Edelfeder, Literat und Freund

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Gansterer mit Auto
 © FOTO: RENÉ PROHASKA

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Zum 80. Geburtstag eines außergewöhnlichen Journalisten.

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Bild von Klaus Woltron

Klaus Woltron

Aufsätze zu verfassen, fiel mir schon als Kind und Jugendlichem leicht. Auf Deutsch-Schularbeiten freute ich mich. Diese Vorliebe hielt an, verstärkte sich und führte später dazu, dass mich die schreibende Zunft, der Journalismus und dessen Sphäre insgesamt faszinierten. Es blieb nicht aus, dass ich in meiner späteren Rolle als Chef großer Gesellschaften in Kontakt zu vielen Wirtschaftsjournalisten trat. Der weitaus prominenteste in dieser Riege war Helmut A. Gansterer, damals (etwa um 1980) Herausgeber dieser Zeitung, des Wirtschaftsmagazins trend – aber nicht nur. Dazu später.

Die Freundschaft

Die beruflichen Kontakte entwickelten sich zu einer Verbundenheit, die über mehrere Jahrzehnte hinweg andauerte. Sie hatte viele Wurzeln: gemeinsame Herkunft, persönliche Sympathie, übereinstimmende Interessen usw. Auch berufliche Motive spielten eine Rolle: Mir eröffnete sich die Möglichkeit, die Anliegen meines Berufsstandes in der Öffentlichkeit zu vertreten. Im Gegenzug verschaffte der Meinungsaustausch Helmut Gansterer einen Einblick in die ganz -persönlichen Sorgen, Motive und das Denken eines sinnsuchenden Industriemanagers. Über mehrere Jahrzehnte bestand der geistige Austausch zwischen Freunden, die beide aus einfachen Verhältnissen in der Industriestadt Ternitz stammten. Beiden war es gelungen, sich emporzuarbeiten und zu wirken: jeder auf seine ganz eigene Weise.

Der Literat 

Helmut war, neben vielem anderen, inspiriert von berühmten Literaten Wiens und deren Umfeld wie Karl Kraus, Peter Altenberg, Felix Salten, Robert Musil, Heimito von Doderer, Elias Canetti usw.

Er beschrieb liebevoll und kenntnisreich deren Arbeitswelt – das Wiener Kaffeehaus – und tauchte selbst tief in diese ein. Dorthin nahm er mich eine Zeit lang mit und verschaffte mir auch Einblicke in das Wiener Nachtleben: eine für mich anfangs faszinierende, aber fremde und gefährliche Scheinwelt, aus welcher ich mich recht bald, unbeschädigt, wieder verabschiedete. 

Die Künstlernamen

Seine Aus- und Einsichten und Urteile trug er, in unvergleichlich luftig- geistvoller Form, nicht nur in profil und trend, sondern auch unter beziehungsvollen Pseudonymen in das lesende Volk: In der „autorevue“ unter dem Decknamen Phil Waldeck, im „Diners Club Journal“ als Adam Bronstein. Dabei half ihm auch seine Liebe zur Technik, zu immer neuen PCs, Autos und Motorrädern. Eines davon, welches ihn mehrfach abgeworfen hatte, schenkte er mir: Die legendäre Honda VF750C, genannt „Wassersau“, Baujahr 1982. Sie warf auch mich ab: im Höllental, in die Leitschiene. 

Der Macho

Ein schillernder Hang verband ihn mit der Welt der Weiblichkeit. Der Treueste war er beileibe nicht, und im vielem hing er einer maskulin dominierten – man könnte fast sagen, machohaften – Gesinnung an. Als wir beide einmal von einer feministischen Gruppe zu einer Podiumsdiskussion eingeladen worden waren, buhte man uns wegen unserer offensichtlich gleisnerischen, anbiedernden Äußerungen gnadenlos aus: übrigens zu Recht. 

Die Verdienste

Nach den aufregenden Jahren von 1980 bis zum Ende des Jahrtausends führten unsere Wege langsam auseinander. Ich verabschiedete mich aus der Welt der Wirtschaft, Helmut blieb seiner Profession treu. Nun sind wir beide unversehens achtzig Jahre alt geworden. Was bleibt?

Helmut Gansterer hat sich das Adelsprädikat „Edelfeder“ in einem langen Leben als Journalist und Literat zu Recht erworben. Dazu und zum Achtziger in einem facettenreichen Leben gratuliere ich ihm aufs Herzlichste. 

Alles Gute wünsche ich dir, alter Freund, aus der Ferne!

Über die Autoren

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