriftstellerischen Arbeit zu sein, und es ist auch mein Anspruch an demokratische Politik.
In beiden Berufsfeldern – und sie können nicht ohne einander existieren – habe ich den Eindruck, dass immer mehr Menschen reüssieren, denen diese Haltung fremd ist – zur Schande für die Demokratie. Wie spannend wäre es, mit ihm über die notwendige Grenzziehung zwischen demokratisch und antidemokratisch zu diskutieren, darüber, wem und welchen Positionen Politik und Journalismus Öffentlichkeit und Respekt geben müssen, und wie man der Unredlichkeit in der Kommunikation begegnet.
Glücklicherweise gibt es sie noch, die Gansterers. Und sein persönliches Geburtstagsfest soll daran erinnern, was wichtig ist und Demokratie und Gesellschaft zusammenhält.
Danke und alles Gute!
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Heide Schmidt